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Serientipp
"Explained" in queer
Sympathisches Weltablenkungs-TV mit leichten Macken: In der Netflix-Serie "Getting Curious with Jonathan Van Ness" klärt der nichtbinäre "Queer Eye"-Star über Haare, Insekten, Wolkenkratzer und die Überwindung der Gender-Binarität auf.

In einer Folge fragt Jonathan Van Ness: "Are Scyscrapers Huge Divas?" (Bild: Netflix)
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6. März 2022, 03:26h - 3 Min.
"Getting Curious with Jonathan Van Ness" ist die Art von Serie, die man einschaltet, wenn der Kopf brummt aufgrund der Nachrichtenlage, Alltagssorgen oder einfach nur dem schlechten Wetter. In sechs Folgen à 25 Minuten wird uns die Welt erklärt von Jonathan Van Ness, Teil der gefeierten Netflix-Serie "Queer Eye". Der nichtbinären Person gelingt es, der auf den ersten Blick etwas chaotisch erscheinenden Themenlage der Serie (Insekten? Wolkenkratzer? Haare?) eine persönliche Note zu verleihen.
Die Episoden bauen zwar eindeutig auf Van Ness' Charme auf, leider reicht das jedoch nicht immer, das lose Konzept der Serie zusammenzuhalten. Der Plan hinter der von World of Wonder (bekannt als die Verantwortlichen für "RuPaul's Drag Race") produzierten Staffel war wohl, auf den Hype der Netflix-Erklärserien aufzuspringen, quasi "Explained" in queer.
Kinder-TV für Erwachsene

Poster zur Serie: "Getting Curious with Jonathan Van Ness" läuft seit Ende Januar 2022 auf Netflix
Die Frage ist hier, an wen "Getting Curious with Jonathan Van Ness" gerichtet ist. Die zahlreichen Formate, die in einer einzelnen Folge mit schnellen Schnitten aneinandergereiht werden, erinnern eher an eine "Variety Show" für Kinder – Cartoons, Interviews, Songs, gewollt trashige Animationen und Sketche mit Van Ness in lustigen Kostümen geben sich im Sekundentakt die Klinke in die Hand. Die Witze hingegen sind oft weniger für Kinder geeignet.
Auch nimmt die Erklär-Serie sich keine Zeit für das Thematisieren von häufig verwendeten Begriffen wie "Klassismus" – hier wird ironischerweise das Kennen der Bedeutung vorausgesetzt. Eine vertane Chance, schließlich wäre die Serie das perfekte Format für diese Art von Bildung. Die Idee schien insgesamt gewesen zu sein: "Hey, lassen wir doch Jonathan mal mit einer Entomologin reden und schauen, was passiert!" Manchmal entsteht dabei Interessantes, manchmal eher Frustrierendes, wenn die vielen Belustigungs-Angebote der Serie nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die vermittelten Informationen belanglos sind.
Ein tiefer gehender Einblick bleibt oft unmöglich
Wir sehen Folgen, die oberflächlich bleiben und uns beispielsweise sagen, dass zu viel Zucker ungesund ist und Spinnen acht Beine haben, sowie Episoden, die sich sofort tief in ihre Materien stürzen und uns die fünf verschiedenen Sprünge beim Eiskunstlauf oder die Überwindung der Gender-Binarität erläutern. Der Unterschied hierbei ist die Nähe der Themen zu Jonathan Van Ness selbst. Die Highlights der kurzen Staffel sind zweifelsohne die zwei Folgen über Haare und Gender-Binarität, also über Herzensangelegenheiten von Van Ness. Diese Folgen sind es auch, die sich trauen, die kontroversen Aspekte zu erforschen, und lohnen sich definitiv, wenn man kein Interesse hat, gleich die ganze Staffel zu schauen.

Immer wieder lustige Kostüme: Jonathan Van Ness klärt über Zucker auf (Bild: Netflix)
Insgesamt ist die Serie durchaus erfolgreich darin, uns in einer knappen halben Stunde möglichst viele Perspektiven auf ein Thema zu zeigen. Das sorgt aber auch dafür, dass ein tiefer gehender Einblick oft unmöglich bleibt. Erfreulich hervorzuheben ist, wie viel Wert darauf gelegt wurde, Schwarzen Personen und Personen of Color die Bühne zu bieten – beispielsweise der ersten Schwarzen Kuratorin im American Museum, Dr. Jessica Ware. "Getting Curious With Jonathan Van Ness" ist auf dem richtigen Weg, es fehlt nur an Struktur und kohärenter Themenwahl.
Am Ende ist es einfach entspannend, Van Ness beim Erfüllen der Kindheitsträume zuzusehen, beispielweise beim Besuch einer Donut-Fabrik oder beim Drehen eines Action-Films mit Insekten. "Getting Curious with Jonathan Van Ness" ist bunt, glitzernd, wenig kontrovers – sympathisches Weltablenkungs-TV, welches noch nicht ganz sein eigenes Tempo gefunden hat. Vielleicht gelingt das in der nächsten Staffel, sollte es eine geben.
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Links zum Thema:
» "Getting Curious with Jonathan Van Ness“ auf Netflix
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» auf sissymag.de
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