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Ukraine-Krieg

Moskauer Patriarch: Gay-Paraden Grund für Krieg

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche stellt in einer aktuellen Predigt eigene wirre Propaganda-Gedanken zum Geschehen "im Donbass" an.


Kyrill bei der Predigt am Sonntag (Bild: Youtube-Screenshot)

Kyrill I. hat in einer Predigt am Sonntag in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau zum Krieg in der Ukraine Stellung genommen, ohne diesen als solchen näher zu benennen oder zu verurteilen. Vielmehr sprach das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche von der Notwendigkeit, den christlichen Glauben zu verteidigen, und nutze dabei angeblich vom Westen aufgezwungene Gay Prides als quasi Rechtfertigung für kriegerische Handlungen.

Der Beginn des Frühlings werde überschattet von "schwerwiegenden Ereignissen im Zusammenhang mit der Verschlechterung der politischen Situation im Donbass, praktisch dem Ausbruch von Feindseligkeiten", so der 75-Jährige in Bezug auf das seit 2014 teilweise von prorussischen Separatist*innen beherrschte Gebiet in der Ukraine – die russische Politik und Propaganda verkauft den umfassenden Angriffskrieg auf die Ukraine als "militärische Spezialoperation im Donbass" zu ihrer Unterstützung. "Seit acht Jahren gibt es Versuche, das zu zerstören, was im Donbass existiert", so Kyrill. "Und im Donbass gibt es eine Ablehnung, eine grundsätzliche Ablehnung der sogenannten Werte, die heute von denen angeboten werden, die die Weltmacht beanspruchen."

Laut dem Kirchenoberhaupt gebe es "einen Test der Loyalität gegenüber dieser Macht", der Zutritt gewähre "in diese 'glückliche' Welt, eine Welt des übermäßigen Konsums, eine Welt der scheinbaren 'Freiheit'". Bei diesem "erschreckenden" Test handle es sich um CSDs: "Die Forderung vieler, eine Gay-Pride-Parade zu veranstalten, ist ein Test der Loyalität zu dieser sehr mächtigen Welt; und wir wissen, dass Menschen oder Länder, die diese Forderungen ablehnen, nicht Teil dieser Welt werden, sie werden zu Fremden in dieser Welt."

Wer Sünde benenne, werde "gewaltsam unterdrückt"

"Wir wissen, was diese Sünde ist", die durch CSDs gefördert würden, so Kyrill weiter. Sie werde von Gott im alten und neuen Testament verurteilt. "Und wenn Gott die Sünde verurteilt, verurteilt er nicht den Sünder. Er ruft ihn nur zur Umkehr auf – aber nicht, um die Sünde zu einer Lebensnorm, zu einer Variante des menschlichen Verhaltens, zu machen, die respektiert und akzeptiert wird".

Wenn die Menschheit annehme, dass Sünde kein Verstoß gegen Gottes Gesetz sei, werde die menschliche Zivilisation enden, so Kyrill. Gay-Prides sollten Sünde als eine Variation des menschlichen Verhaltens zeigen, und Länder müssten zur Aufnahme in die internationale Gemeinschaft diese abhalten. "Wir wissen, wie sich Menschen gegen diese Forderungen wehren und wie dieser Widerstand gewaltsam unterdrückt wird." Letztlich gehe es darum, "den Menschen mit Gewalt die Sünde, die durch das Gesetz Gottes verurteilt wird, und also die Leugnung Gottes und seiner Wahrheit aufzuzwingen".

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Was im Bereich der internationalen Beziehungen geschehe, habe daher nicht nur politische Bedeutung, sondern es gehe um die "Errettung der Menschen": "Alles, was mit der von der Bibel verurteilten Rechtfertigung der Sünde zusammenhängt, ist heute eine Prüfung für unsere Treue zum Herrn, für unsere Fähigkeit, den Glauben an unseren Retter zu bekennen." Das sei nicht nur theoretisch: "Um dieses Thema gibt es heute einen regelrechten Krieg. Wer greift heute die Ukraine an, wo die Unterdrückung und Vernichtung von Menschen im Donbass seit acht Jahren andauert? Acht Jahre Leiden und die ganze Welt schweigt". Dabei wisse man, "dass unsere Brüder und Schwestern wirklich leiden", auch wegen der Treue zu ihrer Kirche.

Letztlich befinde man sich in einem Kampf mit metaphysischer Bedeutung, so Kyrill, bei dem man vergeben könne (das eigentliche, nur zum Ende hin angesprochene und hier nun eingekürzte Thema der Predigt ist der "Sonntag der Vergebung"). Dabei müsse man aber "auf der Seite der Wahrheit Gottes" stehen, da "Vergebung ohne Gerechtigkeit" eine "Kapitulation und Schwäche" sei: "Wir werden dem Wort Gottes treu sein, wir werden seinem Gesetz treu sein, wir werden dem Gesetz der Liebe und der Gerechtigkeit treu sein, und wenn wir Verstöße gegen dieses Gesetz sehen, werden wir niemals diejenigen dulden, die dieses Gesetz zerstören, die die Grenze zwischen Heiligkeit und Sünde verwischen, und vor allem diejenigen, die die Sünde als Modell oder als Vorbild für menschliches Verhalten befürworten."

Man müsse dafür beten, dass die Menschen im Donbass den orthodoxen Glauben bewahrten – und auch "dass so bald wie möglich Frieden einkehrt, dass das Blut unserer Brüder und Schwestern aufhört zu fließen, dass der Herr dem leidgeprüften Land Donbass, das seit acht Jahren den traurigen Stempel der menschlichen Sünde und des Hasses trägt, seine Gnade schenkt", so Kyrill.

Auf Seiten Putins gegen das "Böse"

Bereits vergangenen Sonntag hatte Kyrill die Gegner der russischen Armee in der Ukraine als "Kräfte des Bösen" bezeichnet und dabei vom "einheitlichen Raum der russisch-orthodoxen Kirche" gesprochen, womit Russland, Belarus und die Ukraine gemeint sind. Die beiden orthoxen Kirchen der Ukraine hatten hingegen von Putin ein Ende des Krieges und von Kyrill einen entsprechenden Einsatz gefordert.

Twitter / mjluxmoore | Ohne Unterstützung der Kirche gingen in Russland am Sonntag erneut in dutzenden Städten zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Medienangaben zufolge gab es zwischen 3.500 und 4.500 Festnahmen
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Kyrill gilt als Mitverantwortlicher der anti-queeren Politik Russlands. 2017 verglich er die Ehe für alle mit Nazigesetzen (queer.de berichtete). Bereits 2013 hatte er davor gewarnt, dass die Ehe für alle zum Weltuntergang führen könne (queer.de berichtete). Zudem macht er LGBTI-Aktivisten für viele Übel der Welt verantwortlich: So sei der Terrorismus des "Islamischen Staates" die Antwort auf eine gottlose Gesellschaft mit CSDs (queer.de berichtete). Das Oberhaupt von über 150 Millionen russisch-orthodoxen Christen setzte sich für das Gesetz des Putin-Regimes gegen Homo-"Propaganda" ein und begrüßte öffentlich das Verbot von CSD-Demonstrationen in Moskau, die er als "eine aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht" bezeichnete. (nb)



#1 LorenProfil
  • 06.03.2022, 16:46hGreifswald
  • Für die ... dieses ... fallen mir leider keine höflichen Formulierungen ein.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Sven100Anonym
#3 stephan
#4 Sven100Anonym
#5 LothiAnonym
#6 MarbelaAnonym
  • 06.03.2022, 17:38h
  • "Wir wissen, was diese Sünde ist", die durch CSDs gefördert würden, so Kyrill weiter. Sie werde von Gott im alten und neuen Testament verurteilt.

    gelten bei den Orthodoxen denn die 10 Gebote nicht? Was ist mit

    ...nicht töten
    ...nicht lügen
    ...nicht begehren der Dinge des Nächsten
    ...nicht den Namen des Herrn für (Propaganda) Zwecke missbrauchen...

    Dies sind ja nur Gebote, die der "Herr" halt wohl nicht so gemeint hat und sowieso... bla bla bla.
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#7 lindener1966Profil
  • 06.03.2022, 19:04hHannover
  • Wer sich schon mit Putin und Russland beschäftigt hat, kennt diese Meinung. Er drückt die Verachtung über unser westlichen Selbstverständnisses aus. Die Aufklärung ist dort nie angekommen, eine nur auf Vernunft beruhende Moral nich denkbar. Dadurch wurden wir auch auf metaphysischer Ebene zum Feind. Da wird dann ein Krieg als eine natürliche und notwendige Entwicklung beschrieben.
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#8 StaffelbergblickAnonym
  • 06.03.2022, 19:07h
  • Wow .. der Mann ist gut .. .der hat die Wahrheit erkannt ... furchtbar wie dieser Putin immer bei den CSD Veranstaltungen in Moskau vor dem Kreml in doggy-style auf "allen Vieren" getrieben wurde mit einem riesigen NATO-Dildo im Arsch ... Da muss MANN doch mal hemmungslos den Nachbarn überfallen.
    Das wird MANN wohl noch predigen dürfen.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 06.03.2022, 19:44h
  • Antwort auf #2 von Sven100
  • Der ist mir auch als Erstes eingefallen. Es ist wirklich komisch, wie wenig das aber sonst in den Medien zur Sprache zu kommen scheint. Andererseits hat aber wohl auch nicht jede/r so viel Erfahrung mit Diktatoren wie ein Deniz Yücel.

    Zu diesem Weihnachtsmännchen mit Engelsschleier kann man wohl weiter nichts sagen. Es ist der übliche Bullshit, den man auch von Pat Robertson zur Genüge kennt.

    Dass wegen unsereinem Krieg geführt wird, ist aber wirklich ein Novum. Man weiß nicht, ob man sich da geschmeichelt fühlen soll.
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#10 FliegenAnonym