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Reality-TV

Die deutschen Fab 5 machen ihre Sache überraschend gut

Am Mittwoch startet auf Netflix die Makeover-Serie "Queer Eye Germany". Vieles ist gleich und doch einiges anders als im US-Original. Besonders Beauty-Expertin David und Mode-Guru Jan-Henrik stechen hervor.


Ab 9. März 2022 auf Netflix: David Jakobs, Jan-Henrik Scheper-Stuke, Aljosha Muttardi, Ayan Yuruk und Leni Bolt (v.l.n.r.) sind die deutschen Fab 5 (Bild: Netflix)

Der alleinerziehende Vater und große BVB-Fan Björn ist der erste, dem die deutschen Fab 5 unter die Arme greifen. Nachdem die Netflix-Serie "Queer Eye" seit 2018 erfolgreich Menschen dabei hilft, sich und ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, gibt es nun auch eine deutsche Version, in der vieles gleich und einiges anders ist als im US-Original.

Direkt zu Beginn stellt man fest, dass die Serie sich stark an der bekannten Vorlage orientiert. Das wird deutlich, wenn die Fab 5 sich aufmachen, besagten Björn zu besuchen. Das klassische Briefing findet im Auto statt – mit entsprechenden Anmerkungen und Zwischenschnitten, die Björn in seinem privaten Umfeld zeigen.

Diversität spielt eine große Rolle

Dass die Fab 5 aus ausschließlich queeren Menschen bestehen, versteht sich schon aufgrund des Titels von selbst. Und Diversität spielt auch bei "Queer Eye Germany" eine große Rolle. Da ist zunächst David, zuständig für Beauty, die mit ihren Tätowierungen, ihrer Frisur und den meist großen Ohrringen eine der zumindest optisch auffälligsten der Fünf ist.

Die nichtbinäre Leni mit ihren violetten Haaren kümmert sich als Life-Coach um die sozialen und seelischen Belange, Aljosha ist für Ernährung und Gesundheit zuständig und der türkischstämmige Ayan kümmert sich um das wohnliche Umfeld. Diversität spiegelt sich also nicht nur bezüglich sexueller Orientierung und Identität wider. Besonders sticht zudem noch Modeexperte Jan-Henrik hervor, der mit seinem Schnäuzer und bunten Anzügen auffällt, aber auch aufgrund seines norddeutschen Dialekts und seiner hanseatischen Nüchternheit und Direktheit.

Damit stellt Jan-Henrik auch einen der größten Unterschiede zu Jonathan, Tan & Co. dar. Während "Queer Eye" für eine amerikanisch-überbordende Herzlichkeit bekannt ist, bringt Jan-Henrik deutsche Sachlichkeit und Pragmatik mit, was dem Format zur Abwechslung durchaus guttut. Die meisten dürften die fünf Expert*innen nicht kennen, zumindest in klassischen Fernsehformaten waren sie bislang kaum tätig. Sie haben Erfolg auf Youtube oder mit Podcasts oder wie Jan-Henrik ihr eigenes Unternehmen.

Direktlink | Ayan kümmert sich um das wohnliche Umfeld
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Archetyp eines deutschen Hetero-Mannes

In der Auftaktfolge begeben sich die Fab 5 in eine Kleinstadt. Dass statt der amerikanischer Midlands mit seinen Weiten plötzlich ein deutscher Durchschnittsort zu sehen ist, mag irritieren, wenn man bislang nur das Original kannte. Mit Björn hat man sich zudem jemanden ausgesucht, der eine Art Archetyp des deutschen Hetero-Mannes darstellt. Er ist großer Fußball-Fan und will seine Unsicherheit und Schüchternheit überwinden, damit sein zweites Date mit einer Frau besser läuft als das erste. Denn dieses hat er ziemlich vergeigt, wie er verrät. Vor allem sein verlegenes Kichern wird Leni ihm im Laufe der Folge abgewöhnen.

Direktlink | Aljosha ist für Ernährung und Gesundheit zuständig
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Während Björn also an sich arbeitet, kommentiert sein Sohn das Geschehen rund um seinen Vater und ihn. Auf die Frage, wie sein Zimmer aussehen soll, kommt ihm ein "Hauptsache nicht rosa" über die Lippen, welches David mit entsetztem Gesichtsausdruck kommentiert. Gegen Ende der Folge ist er es, der die Folge beschließt: "Ich wollte mal sehen, wie verrückt ihr denn so seid."

Empathisch und herzlich

Und man kann festhalten: Die deutschen Fab 5 machen ihre Sache gut. Sie sind empathisch, herzlich und halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. Auch eigene Erfahrungen fließen immer wieder in Gesprächen mit Björn ein. Besonders David sticht mit ihrer einfühlsamen Art hervor und sagt gern frei heraus, was sie denkt. Mit Jan-Henrik gibt es einen passenden Gegenpart. Allerdings fehlt in der Auftaktfolge noch die Vertrautheit der Fab 5 untereinander. Das Zusammenspiel der Fünf ist noch nicht rund, wird von Folge zu Folge aber besser.

So besuchen die Fab 5 in der zweiten Folge einen noch nicht geouteten jungen Mann im westfälischen Hagen und in Folge drei eine von mehreren Schicksalsschlägen getroffene junge Frau in Kiel. Wem die erste Folge vielleicht ein wenig zu holprig war, sollte dennoch dranbleiben. "Queer Eye Germany" wird mit jeder Folge besser. Und ja, verrückt sind die deutschen Fab 5 – verrückt und herzlich.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer
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#1 DQ24Anonym
  • 08.03.2022, 10:22h
  • Zwei Dinge ärgern mich an diesen Formaten:

    1. Es läuft nur im Bezahlfernsehen.
    2. Die Protagonisten erfüllen mehr oder weniger Klischees über Homosexuelle und/oder transsexuelle/transgender Menschen.

    Hilfe für eine queere Emanzipation sind solche Formate nicht, wohl aber ein (heterosexueller) Blick auf queere Menschen.

    Solche Formate sind so nützlich, wie Herr Putin.
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#2 DreddAnonym
  • 08.03.2022, 10:45h
  • Antwort auf #1 von DQ24
  • Es ist ne Styling-Lifestyle-Show, unabhängig von Geschlecht und Sexualität sind das natürlich Leute die dann auch diesen bussi-bussi-sektchen Lifestyle pflegen.... was soll der 08/15 dude in Jeans und Hoodie denn groß an Modetips geben?
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#3 StaffelbergblickAnonym
  • 08.03.2022, 12:37h
  • Danke für den Hinweis und die verschiedenen Trailer. Mein Bedarf ist gedeckt. Viel zu sehr aufgesetzt. Querness wird nicht vorangetrieben, indem immer wieder mit Glamourshows eine exponiertes Publikum angesprochen wird. Mich berührt es mehr, wenn ich Berichte über z.b. schwule Landwirte in der Pampa sehe .. .die dort tagtäglich der regulären landwirtschaftlichen Arbeit nachgehen. Ich kann mit all diesen Shows nichts anfangen ... deswegen gucke ich die auch nicht. Egal wo und auf welchem Sender.
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#4 downtoearthAnonym
  • 08.03.2022, 19:57h
  • Antwort auf #3 von Staffelbergblick
  • I hear you.
    Queerness und vor allem Stereotypes als Zirkusshow. Wieder ein Skripted-Reality-Format. Vorhersehbar, kommerziell und vor allem nicht anstössig (wirkliche rule breaker gibt es nicht).
    Banales Unterhaltungsformat, dass sich als tolerant und vielfältig tarnt, aber queer dann doch als Freakshow dem Biedermann präsentiert.
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#5 LeashProfil
  • 09.03.2022, 11:40hHamburg
  • Antwort auf #4 von downtoearth
  • Hab ich mir nicht angeguckt, deswegen erlaube ich mir kein Urteil, aber möchte doch anmerken das wenn die sich da - keine Ahnung - super "tuckig" verhalten ich das nicht sehen würde als "Freakshow für die Heten", sondern eher als Repräsentation für diejenigen die so sind.
    Ich finde in dem ihr das kritisiert sendet ihr auch gleichzeitig die Message sich so zu verhalten sei irgendwie nicht okay.
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#6 LeashProfil
  • 09.03.2022, 11:44hHamburg
  • Antwort auf #1 von DQ24
  • "Solche Formate sind so nützlich, wie Herr Putin."
    Bei Herrn Putin dürfen solche Formate gar nicht ausgestrahlt werden, also ich finde wir können schon froh sein das sowas bei uns überhaupt läuft (auch wenn es nur dumme Unterhaltung ist).
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#7 Rama QueenAnonym
#8 SakanaAnonym
  • 09.03.2022, 12:20h
  • In diesen schweren und fordernden Zeiten (Corona-Pandemie, Ukrainekrieg) ist queeres Feel-Good-Fernsehen vielleicht für viele einfach ein kleiner Ausweg aus dem ganzen Schlamassel, das auch die Psyche extrem belastet. Deshalb halte ich mich da mit inhaltlicher Kritik zurück und freue mich einfach drüber, dass Menschen anderen Menschen eine Freude machen wollen.
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