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Katholische Kirche

Kardinal feiert Queer-Gottesdienst – HuK: "Skepsis ist weiterhin angebracht"

Das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen: In München feiert Kardinal Reinhard Marx eine Messe für die LGBTI-Community. Ist das das Hoffnungszeichen, auf das queere Katholik*innen seit langem warten?


Kardinal Reinhard Marx hat seine frühere homophobe Rhetorik inzwischen eingestellt – und unterstützt sogar offen queere Katholik*innen (Bild: Degreezero / wikipedia)
  • Von Britta Schultejans, dpa
    13. März 2022, 07:52h, 6 Kommentare

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da ging ein Aufschrei durch die katholische Kirche in Deutschland. Das kategorische Nein des Vatikan zur Segnung homosexueller Paare brachte viele Katholiken hierzulande auf die Barrikaden – und sogar geweihte katholische Priester widersetzten sich im Mai 2021 ganz offen und deutlich dem Diktat aus Rom. Im Rahmen der Aktion "Liebe gewinnt" gab es überall in Deutschland Segensfeiern für homosexuelle Paare.

Seither ist einiges passiert. Im Januar dieses Jahres outeten sich 125 queere Beschäftigte der Kirche und protestierten unter dem Motto #OutInChurch gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in dieser Woche kündigte der Vorsitzende, der Limburger Bischof Georg Bätzing, eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechtes an. In der katholischen Kirche kann es einen bislang den Job kosten, wenn man zum Beispiel eine gleichgeschlechtlichen Partnerschaft öffentlich macht.

Münchner Queer-Gemeinde feiert 20-jähriges Bestehen

Vertreter der Initiative #OutInChurch übergaben den Bischöfen bei ihrer Vollversammlung eine Petition, die rund 118.000 Menschen unterzeichnet haben. Darin stehen sieben Kernforderungen, etwa Segensfeiern für queere Paare. Weiter heißt es: "Diffamierende und nicht zeitgemäße Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität müssen auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse revidiert werden." Bätzing hatte betont, die Bischöfe müssten reagieren. "Da ist Druck im Kessel."

Womöglich auch weil er das genau so gut weiß wie Bätzing, hat sich der Münchner Kardinal und frühere DBK-Vorsitzende Reinhard Marx zu einem Schritt entschieden, der so vor einigen Jahren wohl noch undenkbar gewesen wäre. Er hat beschlossen, den Gottesdienst zum 20-jährigen Bestehen der Queer-Gemeinde in der Münchner Kirche St. Paul zu feiern. Dass zum Jubiläum dieser katholischen Messen für queere Menschen und ihre Freunde der Erzbischof den Gottesdienst feiert, ist eine Besonderheit.

Zehn Queer-Kirchengemeinden in Deutschland


Thomas Pöschl ist Vorstandsmitglied der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. (Bild: HuK)

Nach Angaben von Thomas Pöschl, Sprecher der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (Huk) gibt es nur rund zehn Queer-Kirchengemeinden in Deutschland – "mit Wissen und Duldung" ihrer jeweiligen Bischöfe. Es habe auch schon Besuche und gemeinsame Gottesdienste gegeben – meist auf Wunsch der Bischöfe aber "im vertraulichen Kreis", hinter verschlossenen Türen. "Angst vor der Obrigkeit und vor dem "Skandal"", sagt Pöschl. "Kardinal Marx ist jetzt erstmals sehr öffentlich."

Für Marx passt der Auftritt am Sonntagabend wohl ins neue Image des Reformers, das er sich in den vergangenen Monaten – vor allem mit seinem abgelehnten Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus – angeheftet hat.

HuK: Nur großer Druck könne etwas bewirken

Aus Sicht von Pöschl tut sich insgesamt aber dennoch zu wenig. "Im Herbst 2018 hatten wir alle 27 Diözesan- und 39 Weihbischöfe einzeln angeschrieben und ihnen Unterschriften "pro Partnerschaftssegnung" übersandt, die wir beim Katholikentag gesammelt hatten", sagt er. "Ganze elf haben überhaupt geantwortet, davon zwei nur formal, dass unser Schreiben angekommen ist." Nur großer Druck könne etwas bewirken: "Nur massives Einfordern von Reformen, zum Beispiel seitens des ZdK, der Reformgruppen, #OutInChurch und so weiter treibt Bischöfe an, aber weiterhin bleibt mindestens die Hälfte schweigsam und macht keinerlei Zusagen."

Es gebe zwar inzwischen "stärkere Hoffnungszeichen", dass sich etwas bewege in der katholischen Kirchen. "Aber Skepsis ist weiterhin angebracht", betont Pöschl. "Nach Jahrzehnten der Eiszeit unter den Vorgängern von Papst Franziskus gibt es seit wenigen Jahren zunehmend Dialog um Reformen", sagte er. Aber: "Unverbindliche oder nicht nachhaltige Erklärungen einzelner Würdenträger sind zu wenig."



#1 ZeichenAnonym
  • 13.03.2022, 08:44h
  • Heute 18:30 Uhr in St. Paul am U-Bahnhof Theresienwiese.
    Man kann jetzt dazu stehen wie man will, wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass dies ein wichtiger Baustein für einen veränderten Umgang mit uns sein wird.
    Denkt an die Ehe für alle: Deren Einführung gilt bis heute als Wendepunkt der queeren Emanzipation und war wichtig, auch wenn man nicht an die Institution der Ehe glaubt.
    Alle, die seit Jahrzehnten an der Integration von queeren Lebensweisen in die katholische Kirche arbeiten und letztlich auch - spät aber doch - Kardinal Marx brauchen heute unser aller Unterstützung, damit dieses Zeichen kraftvoll wirkt und nicht verpufft.
    Danach können ja alle wieder aufeinander losgehen und lauthals verkünden, wie wenig sie dieses Thema doch interessiere. ;-)
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#2 stephan
  • 13.03.2022, 11:09h
  • Es ist bloß Angst vor der Bedeutungslosigkeit, die bei den Bischöfen solche Reaktionen hervorruft, aber sicher kein echter Wandel in der Haltung! Und wenn es denn einmal einen echten Wandel gäbe, müsste er mit einer großen Abbitte der Kirche gegenüber den Homosexuellen beginnen!
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#3 RinnsteinprinzAnonym
  • 13.03.2022, 15:18h
  • Leute, ich kann immer nur sagen: dass was Ihr in der römisch-katholischen Kirche sucht, ist in der alt-katholischen Kirche seit langer Zeit normal.
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#4 MenetekelAnonym
  • 13.03.2022, 15:30h
  • Antwort auf #1 von Zeichen
  • "... wie wenig sie dieses Thema doch interessiere."
    Es interessiert viele. Ich bin auf jeden Fall daran interessiert, weiterhin vor der RKK zu warnen und natürlich mich in erster Linie dafür zu engagieren, dass der römische Konzern in das gesellschaftliche Aus gedrängt wird.
    Deine Wahrnehmung des vorgeblichen "Desinteresse" verwundert mich, ebenso wie Deine Aufforderung die RKK zu unterstützen. Nichts würde mir ferner liegen.
    Darum von mir an dieser Stelle: Bitte tretet aus der RKK aus! Vielen Dank!

    kirchenaustritt.de
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#5 MARKETINGAnonym
  • 13.03.2022, 15:46h
  • Jetzt, wo angesichts immer neuer Skandale, wo sogar der Ex-Papst drin steckt, die Austrittszahlen immer neue Rekorde erreichen und das eigene Einkommen gefährdet wird, muss man natürlich wieder Kreide fressen.

    Wenn es um den eigenen Luxus geht, werden plötzlich selbst die größten Hardliner handzahm.

    Aber aufrichtig gemeint ist das erst dann, wenn die uns voll gleichstellen, inkl. Eheöffnung. Denn alles, was nicht 100% Gleichstellung ist, ist per definition Diskriminierung.

    Und die müssen auch endlich aufhören, sich in die Politik einzumischen. Und sie müssen ihre Paralleljustiz aufgeben und sich denselben Gesetzen und Gerichten unterwerfen wie alle anderen auch. Z.B. beim Arbeitsrecht, aber auch in allen anderen Bereichen.

    Und vor allem müssen die endlich ALLE Fälle von Kindesmissbrauch und sonstigen Straftaten in allen Gemeinden konsequent aufklären. Und alle Täter sowie alle, die die gedeckt haben, konsequent entlassen und ausschließen.

    Solange das alles nicht passiert, ist all das Gerede nur Marketing-Blabla um die eigene Haut und das eigene Einkommen zu retten.
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#6 AlexAnonym
  • 13.03.2022, 16:39h
  • Ich bin immer wieder verblüfft, wie wenig die Vorstellung von Emanzipation auch bei kirchenkritischen Menschen über "heiraten dürfen" hinausreicht.
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