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Katholische Kirche

Missbrauch und Homophobie sind Hauptgründe für Kirchenaustritt

Der Umgang mit queeren Menschen ist laut einer neuen Studie für viele ausgetretene Katholik*innen ein Hauptanlass gewesen, die Kirche zu verlassen. Das bedroht ausgerechnet den Reformprozess.


"Kirchenaustritt heute!": Graffiti in Wien (Bild: Andreas Praefcke / wikipedia)

Erst im vergangenen Jahr ließ die Glaubenskongregation in Rom mitteilen, dass Segnungen homosexueller Paare nach katholischer Lehre nach wie vor nicht erlaubt seien (queer.de berichtete). Sie stellte klar: Die homosexuelle Neigung sei aus katholischer Sicht noch keine Sünde, weil diese nicht selbst gewählt sei. Die "praktizierte" Homosexualität jedoch stelle nach katholischer Lehrmeinung eine schwere Sünde, da sie nicht der Reproduktion diene. Man solle als Katholik*in Homosexuellen mit "Achtung, Mitleid und Takt" begegnen. Von anderen queeren Gruppen ist dort noch gar nicht die Rede. An dieser kirchlichen Lehrmeinung hat auch Papst Franziskus, trotz einiger liberal klingender Äußerungen, bisher nichts verändert.

Als Reaktion auf die Mitteilung der Glaubenskongregation geschah in Deutschland bis dahin Undenkbares: Geistliche segneten in der Aktion #liebegewinnt viele gleichgeschlechtliche Paare. Im Januar 2022 startete die Aktion #OutInChurch, in der sich queere kirchliche Angestellte outeten (queer.de berichtete). Der deutsche Reformprozess "Synodaler Weg" hat im Februar dieses Jahres eine Neubewertung der Homosexualität innerhalb der Lehre der Kirche gefordert. So solle die Kirche homosexuelle Handlungen nicht länger als schwere Sünde betrachten und schwule Männer zum Priesterberuf zulassen (queer.de berichtete).

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, stellte in der letzten Woche eine Änderung des Arbeitsrechts in Aussicht, wonach etwa eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft von Angestellten kein Problem mehr für eine Anstellung oder gar ein Kündigungsgrund sein solle (queer.de berichtete). Zuletzt bat Kardinal Marx queere Menschen um Verzeihung für den Umgang mit ihnen innerhalb der Kirche (queer.de berichtete).

Die Austrittszahlen gehen in die Höhe

Derweil vollzieht sich jedoch an der Basis eine dramatische Entwicklung. Während der "Synodale Weg" versucht, Reformen auf den Weg zu bringen, gehen die Austrittszahlen immer weiter in die Höhe. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland hat vor kurzem eine Studie veröffentlicht, in der aus beiden großen Kirchen ausgetretene Menschen nach ihren Motiven für diesen Schritt gefragt wurden. Auch wenn die Austrittswellen rund um die Missbrauchsskandale in Köln und München dabei noch gar nicht erfasst sind, sprechen bereits diese Ergebnisse eine deutliche Sprache.

Wenig überraschend waren für viele aus der katholischen Kirche ausgetretene Menschen die Missbrauchsskandale der wichtigste Austrittsanlass. Doch danach folgt direkt die "Ablehnung von Homosexuellen in der Kirche" – vor allen anderen Anlässen und weit vor der Ablehnung der Kirchensteuer. Wie die Studienautorin Petra-Angela Ahrens bemerkt, könnte dieser hohe Wert auch auf der kurz vor der Studienerhebung von der Glaubenskongregation veröffentlichten Stellungnahme beruhen.


Anlässe zum Kirchenaustritt (Grafik: Sozialwissenschaftliches Institut der EKD )

Damit herrscht unter den Gläubigen offenbar weit mehr liberales Denken vor, als sich über das Bild der katholischen Kirche – stark beeinflusst durch die Äußerungen mancher Bischöfe – in Vergangenheit oft nach außen vermittelt hat. Dies hat jedoch gravierende Folgen für das Innenleben der katholischen Basis: Die Ausgetretenen können die Kirche nicht weiter prägen.

Die "kritische Masse" verlässt die Kirche

Hinzu kommt ein weiteres Problem für die Kirche, auf das Jens Ehebrecht-Zumsande hinweist. Der Gründer der Initiative #OutInChurch und Angestellte in einem katholischen Bistum beschreibt gegenüber queer.de aus vielen Gesprächen, die er geführt hat: "Wir haben bei den jetzt aus der Kirche Austretenden eine Gruppe, die zu dem Kernbereich der engagierten und reformbereiten Katholiken gehörten, und die sich auch jahrelang für Erneuerung engagiert haben." Das Problem sei, dass im Moment die "kritische Masse" die Kirche verlasse. Dies habe auch eine generationenspezifische Dimension. "Die heute jüngeren Katholiken haben nicht mehr so stark die Bereitschaft wie ältere Katholiken, sich an der Institution abzuarbeiten", beschreibt Ehebrecht-Zumsande als Beobachtung aus seiner Arbeit.

Das hänge auch damit zusammen, dass sich für viele der Stellenwert der Institution Kirche verändert habe. Dies geht auch aus den Erkenntnissen der Austrittsstudie hervor. Demnach blieben viele der Ausgetretenen weiterhin religiös und würden ihre religiösen Bedürfnisse privat weiter leben. Vor diesem Hintergrund hat dieser Tage auch die erste kirchenunabhängige Beratungsstelle für Betroffene kirchlichen Missbrauchs eröffnet. Sie wird getragen von der Initiative "Um-Steuern", die bei ausgetretenen Christen dafür wirbt, den Betrag ihrer bisher gezahlten Kirchensteuer nun für dieses Projekt aufzubringen.

Hinsichtlich der innerkirchlichen Reformbemühungen scheint alles immer mehr auf eine Art Kipppunkt zuzusteuern. So befürchtet auch Ehebrecht-Zumsande mit Blick auf den "Synodalen Weg", dass es eine massive Austrittswelle zur Folge haben würde, wenn diese Ergebnisse letztlich nicht umgesetzt würden. "Wir haben einen Punkt erreicht, wo Leute sich nicht mehr mit kleinen Symbolhandlungen abspeisen lassen", bemerkt der Mitinitiator von #OutInChurch.

Die Progressiven verlieren die Geduld

So zeigt sich in der katholischen Kirche derzeit eine brisante Parallelentwicklung. Während die Sensibilität für liberale und auch spezifisch queere Themen unter den Gläubigen immer weiter wächst und im Reformprozess Gestalt annimmt, verlieren die verbliebenen Akteure durch die massiven Austritte kontinuierlich an Unterstützer*innen. Da sozialstrukturelle Reformen immer auch Träger*innengruppen benötigten, die diesen Wandel gegen andere Kräfte umsetzen und verteidigen, dürfte durch diese Entwicklung die Arbeit für den "Synodalen Weg" immer schwieriger werden.

In früheren Jahrzehnten schien der Faktor Zeit zugunsten der liberalen Kräfte zu laufen, weil sich die Gesellschaft fortlaufend modernisierte. Nun arbeitet die Zeit offenbar für die Konservativen, weil die Progressiven zunehmend die Geduld verlieren.



#1 KaiJAnonym
  • 15.03.2022, 08:34h
  • Die Liberalisierung der Kirche geht mit der der Gesellschaft einher. Kirchenaustritte sind da nur ein Spiegelbild und sind weder Vor- noch Nachteile für Reformprozesse innerhalb der Kirche. - Die kritiklose Abbildung eines Glaubenssymboles als Abfall, sogar noch vergleichbar mit dem Hakenkreuz in gleichen Darstellungen, sollte schon die Frage nach dem demokratischen Grundverständnis nicht nur der Sprayer*innen stellen.
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#2 TrekieAnonym
  • 15.03.2022, 09:08h
  • Ist wirklich nicht schlimm.
    Egal ob mit oder ohne progressive Kräfte, die Kirche an sich ist ein überholtes, wiederliches Machtkonzept aus absolut finstersten Zeiten. Wenn nun alle Modernisierenden Kräfte die kirchen verlassen, hiltf es nur diese Institutionen des bösen schneller zu ihrem verdienten Ende zu bringen.
    Denjenigen, die immernoch taub und geblendet durch das Licht Gottes den Worten dieser Lügner folgen, kann ohnehin nicht mehr geholfen werden.
    Alles was nun nuch an positiven Entwicklungen in den Kirchen passieren kann, ist eine harte Radikalisierung mit der sie endgültig die aktuellen und kommende Generationen vergrämen. Auf das diese dummheit 'Christentum' leise umd unbemerkt in einem Altersheim auf dem sterbebett der letzten verirrten in etwa 50 jahren enden möge.
    In teilen Europas hoffentlich früher.
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#3 stephan
  • 15.03.2022, 09:13h
  • Welchen Sinn sollte es denn haben, sich an einer Organisation abzukämpfen, in der man sich zwar in dieses oder jene Gremium wählen lassen könnte, in der man letztlich jedoch NICHTS zu sagen hat und alle Macht bei den Klerikern liegt? Da ist - nach meiner Meinung - der Austritt der sinnvollere Weg und wird die Katholiban letztlich immer mehr als die Abgedrehten darstellen, die aus ihren absonderlichen Phantasien das Recht ableiten, Minderheiten zu diskriminieren! Ich jedenfalls sage meine Meinung auch in allen kirchlichen Kreise ebenso klar wie vor meinem Kirchenaustritt!
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#4 TrekieAnonym
  • 15.03.2022, 09:14h
  • Antwort auf #1 von KaiJ
  • Erklär mir doch mal den "demokratischen" Unterschied zwischen diesen beiden Kreuzen. Beide sind nicht demokratisch, beide sind zeichen einer grund bösen Machtmaschine, unter beiden sind millionen getötet worden.
    'Moderne' christen und ultra rechte schlißen sich zusammen weil sie gleiche Ziele und werte haben (siehe USA, Polen, Russland).
    So ganz sehe ich es da nicht, wieso es nicht richtig sein soll die beiden symbole dann auch mehr oder weniger gleich zu setzen.
    Den kirchen macht es ja auch nix aus, den verehrern dieses anderen Kreuz den hof zu machen.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 15.03.2022, 09:54h
  • Wenn ich solche Nachrichten lese, muss ich doch feststellen, dass wir in gar nicht so üblen Zeiten leben.
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#6 Unter BeobachtungAnonym
  • 15.03.2022, 10:25h
  • Finde ich gut, dass die zahlende Masse der Clubmitglieder kleiner wird. Der "Reformprozess" ist ohnehin nur ein Feigenblatt, das die stinkenden Ödeme dieser christlichen Presssure Group zu verdecken versucht. Vergebens, das Übel is dem Club immanent.
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#7 borutAnonym
  • 15.03.2022, 12:16h
  • Nicht die konservativen Kräfte in den Kirchen sind das Problem, sondern das Christentum selbst das ist eine in Teilen menschenfeindliche und kriminelle Ideologie. Das nicht klar zu sagen, sondern das sogenannte Wort Gottes nur umzudeuten, damit die Auslegung in die moderne Zeit passt, ist keine Lösung, es ist bloß heuchlerischer Opportunismus.
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#8 PetterAnonym
  • 15.03.2022, 18:01h
  • Die Sache ist ganz einfach:

    Solange die

    1. LGBTI diskriminieren,

    und

    2. weiterhin Kinderschänder und deren Vertuscher in Ihren Reihen dulden,

    ist alles Gerede nur Marketing-Blabla und nicht ernst gemeint.

    Würde man es ernst meinen, würde man nicht nur erzählen, dass man es ernst meint, sondern entsprechend handeln.

    Und dazu würde dann gehören, dass man 1. LGBTI voll gleichstellt und sich auch in der Gesellschaft für volle Akzeptanz einsetzt. Und 2. dass alle Kinderschänder und alle, die die gedeckt haben, versetzt haben, vertuscht haben, weggesehen haben, ihre Dienstpflichten verletzt haben, etc. fristlos entlassen werden und auch aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen haben. Das sind Verbrecher, die für das Leid unzähliger Kinder verantwortlich sind.
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#9 TyranusAnonym
  • 15.03.2022, 18:05h
  • Eine hervorragende Entwicklung. Wenn endlich alle ausgetreten sind bis auf der faschistische Bodensatz, kann die katholische Kirche hoffentlich auch noch vom allerletzten als zutiefst demokratiefeindliche Organisation erkannt und endgültig gebannt werden! Dieses "von Innen verändern" wollen ist der letzte Schwachsinn! Wir haben diesem Sauladen schon viel zu viel Zeit gegeben in der demokratischen Zivilgesellschaft anzukommen!
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#10 TimonAnonym
  • 15.03.2022, 20:00h
  • Die Kirche hatte lange genug Zeit, sich zu ändern. Jetzt, wo die Einnahmen wegbrechen, Kreide zu fressen, bringt gar nichts mehr. Das durchschaut jeder.

    Die haben genug Menschen Schaden zugefügt. Und tun das immer noch.
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