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"Stern"-Aktion

In Ungarn bekämpftes Kinderbuch "Märchenland für alle" erscheint auf Deutsch

Ab Donnerstag ist die Sammlung mit 17 modern erzählten Märchen, die von der Regierung von Viktor Orban angegriffen wurde, auch hierzulande erhältlich.


Das deutsche Buch-Cover (Bild: Stern)

Ein schwuler Prinz, ein Hase mit drei Ohren, ein trans Bambi und eine freiheitsliebende Prinzessin, die lieber Abenteuer statt "nur" Ehe erleben will: In dem ungarischen Kinderbuch "Märchenland für alle" werden traditionelle Märchen modern neu erzählt. Das Besondere daran ist, dass die Heldenfiguren Minderheiten angehören. Das Buch will mehr Akzeptanz für benachteiligte Menschen und die queere Community schaffen.

Nun erscheint das in seiner Heimat von der Regierung bekämpfte Buch erstmals auf Deutsch. Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr veröffentlicht es als "Stern"-Buch (Amazon-Affiliate-Link ) am 17. März, und ein Euro von jedem verkauften Exemplar wird zudem über die Stiftung Stern gespendet – an Projekte, die sich für mehr Vielfalt in Ungarn einsetzen. Die das Buch herausgebende Lesbenorganisation Labrisz Leszbikus Egyesület hatte die Rechte international verkauft, der Band soll in diversen Ländern aufgelegt werden.

Im Herbst 2020 war das Buch mit dem Titel "Meseorszag mindenkie" in Ungarn erschienen. Danach wurde es Gegenstand einer monatelang anhaltenden politischen Debatte. Die Regierung hatte den Verlag im Januar 2021 gezwungen, das Buch mit einem Warnhinweis zu versehen (queer.de berichtete). Außerdem schredderte eine rechtsextreme Parlamentsabgeordnete ein Exemplar vor laufenden Fernsehkameras. Im letzten Sommer beschloss das Parlament dann seine Version eines "Homo-Propaganda"-Gesetzes (queer.de berichtete). Damit wurde unter anderem verboten, Bücher und andere Informationsträger Menschen unter 18 zugänglich zu machen, die LGBTI-Themen "darstellen" oder "propagieren". Die Autor*innen wurden wegen ihres Beitrags zum Buch attackiert. Der offen schwule Herausgeber Boldizsár Nagy floh wegen Anfeindungen sogar ins Ausland (queer.de berichtete).

In dem für Kinder ab sechs Jahren empfohlenen Buch werden auf etwa 185 Seiten 17 Märchen erzählt, von Autor*innen wie Judit B. Tóth, Zoltán Csehy, Petra Finy und Dóra Gemesi. Ob im Fließtext oder in Reimform – es geht um Selbstermächtigung, Gemeinsamkeiten, Glück, emotionale Entdeckungen, Selbstbewusstsein, das Finden des eigenen Ichs und innere Wärme. Umrahmt werden sie von den bunten Illustrationen von Lilla Bolecz. Das Buch steht seit 2021 auf der "White Ravens"-Liste, die 200 hochwertige internationale Kinder- und Jugendbücher herausstellt.

"Die 'Stern'-Redaktion hatte den Wunsch, diesem Buch noch mehr Öffentlichkeit zu schenken", begründet "Stern"-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier im Vorwort zur deutschen Ausgabe die Entscheidung zu Veröffentlichung des Buches auch im deutschsprachigen Raum. "Denn es ist gut, nicht der Norm zu entsprechen. Es ist gut, anders zu sein. Und es ist wichtig, für dieses Verständnis zu kämpfen und vor allem früh damit zu beginnen. 'Märchenland für alle' unterstützt Eltern dabei, ihren Kindern beizubringen, wie unsere Gesellschaft aussieht: vielfältig". (cw/dpa)

Infos zum Buch

"Märchenland für alle", Herausgeber: Boldizsár M. Nagy, aus dem Ungarischen von Christina Kunze, Tünde Malomvölgyi und Timea Tankó, mit farbigen Illustrationen von Lilla Bölecz, Verlag Gruner + Jahr, ein STERN-Buch, 185 Seiten, ab 6 Jahre, 16,95 Euro (ISBN 978-3-8310-4509-9)

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#1 TrauerundHoffnungAnonym
  • 16.03.2022, 14:37h
  • "Es geht um Glück und innere Wärme."

    Und wir leben in einer Welt, in der das bekämpft wird. In der Erwachsene Kinderbücher bekämpfen.

    Oft genug fasse ich einfach nicht, was die Menschheit sich da selbst antut. Homo "sapiens"? Zumindest, was Wissen über soziales, "menschliches" Miteinander-Umgehen betrifft, ist es leider in vielen Fällen nicht weit her damit.

    Solche Bücher sind da vielleicht eine winzige Saat, die im einen oder anderen Kinderherzen aufgehen kann. Möge die Menschheit noch eine Chance haben. Sofern sie in ihrer selbstzerstörerischen Art überhaupt noch lange genug überlebt.
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#2 JuliettAnonym