Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41478

Scharm El-Scheich

Ägypten verweigert Berliner trans Frau die Einreise

Valery Maria Lehner, Veranstalterin der Partyreihe "Chantals House Of Shame", wurde am Flughafen von Scharm El-Scheich stundenlang "ohne Wasser und Information" festgehalten.


Valery Maria Lehner bei einem erfreulicheren Urlaub in Deutschland (Bild: privat)

Ein geplanter Tauchurlaub am Roten Meer entwickelte sich für die Berliner trans Frau Valery Maria Lehner zu einem Horrortrip. Der stadtbekannten Veranstalterin der legendären Partyreihe "Chantals House Of Shame" ist nach eigenen Angaben am Flughafen von Scharm El-Scheich die Einreise nach Ägypten verweigert worden. Sie sei dort am Dienstag stundenlang ohne Angabe von Gründen festgehalten worden. Ihr Begleiter Andreas Schwarz, ein cis Mann, habe dagegen zunächst problemlos einreisen dürfen.

Auf Facebook veröffentlichte Lehner am Freitagabend ein ausführliches Gedächtnisprotokoll des Vorfalls. Demnach wurde sie bei der Passkontrolle von dem kontrollierenden Beamten "nach ausuferndem Studieren des Reisepasses" angewiesen, in einem gesondertem Bereich Platz zu nehmen. "Er selbst verschwand ohne weitere Erklärung mit ihrem Reisepass."

meine lieben mal was unerfreuliches jetzt. diesen text habe ich soeben ans auswärtige amt geschickt. ich hoffe es...

Posted by Valery Maria Lehner on Friday, March 18, 2022
Facebook / Valery
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Nach etwa einer Stunde ohne weitere Informationen habe sich Schwarz, der bei ihr geblieben war, entschieden, die Koffer auf dem leeren Gepäckband zu sichern. Anschließend habe er jedoch nicht mehr zu Lehner in den gesicherten Bereich zurückkehren dürfen. "Allerdings konnte er Sichtkontakt halten."

Sechs Stunden "ohne Wasser und Information"

Nach einer weiteren halben Stunde sei die trans Frau in ein separates Zimmer geführt und von drei Beamten verhört worden. Diese hätten immer wieder dasselbe gefragt: "Warum sie hier sei, was sie hier wolle und wie lange sie in Ägypten bleiben wolle." Eigene Fragen habe sie nicht stellen dürfen. Danach sei sie in den Wartebereich zurückgeführt worden. Ihre Bitte, die deutsche Botschaft zu kontaktieren, sei ignoriert worden. Nach Abgabe seines Passes habe zumindest Schwarz zu ihr zurückkehren können.

"Die Stimmung wurde so bedrohlich und auch provozierend, dass es spürbar war, dass nur das kleinste Fehlverhalten zu einer Verhaftung oder Schlimmerem führen konnte", heißt es im Gedächtnisprotokoll über die ungewisse Situation. Erst nach sechs Stunden "ohne Wasser und Information" sei Lehner schließlich mitgeteilt worden, die sie nicht einreisen dürfe. Eine Begründung habe es nicht gegeben. Ihr sei gesagt worden, dass sie in drei Tagen kostenlos mit Easyjet zurück nach Berlin fliegen könne und solange am Flughafen bleiben müsse. Nach Verhandlungen sei es Schwarz gestattet worden, in Begleitung eines bewaffneten Beamten außerhalb des Terminals in einem Reisebüro einen neuen Flug noch in derselben Nacht zu buchen. Bis zum Abflug seien sie unter Aufsicht gestellt worden.

"Dieses Erlebnis war schockierend und demütigend und zutiefst verstörend", so Valery Maria Lehner in ihrem Gedächtnisprotokoll. "Ein Kurzkontakt zur Botschaft in Kairo vermittelte uns den Eindruck, dass wir von Glück sprechen dürfen, denn wir hätten in der momentanen Lage auch tatsächlich in einer solchen Situation in einem ägyptischen Gefängnis verschwinden können."

Willkürliche Verhaftungen an der Tagesordnung

Die Lage von LGBTI in Ägypten hat sich in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert. 2020 kritisierte Human Rights Watch in einem Bericht, dass Beamte der ägyptischen Polizei und der Nationalen Sicherheitsbehörde willkürlich queere Menschen verhaften, unter unmenschlichen Bedingungen festhalten und systematisch Misshandlungen einschließlich Folter aussetzen (queer.de berichtete).

Auch Ausländer*innen sind betroffen. 2015 entschied ein ägyptisches Verwaltungsgericht, dass die Behörden generell das Recht haben, homosexuelle Menschen auszuweisen. Dies sei im öffentlichen Interesse, weil so religiöse und gesellschaftliche Werte geschützt werden könnten (queer.de berichtete). 2017 wurde ein schwuler Grindr-User aus Deutschland in Kairo festgenommen und abgeschoben (queer.de berichtete).

Das Auswärtige Amt verschärfte daraufhin seine Reise- und Sicherheitshinweise und warnt seitdem explizit davor, "dass ägyptische Behörden auch Dating-Apps einsetzen, um LGBTI ausfindig zu machen". Es könne nicht ausgeschlossen werden, "dass auch ausländische Touristen Opfer dieses Vorgehens werden könnten" (queer.de berichtete). (cw)



#1 canSarahAnonym
#2 FliegenAnonym
#3 JhjhAnonym
  • 19.03.2022, 08:45h
  • Nicht nur um Mitleid jammern.

    1. Warum fährt man in so ein Land ? Ein islamistisches Land ? ... zumal wenn man zur Queer community gehört

    2. Ich würde ganz stark vermuten, dass es sich auch um einen individuellen persönlichen Fehler gehandelt hat. War vielleicht das gelebt Geschlecht nicht mit dem offiziellen Geschlecht und Geburtsnamen im Reisepass übereinstimmend ? Sonst wäre das ja gar nicht aufgefallen, nicht wahr.

    Das muss man halt vorher erst einmal klären bevor man in solche Länder fährt. Da darf man auch hinterher nicht jammern.

    Ich fliege nicht mit Fluglinien die in islamistischen Ländern zu Hause sind und ich reise auch nicht in solche Länder um den Tourismus dort anzukurbeln - weder nach der Türkei noch in arabische Länder.

    Das nennt sich dann boycott.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LennyAnonym
  • 19.03.2022, 09:15h
  • Na, die ersten drei Kommentare sind ja schon mal VICTIM BLAMING of its best!
    Herzlichen Glückwunsch.
    Seid Ihr auch die Menschen, die nem Vergewaltigungsopfer hinterher vorwerfen, es hätte mit dem kurzen Rock auch nicht nach Einbruch der Dunkelheit durch die dunkle Straße laufen sollen?

    Ich hoffe, Ihr seid nicht selbst Teil der queeren Community. Falls doch, ist mal wieder ein Moment des Fremdschämens angesagt.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 werverdientdamitAnonym
  • 19.03.2022, 09:15h
  • Antwort auf #1 von canSarah
  • Das sehe ich für mich persönlich genauso. Insbesondere Ägypten ist eigentlich ein hoch problematisches Reiseziel. Aus vielerlei Gesichtspunkten.

    Interessant wäre es, wenn die, die Geld damit verdienen und hier in Deutschland ganz selbstverständlich viele Freiheiten genießen, Stellung beziehen würden.
    Allen voran die Reiseveranstalter und hier insbesondere die TUI als größter (inklusive Submarken) tragen hier nicht nur moralische Verantwortung.

    Eine Aufklärung von Kund*innen über Menschenrechtslage, gesetzliche Bestimmungen und tatsächliche Gefahren wären vor einer Buchung eigentlich zwingend notwendig. Weiterhin müsste das Personal, insbesondere vor Ort, geschult und befähigt werden Kund*innen proaktiv zu informieren, zu helfen und zu unterstützen.
    Mitunter ist vielen Menschen die Gefahr nicht einmal bewusst, dass sie bei für Deutschland ganz alltäglichem Verhalten in Ländern wie Ägypten übelste Probleme bekommen können.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 muschebubuAnonym
  • 19.03.2022, 09:24h
  • Antwort auf #4 von Lenny
  • Der Vergleich hinkt aber gewaltig. Hier in der sogenannten Community wird immer wieder und nahezu gebetsmühlenartig beschrieben, was in der islamisch geprägten Staaten alles an Unterdrückung und Menschenverachtung gegenüber LGBTIQ passiert und dann fährt man dort hin um Tauchurlaub zu machen? Man weiß darum, dass hier staatlicherseits Unterdrückung stattfindet und natürlich kann man das jemandem vorhalten, der in so einen Staat reist. Anders bei Vergewaltigungsopfern, die das aus dem Nichts heraus werden. Oder sollen wir jetzt den Mit bejubeln, weil man es der Welt gezeigt hat und in ein homophobes Land gereist ist? Es gibt Länder auf diesem Planeten, da sollte man grundsätzlich nicht hinreisen. Nicht als LGBTIQ und jede und jeder andere eigentlich auch nicht.

    Mein Meinung.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 DominikAnonym
  • 19.03.2022, 09:49h
  • Der Vorgang ist insofern bemerkenswert, da in islamischen Gesellschaften Transsexualität eigentlich nicht so stark geächtet wird wie Homosexualität. In manchen islamischen Ländern wie etwa im Iran existiert sogar eine explizite rechtliche Anerkennung von Transmenschen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LennyAnonym
  • 19.03.2022, 10:15h
  • Antwort auf #6 von muschebubu
  • Ich hoffe, wir sind uns einig, dass Frau Lehner zumindest nach den Informationen dieses Artikels, auf den wir uns hier alle beziehen - das Opfer einer Ungerechtigkeit und Diskriminierung war, dass sie festgesetzt und verhört wurde und dabei höchstwahrscheinlich einer psychischen Belastungssituation aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität ausgesetzt wurde. Weitere Zumutungen wie Beleidigungen und sogar Bedrohungen kann man sich vorstellen, wären hier aber vorerst Spekulation.
    Aufklärung und Warnungen sind in der Prävention sinnvoll und wichtig. Wenn nötig auch im Zuge der evtl. nachträglichen Bewältigung von Ängsten vor Wiederholungen im gemeinsamen Erarbeiten von Vermeidungsstrategien. Nie aber als unmittelbare Reaktion auf ein Erlebnis als Opfer. Warum wir das Bedürfnis in uns tragen, Opfern eine Mitschuld zuzuweisen, dafür gibt es übrigens ganz spannende Erklärungen aus der Psychologie. Kann ich jeder_m nur empfehlen, sich da mal einzulesen. Fakt ist aber, dass durch das Zuweisen einer Mitschuld eine Täter_innen-Opfer-Umkehr stattfindet obwohl klar ist, wer hier Täter_in und wer Opfer ist. Dies führt zu Sekundär-Viktimisierung u.a. durch das Einreden der eigenen Schuld und ist definitiv als Victim-Blaming zu bezeichnen.
    Ich bin übrigens auch der Meinung, dass ich nicht in Länder reisen sollte, in denen ich aufgrund meiner sexuellen Orientierung wissentlich Gefahren ausgesetzt sein könnte. Aber meine Meinung spielt dabei keine Rolle.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TyranusAnonym
  • 19.03.2022, 10:30h
  • In religionsfaschistische Länder reist man nicht um Urlaub zu machen, schon allein aus Solidarität zu den Betroffenen (hier: LGBT) und als klares Statement gegen den weltweit wild um sich greifenden Religionsfaschismus, der auch beim aktuellen Angriffskrieg Putin-Russlands gegen die Ukraine eine wichtige Rolle spielt. Die Identität des Reisenden selbst, spielt dabei keinerlei Rolle. Wer in religionsfaschistische Länder reist um dort Urlaub zu machen, handelt grundsätzlich bigott und verantwortungslos.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 DreddAnonym
  • 19.03.2022, 10:33h
  • Antwort auf #8 von Lenny
  • Niemand will den Vorfall legitimieren, aber wenn im voraus bekannt ist und offiziell gewarnt wird das ein Fluss voller Piranhas ist spring ich nicht kopfüber rein..... die Frage wie Realitätsfern die Dame ist kommt da unweigerlich auf !
  • Antworten » | Direktlink »