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Queere Schauspieler*innen

Eine kleine Liebeserklärung an: Knut Berger

Vom queeren Hipster bis zum biederen Anzugträger – der Schauspieler und #ActOut-Teilnehmer Knut Berger überzeugt in den unterschiedlichsten Rollen. Aktuell ist er in der Dramedy-Serie "Oh Hell" zu sehen.


Knut Berger studierte von 1999 bis 2003 Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin (Bild: Michael Bennett)

Stars gibt es in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft viele, von Matthias Schweighöfer über Elyas M'Barek bis Wotan Wilke Möhring. Denen sei ihr Erfolg gegönnt, doch an dieser Stelle sei mal darauf hingewiesen, dass auch der Blick auf die zweite und dritte Garde hiesiger Schauspieler*innen lohnt. Denn auch dort gibt es Entdeckungen zu machen, die einen ins Schwärmen kommen lassen können. So wie zum Beispiel Knut Berger.

Ich selbst habe – um an dieser Stelle mal ganz ungewohnt persönlich zu werden – Knut Berger 2003 das erste Mal entdeckt. Auf der Berlinale lief im Panorama der deutsche Film "Wir" von Martin Gypkens – und hinterließ unerwartet bleibenden Eindruck auf mich. Ich war damals Mitte 20, seit einigen Jahren zum Studium in Berlin und ungefähr genauso lange geoutet. Das deutsche Kino wurde in jener Zeit dominiert von Namen wie Bernd Eichinger und Doris Dörrie, Katja Riemann und Moritz Bleibtreu, "Knallharte Jungs" und "Der Schuh des Manitu". "Wir" dagegen war anders, viel näher an meinem eigenen Leben, nur vielleicht ein bisschen cooler: junge Leute in Berlin, die viel feiern und nicht immer genau wissen, wohin oder wen sie im Leben wollen.

Der bisexuelle Kokser Carsten aus "Wir"

Das ganze Ensemble – darunter die wunderbare Brigitte Hobmeier oder Patrick Güldenberg (der, sollte diese Sache hier was regelmäßiges werden, mal einen eigenen "Liebesbrief" verdient hätte) – war der Knaller, aber Berger war noch ein klein wenig cooler. Als bisexueller Carsten spielte er so etwas wie den koksenden, immer ein bisschen unerreichbare Beinahe-Bad Boy, der nicht nur den schwulen Pit (Jannik Petri) weiche Knie bescherte, sondern auch mindestens einem der Berlinale-Zuschauer. Dass er gemeinsam mit den anderen Schauspieler*innen auch persönlich beim Premieren-Screening von "Wir" (den man übrigens u.a. auf filmfriend.de sehen kann, der Streamingplattform der deutschen Bibliotheken) zu Gast war, machte den Abend natürlich noch aufregender.


Knut Berger und Jannek Petri in "Wir" (2003)

In einer anderen Welt hätte Berger, der 1975 in Gelsenkirchen geboren wurde und von 1999 bis 2003 an der Universität der Künste in Berlin studierte, nach dieser ersten Kinorolle vielleicht eine Karriere hinlegen können wie der fast gleich alte Florian David Fitz. Am umwerfenden Lächeln wäre es jedenfalls nicht gescheitert. Doch statt des großen Mainstream-Durchbruchs standen vor allem kleine Rollen in Serien wie "Großstadtrevier" oder "SOKO Köln" und Filmen wie "Die fetten Jahre sind vorbei" oder Christian Petzolds "Jerichow" auf dem Programm. Wer wirklich in den vollen Knut-Genuss kommen wollte, wurde am (Tanz-)Theater eher fündig. Immer wieder stand er für die grandiose Choreografin Constanza Macras auf der Bühne und übernahm Rollen in den Inszenierungen der israelischen Theatermacherin Yael Ronen.

Immer wieder queere Rollen

In den vergangenen Jahren arbeitete Berger besonders eng mit dem schwulen Regisseur und Autor Falk Richter zusammen, nicht zuletzt am Maxim Gorki Theater Berlin, wo er zum Beispiel im Stück "Small Town Boy" zu sehen war. In Richters "In My Room", einer sehr persönlichen Untersuchung von Männlichkeitsbildern und Vater-Sohn-Beziehungen, brachte er auch eigene Coming-out-Erfahrungen mit ein.

Viel Aufheben um die eigene Queerness hat Berger, der vergangenes Jahr auch beim #ActOut-Manifest dabei war, sowieso nie gemacht, schon gar nicht in seiner Rollenauswahl. Unvergessen ist seine Rolle als schwuler Enkel eines Alt-Nazis im Visier des Mossad in "Walk on Water" vom israelischen Regisseur Eytan Fox. Kaum weniger eindrücklich, nicht nur dank erfreulicher Freizügigkeit: seine Sexszene mit Benjamin Radjaipour in "Futur Drei". Für eine Folge der ZDFneo-Serie "Liebe.Jetzt" (verfügbar in der Mediathek) stand er sogar zusammen mit Lebenspartner*in Ronald vor der Kamera.


Knut Berger (r.) und Lebenspartner*in Ronald als Paar in der ZDFneo-Serie "Liebe.Jetzt" (Bild: Gordon Muehle / ZDF)

Überhaupt muss man ja sagen: Neben dem beachtlichen Hotness-Faktor, der in den letzten 20 Jahren eher mehr als weniger geworden ist, ist es vor allem die schauspielerische Bandbreite Bergers, die das Fan-Herz höherschlagen lässt. Vom queeren Hipster über den flüchtenden Familienpapa in "Deutschland 86" bis hin zum biederen Anzugträger in ARD-Schmonz wie "Liebe ist unberechenbar" überzeugt er wirklich in den unterschiedlichsten Rollen.


Knut Berger und Fritzi Haberlandt in "Deutschland 86" (Bild: Amazon)

"Oh Hell" und "Dark Room Revisited"

2022 kann man sich davon mehr denn je überzeugen. Aktuell ist er wunderbar komisch (und sehr berührend) in der wirklich herrlichen neuen Serie "Oh Hell" (seit 17. März bei MagentaTV), in der er den geschiedenen Vater der etwas orientierungslosen, von Mala Emde gespielten Protagonistin Helene verkörpert.


Knut Berger als Vater Günther in "Oh Hell" (Bild: Conny Klein / good friends Filmproduktions GmbH)

Am 22. April lässt sich im Gorki-Stream außerdem für 24 Stunden das Stück "Dark Room Revisited" sehen. Und dann kommen demnächst auch noch die Filme "Wir könnten genauso gut tot sein" (der kürzlich auf der Berlinale Premiere feierte) und "Das weiße Schweigen" sowie die neue Sky-Serie "Tender Hearts".

Die Gelegenheit ist also günstig, Knut Berger endlich mal die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient hat – und aus der Ferne ein bisschen ins Schwärmen zu geraten. Das Talent, für weiche Knie zu sorgen, hat er nämlich nicht verloren.

-w-

#1 FilmfanAnonym
  • 20.03.2022, 20:33h
  • Ich kann zwar nicht die Begeisterung des Autors für seine "Hotness" teilen, aber er ist ganz ohne Zweifel ein toller und auch sehr wandlungsfähiger Schauspieler, dem man jede Rolle zu 100% abnimmt.

    Und man muss ja auch nicht mit jedem Mann ins Bett wollen. Der ist ja eh vergeben. Aber wie gesagt: als Schauspieler absolut toll.
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#2 StaffelbergblickAnonym
  • 20.03.2022, 20:42h
  • Knut Berger ... wow, damals 2004 "Walk on Water", einer der Überraschungsfilme bei der Berlinale. Gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Seine Filmschwester Pia war Caroline Peters. Und nicht zu vergessen Lior Ashkenazi als Mossad-Agent. Auf der DVD gibt es ein längeres "making of ...".
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#3 Dierahape45Anonym
  • 21.03.2022, 12:33h
  • Ich freue mich über deinen Erfolg.
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