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Aufregung um trans Uni-Sportlerin: "Das ist frauenfeindlich"

Weil eine trans Sportlerin im amerikanischen Uni-Sport mal ein Rennen gewinnt, laufen Trans-Hasser*innen in aller Welt Amok. Ganz vorne dabei ist die AfD.


Der NCAA-Wettbewerb erfuhr wegen trans Schwimmerin Lia Thomas (re.) dieses Mal viel mehr Aufmerksamkeit als sonst (Bild: Screenshot ABC News)

Ein Uni-Sport-Event vom Wochenende in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) dient transfeindlichen Kräften weltweit als Vorlage, warum trans Frauen nicht als Frauen anerkannt werden dürften – auch die AfD stimmt mit ein. Hintergrund ist der Sieg der trans Schwimmerin Lia Thomas beim nichtolympischen Rennen über 500 Yard (457 Meter).

Dabei deuteten auch einige (deutsche) Medien an, dass Thomas eigentlich in Wirklichkeit ein Mann sei. Die "Bild"-Zeitung titelte am Sonntagabend etwa auf ihrer Website mit "Schwimm-Gold! – Transfrau gewinnt gegen Frauen" (später änderte das Boulevardblatt die Überschrift in: "Große Debatte über Lia Thomas: Wie fair ist dieser Transfrau-Titel?").

Bei der Reaktion aus der Politik geht es dabei freilich nicht um den Erfolg einer trans Frau in einem Amateur-Schwimmwettbewerb für amerikanische Universitätsstudentinnen, sondern um die pauschale Verteufelung von trans Frauen. Ein Beispiel sind die Kommentare von AfD-Vizechefin Beatrix von Storch, die bereits am Samstag auf Twitter den US-Sportwettkampf mit ihrer Kampagne gegen die grüne Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer verband, auf die die stets wortgewaltige Hardlinerin etwa mit deren abgelegten Deadname einging: "#LiaThomas ist wie [...] #Ganserer: ein Mann – auch im Badeanzug. Wer Männern zum Titelgewinn im Frauenschwimmen gratuliert, ist frauenfeindlich Ende der Durchsage."


Am Montagvormittag ließ von Storch außerdem eine transfeindliche Pressemitteilung verbreiten, in der sie mit Verweis auf die US-Sportlerin gegen die "Gender-Ideologie der links-grünen Frauen-Abschaffer" wetterte. Thomas sei "ein Mann" und die "Transgender-Diskussion" führe dazu, "dass Männer Rekorde im Frauenschwimmen brechen, sich Männer in Damenumkleidekabinen aufhalten und Sexualverbrecher in Frauengefängnissen ihre Strafe absitzen, nur weil sie sich gerade als Frauen 'fühlen'".


Die AfD versucht dabei offensichtlich, den Schulterschluss mit transphoben Aktivistinnen wie Alice Schwarzer hinzubekommen. Der Tenor ist, dass Akzeptanz für trans Menschen frauenfeindlich sei. Die AfD-Politikerin Erika Steinbach tweetete etwa: "Es ist frauenfeindlich, wenn Personen, die genetisch Männer sind, zu Frauenwettbewerben zugelassen werden."

Auch in anderen Ländern versuchen transphobe Kräfte, mit Thomas Hass auf trans Menschen zu verbreiten, indem das Sport-Thema mit anderen Themen vermischt wird. Ein Beispiel ist der texanische Senator Ted Cruz, der früher insbesondere Stimmung gegen Homosexuelle machte, jetzt aber auf trans Menschen umgestiegen ist. Er erwähnte Thomas dutzende Male in sozialen Netzwerken – und brachte die Schwimmerin etwa auch mit dem "Don't Say Gay"-Gesetz in Verbindung. In einem Tweet postete er das Video einer ESPN-Moderatorin, die dieses und andere gegen queere Menschen gerichtete Gesetze verurteilte. Dazu schrieb der Republikaner: "Warum zur Hölle denkt ESPN, dass Fünfjährige in öffentlichen Schulen über Sex und Sexualität unterrichtet werden müssten. Solch linker Mut. Jetzt sprecht über Lia Thomas. Oder China."


Hier sei angemerkt, dass das Gesetz in Florida nicht Unterricht über "Sex und Sexualität" von Fünfjährigen verbietet, sondern Gespräche über "sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsidentität" für alle Schulklassen, sollten diese als "nicht altersgerecht" empfunden werden.

Thomas erfüllt NCAA-Voraussetzungen

Bereits zuvor hatte es Kritik an Lia Thomas gegeben, etwa durch den früheren US-Schwimmer Michael Phelps (queer.de berichtete). Allerdings erfüllt Thomas, die sich im Jahr 2019 als trans geoutet hatte, alle Voraussetzungen für trans Sportlerinnen, die vom Amateurverband NCAA vorgegeben worden sind. Diese verlangen unter anderem testosteronsenkende Medikamente für mindestens ein Jahr.

Gegner*innen von trans Frauen im Sport behaupten allerdings, dass sie wegen ihrer Geschlechtsidentität genetische Vorteile – etwa beim Körperbau – habe. Andere erwiderten darauf, dass es auch innerhalb eines Geschlechts Unterschiede gebe und es einen wirklich "fairen" Sport schlicht nicht gebe. Michael Phelps hat etwa genetisch bedingt eine Arm-Spannweite von 2,04 Metern und ist damit fast allen anderen Männern überlegen. Trotzdem sei seine Zulassung zum Schwimmsport nie eine Frage gewesen.

Eine im "British Journal of Sports Medicine" veröffentlichte Studie kam vor gut einem Jahr außerdem zu dem Ergebnis, dass sich die sportliche Leistung von trans Frauen nach zwei Jahren denen von cis Frauen angleicht (queer.de berichtete).

Übrigens: Den Durchmarsch durch Thomas gab es – wie in einigen Medien verbreitet – nicht. So wurde sie etwa im Finale über 100 Yard (91 Meter) Letzte. (dk)



#1 JulianFixAnonym
  • 21.03.2022, 14:43h
  • Ich bin kein Trans-Hasser,nur weil ich der Meinung bin,dass hier offensichtlich die Kritiker*innen in der Sache Recht haben.Eine andere Frage ist,dass deren Art berechtigte Kritik zu äußern teilweise auf widerliche Art verbalisiert wird. Dagegen muss man sich in der Tat entschieden wehren!
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#2 PeerAnonym
  • 21.03.2022, 15:57h
  • "Wer Männern zum Titelgewinn im Frauenschwimmen gratuliert, ist frauenfeindlich Ende der Durchsage."

    Sie ist eine Frau. Nur, dass sie in einem anderen Körper geboren wurde, wie zahlreiche Männer und Frauen vorher.

    Man sollte auch einfach mal wissenschaftliche Fakten zur Kenntnis nehmen und nicht immer nur seine Ideologie wiederholen, die nichts mit wissenschaftlichen Fakten zu tun hat.

    Ende der Durchsage.
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#3 DreddAnonym
  • 21.03.2022, 16:21h
  • Antwort auf #1 von JulianFix
  • Der Fairnesshalber haben die Organisatoren allerdings berücksichtigt dass auch wenn alle Trans-Frauen Frauen sind, eben nicht alle Frauen Trans-Frauen sind. Daher wurden ja entsprechende Vorgaben implementiert welche auf wissenschaftlichen Fakten beruhen und von der Dame hier vollständig erfüllt wurden.

    Daher ist der Fall hier imho wirklich nur transphober Bullshit....
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#4 canSarahAnonym
  • 21.03.2022, 17:12h
  • Antwort auf #1 von JulianFix
  • Sollen wir trans Frauen keinen Sport machen, damit du nur Sportveranstaltungen mit cis Leuten sehen kannst? Cisportler dopen sich auch und machen genug, um Wettbewerbe zu verzerren. Bei uns wird trotz jahrelanger HRT immer « unfairer Vorteil » unterstellt. Alles was mit trans zu tun hat, ist nen Skandal mmh warum eigentlich?
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#5 KontroverxAnonym
  • 21.03.2022, 18:08h
  • Antwort auf #4 von canSarah
  • Ich glaube nicht, dass es den meisten Menschen darum geht, Trans* Personen vom Sport auszuschließen (natürlich gibt es auch solche, dazu gehören gerade die Personen und Gruppen, die der Artikel ausdrücklich nennt). Es gehr aber darum, das auch Cis Frauen eine Chance auf fairen Wettkampf haben.
    Und wenn Studien ergeben, dass Trans* Frauen auch nach 2-3 Jahren Hormonbehandlung immernoch gewichtige Vorteile gegenüber Cis Frauen haben, dann ist es eben nicht fair den Cis Frauen gegenüber, wenn sie gegen Trans* Frauen (nach zu kurzer Hormontherapie) antreten müssen.

    Wenn Studien ergeben würden, dass eine Hormonbehandlung sofort die Leistung angleicht, wäre ich auch dafür, das Trans* Frauen unmittelbar an Frauenwettkämpfen teilnehmen dürfen. Ist aber leider nicht der Fall.

    D.h es müssten entweder zusätzliche Wettkämpfe geschaffen werden, oder aber (auch das ist nicht ideal) müssten bei den Männern mitmachen.
    Oder es müssen überall offene Kategorien geschaffen werden, wo alle mitmachen können, und daneben reine Frauen-Kategorien.

    Ich kann mir halt leider nicht vorstellen, dass es ein allen Seiten 100%ig gerecht werdenden Lösungsvorschlag geben kann.
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#6 HexeAnonym
#7 Alexander_FAnonym
  • 21.03.2022, 19:45h
  • Antwort auf #1 von JulianFix
  • Zu Deutsch: du gibst den Transhassern Recht und meinst nur, sie hätten das netter formulieren sollen.

    Zur Sache: ich habe auch mal einen Nazi in der Kneipe sagen hören, Schwarze seien wegen ihres von Natur aus stärkeren Sprunggelenks im Sport unfair im Vorteil.

    Mehr fällt mir zum Thema nicht ein.
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#8 KontroverxAnonym
  • 21.03.2022, 19:46h
  • Antwort auf #6 von Hexe
  • habe sogar den Artikel gelesen, der in diesem hier verlinkt ist, der besagt, dass nach zwei Jahren sich die Leistungen Beispielsweise im 2,4 km zwar angleichen, Trans+ Frauen aber immer noch 12% schneller sind als Cis Frauen,
    also worauf möchtest du hinaus?

    (Und ja, es gibt neben dem der Frage ob Cis Mann/Frau/Trans*Mann/Frau auch andere körperliche Aspekte, die keinen Wettkampf 100% gerecht machen)
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#9 Alexander_FAnonym
  • 21.03.2022, 20:30h
  • Antwort auf #8 von Kontroverx
  • "...es gibt neben dem der Frage ob Cis Mann/Frau/Trans*Mann/Frau auch andere körperliche Aspekte, die keinen Wettkampf 100% gerecht machen..."

    Korrekt. Nur ist der Unterschied Cis/Trans immer der große Zankapfel. Was wohl darauf schließen lässt, dass ein wie auch immer gearteter Vorteil von Transfrauen Vorwand, nicht aber Grund für die große Empörung ist. Der eigentliche Grund ist die die Tatsache, dass es Transfrauen sind und dass diese um jeden Preis ausgeschlossen werden sollen.

    Siehe mein Gespräch mit diesem Dorfnazi über das stärkere Sprungelenk Schwarzer Menschen. Dass Schwarze für ihn keine Deutschen sein konnten, brauche ich wohl nicht weiter zu erklären.
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#10 JulianFixAnonym
  • 21.03.2022, 20:43h
  • Antwort auf #7 von Alexander_F
  • Ich halte eine Diskussion über diese Frage jedenfalls für richtig.

    Ich würde -anders als Du- auch nicht jedem Menschen mit abweichender Meinung gleich Hass zu unterstellen. Insoweit jedoch nicht die Auseinandersetzung in der Sache im Vordergrund steht,sondern die persönliche Schmähung einer Person muss die Diskussion beendet werden. Daher natürlich keine Diskussion mit AfD und Co.

    Man tut den Betroffenen jedenfalls keinen Gefallen damit,eine notwendige gesellschaftliche Debatte abzuwürgen. Das führt nur zu noch mehr Ablehnung.
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