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Braunschweig

Leihmutterschaft geplant: Evangelische Kirche feuert Domkantor

Weil er mit seinem Ehemann Leihmutterschaft in Anspruch nehmen wollte, verliert der prominente Kirchenmusiker Gerd-Peter Münden seinen Job – nach 23 Jahren im Dienst für den Braunschweiger Dom.


Gerd-Peter Münden darf wegen seines Kinderwunsches nicht mehr im Braunschweiger Dom arbeiten (Bild: Chris Sobczak / flickr)

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig hat am Dienstag bekanntgegeben, dass sie Gerd-Peter Münden "mit sofortiger Wirkung" entlässt. Münden war seit 1999 Kantor, also Organist und Leiter des Kirchenchors, beim Braunschweiger Dom. Der Grund sei gewesen, dass der 56-jährige Kirchenmusiker und sein kolumbianischer Ehemann eine Regenbogenfamilie mit Hilfe von Leihmutterschaft gründen wollten.

"Durch das Vorhaben des Domkantors, in Kolumbien eine Leihmutterschaft zu beauftragen, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zerstört worden", teilte die Landeskirche mit. "Nach intensiver Prüfung der Sachverhalte und sorgfältiger Abwägung aller Begleitumstände ist der Vorstand der Domstiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein gedeihliches Zusammenwirken mit dem Domkantor nicht mehr möglich ist." Es gelte, "jedem Anschein entgegenzuwirken, dass Frauen und Kinder zu Waren degradiert und in ihrer Menschenwürde beschädigt werden".

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Münden war bereits vor zwei Wochen freigestellt worden. Die Kirche teilte damals mit, dass Leihmutterschaften in einem Widerspruch zu den ethischen Grundsätzen der evangelischen Kirche stünden. Laut NDR habe der Domkantor nach seiner Freistellung angekündigt, seine Leihmutterschaftspläne nicht mehr in die Tat umsetzen zu wollen – dies konnte aber offenbar seinen Job nicht mehr retten. Münden habe außerdem betont, dass es sich nicht um eine kommerzielle Leihmutterschaft gehandelt habe.

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, allerdings ist es nicht untersagt, in anderen Ländern derartige Leistungen in Anspruch zu nehmen. Allerdings erkennt das Finanzamt nach einer kürzlich getroffenen Entscheidung des Finanzgerichts in Münster Kosten für die Leihmutterschaft in der Steuererklärung nicht an (queer.de berichtete).

Die Landeskirche Braunschweig gilt bei Homosexuellenrechten als Nachzügler: Sie hatte erst zum 1. Januar dieses Jahres die Ehe für Schwule und Lesben kirchenrechtlich legalisiert – als 15. von 20 deutschen Landeskirchen (queer.de berichtete).

Leihmutterschaft insbesondere unter schwulen US-Stars weit verbreitet

Die Leihmutterschaft ist insbesondere unter amerikanischen schwulen Promis ein beliebtes Mittel, um eine Regenbogenfamilie zu starten. So sind auf diesem Weg in den letzten beiden Jahren der frühere *NSYNC-Sänger Lance Bass, der "Queer Eye"-Experte Tan France oder CNN-Moderator Anderson Cooper Vater geworden. Auch Elton John hat zwei Kinder aus einer Leihmutterschaft.

Die FDP hatte in der letzten Legislaturperiode vorgeschlagen, nichtkommerzielle Leihmutterschaft in Deutschland zu legalisieren (queer.de berichtete). Im Ampel-Koalitionsvertrag konnten sich die Liberalen mit dieser Forderung aber nicht durchsetzen. (dk)



#1 Klaus 001Anonym
  • 22.03.2022, 17:18h
  • Sollte eigentlich die Kirche nicht interessieren, schon gar nicht eine Kündigung auslösen. Machen viele schwule Paare um sich ein Traum zu erfüllen.
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#2 BraunschwaagerAnonym
  • 22.03.2022, 20:19h
  • Um den Kirchenmusiker Münden ist es nicht schade. Er hat die Schuke-Orgel im Dom verhunzt und pflegt auch sonst einen abenteuerlichen Interpretationsstil. So eine platte Mischung aus Spätromatik und Liszt goes Bach.

    Die Braunschweiger Landeskirche hat halt ihre Probleme mit der jüngsten Vergangenheit. Da ist immer noch die Geschichtsrelativierung während der Nazizeit, als diese Landeskirche eine Hochburg der deutschen Christen war. Nach dem 2. Weltkrieg hat diese typische "Pastorenkirche" auch den Pfarrer Lerche im Amt belassen, der in Salzgitter seine Gemeindehelferin bei der Gestapo denunziert hatte.

    Man ist eben halt von vorgestern und betrachtet die Gemeindeglieder als kleine Dummchen, die umsonst als "Ehrenamt" sämtliche Aufgaben in der Kirchengemeinde übernehmen sollen. Mitarbeiter, die noch regulär angestellt sind, bezeichnete der Landeskirchenrat als "Altlasten".

    Diese Landeskirche, wo sich in der landeskirchlichen Gemeinschaft, die letzten evangelikalen Heuler sammeln, kann keine Zukunftsperspektive mehr vermitteln. Sie ist nur nach rückwärts gerichtet. Das heißt beim Pflügen schauen sie zurück um einmal das neue Testament zu bemühen.

    Die Zahl der Kirchenaustritte bestätigt das.
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#3 BrunoniusAnonym
  • 22.03.2022, 21:04h
  • Antwort auf #2 von Braunschwaager
  • Die Landeskirche hätte in diesem Fall einfach mal den Ball flach halten können. Aber zur Verteidigung muss gesagt werden, dass sie die zweite in der BRD war, die Segnungsgottesdienste einführte. Die Kirche ist demokratisch und plural und Vieles hat sich auf den Synoden gegen die Hauptämtler durchgesetzt. Daher finde ich Ihre Bewertung tendenziell!
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#4 TuckDavisProfil
  • 22.03.2022, 21:53hBad Kreuznach
  • Antwort auf #3 von Brunonius
  • Das einzige, was ich an dem ganzen Vorgang nicht verstehe ist warum er auf der Arbeit vorher Bescheid sagt, dass er vor hat eine Leihmutter in Anspruch zu nehmen.

    Ich habe noch nie von irgendjemandem gehört, der seine Zeugungsunfähigkeit und die Lösung dessen (bzw. in dem Fall eben weil es zwei Männer sind den Leihmutterschaftsvorgang) mit seinem Arbeitgeber bespricht.

    Die Reaktion der Kirche überrascht mich gar nicht.

    Will hier auch keine Täter-Opfer Umkehr betreiben, aber es würde einfach vielen Leuten gesunder Menschenverstand gut tun - und ein wenig Selbsterhaltungstrieb.
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#5 AyidaProfil
  • 22.03.2022, 21:55hHessen
  • Antwort auf #3 von Brunonius
  • Man kann ihr Vorgehen bewerten wie man will, aber es hat scheinbar nichts mit Homophobie zu tun. Sie lehnen Leihmutterschaft ab, wozu es verschiedene Meinungen gibt und mit der sexuellen Orientierung nichts zu tun hat. Bei einem Hetero Paar hätten sie wohl genauso gehandelt.
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#6 JuristischAnonym
  • 23.03.2022, 09:51h
  • Ich verstehe das juristisch nicht. Wieso hat die Kirche das Recht, einem Mitarbeiter zu kündigen, der etwas völlig Legales macht, das lediglich moralisch umstritten sein mag?
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#7 StaffelbergblickAnonym
  • 23.03.2022, 10:27h
  • Wie bereits ausgeführt, warum wußte im Vorfeld bereits sein "Brötchengeber" davon? Es ist sein privates "Ding".
    Was mich aber persönlich ganz massiv stört ist ein anderer Aspekt. Der hat allerdings nichts mit irgendwelchen Lebensgemeinschaftsverbindungsverhältnissen zu tun. Warum kommen Männer auf die Idee mit 56 Jahren nochmals Vater werden zu wollen? Schon mal überlegt, was das für ein Kind bedeutet? Wenn diese Kinder in die Pubertät kommen, dann wäre im Rentenalter. Und im worst case verliert das "Kind" mit noch nicht einmal 30 Jahren seinen Erzeuger? Ich weiß wovon ich rede ... ich hatte als Kind/Junge Schwierigkeiten mit dem Alter meines Vaters. Das hatte sich erst geändert, als ich mein Ziel erreicht hatte ... nur davon hatte mein Vater nicht mehr viel. Weil er bald darauf starb.
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#8 StrottiAnonym
  • 23.03.2022, 11:05h
  • Antwort auf #6 von Juristisch
  • Es liegt an der besonderen Stellung der Kirche gerade im Arbeitsrecht. Mitarbeiter sind nämlich nicht nur den allgemeinen Gesetzen unterworfen, sondern können auch auf die speziellen Regeln der Kirche verpflichtet werden. Und wenn die Leihmutterschaft verbieten, dann darf der Mitarbeiter gekündigt werden, wenn er eine Leihmutter beauftragt. Allerdings ist das alles seit einiger Zeit sehr im Fluss, gerade was die arbeitsrechtliche Stellung von Mitarbeitern angeht, die nicht direkt in der Seelsorge tätig sind. Deshalb lässt sich schwer vorhersagen, wie ein Gericht das beurteilen wird.
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#9 MrBeakingtonAnonym
  • 23.03.2022, 15:10h
  • Bitte tretet aus diesen ganzen Pädo-Groß-Sekten mit geschlossenem Weltbild so schnell wie möglich aus!

    Eure Kollekte bewirkt besseres beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, der Menschen sogar ohne religiöse Indoktrination hilft.

    Das sich die Kirchen rausnehmen, Kriminalität in ihren Reihen ohne Polizei und Gerichte zu verfolgen, ist, als würde die Mafia sich um die Bestrafung von Kriminalität kümmern.

    In diesem konkreten Fall ist es das Arbeitsrecht, wo sich die Kirchen ebenfalls Sonderrechte rausnehmen, z.B. jemanden diskriminieren zu dürfen oder Streiks zu verbieten.

    Es wird Zeit, das Gesetz überall durchzusetzen, auch in christlichen Parallelgesellschaften. Falls euer unsichtbarer Patron etwas dagegen hat, wird er bestimmt ein Zeichen schicken, aber bitte nicht auch unsichtbar! Oder er wird sich zu Wort melden. Aber dann bitte nicht über dritte, wie "Gott hat zu mir gesprochen". Ok, wie klingt seine Stimme? Hat er einen Akzent?

    Sorry über all die Polemik, aber wenn ich sehe, wie in US-Südstaaten, Polen oder Ungarn wieder Diskriminierung einkehrt, sehe ich nicht ein, Verständnis für 2 Erwachsene zu haben, die sich über Fantasiefiguren streiten und daraus Regeln ableiten, die dann auch für vernünftige Leute gelten. Warum soll ein Atheist sich an das Tanzverbot am Karfreitag halten, also einen Aberglauben respektieren, der ihn nicht zurück respektiert?
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