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Braunschweig

Leih­mutter­schaft geplant: Evangelische Kirche feuert Domkantor

Weil er mit seinem Ehemann Leihmutterschaft in Anspruch nehmen wollte, verliert der prominente Kirchenmusiker Gerd-Peter Münden seinen Job – nach 23 Jahren im Dienst für den Braunschweiger Dom.


Gerd-Peter Münden darf wegen seines Kinderwunsches nicht mehr im Braunschweiger Dom arbeiten (Bild: Chris Sobczak / flickr)
  • 22. März 2022, 14:36h 9 2 Min.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig hat am Dienstag bekanntgegeben, dass sie Gerd-Peter Münden "mit sofortiger Wirkung" entlässt. Münden war seit 1999 Kantor, also Organist und Leiter des Kirchenchors, beim Braunschweiger Dom. Der Grund sei gewesen, dass der 56-jährige Kirchenmusiker und sein kolumbianischer Ehemann eine Regenbogen­familie mit Hilfe von Leih­mutter­schaft gründen wollten.

"Durch das Vorhaben des Domkantors, in Kolumbien eine Leih­mutter­schaft zu beauftragen, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zerstört worden", teilte die Landeskirche mit. "Nach intensiver Prüfung der Sachverhalte und sorgfältiger Abwägung aller Begleitumstände ist der Vorstand der Domstiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass ein gedeihliches Zusammenwirken mit dem Domkantor nicht mehr möglich ist." Es gelte, "jedem Anschein entgegenzuwirken, dass Frauen und Kinder zu Waren degradiert und in ihrer Menschenwürde beschädigt werden".

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Münden war bereits vor zwei Wochen freigestellt worden. Die Kirche teilte damals mit, dass Leih­mutter­schaften in einem Widerspruch zu den ethischen Grundsätzen der evangelischen Kirche stünden. Laut NDR habe der Domkantor nach seiner Freistellung angekündigt, seine Leih­mutter­schaftspläne nicht mehr in die Tat umsetzen zu wollen – dies konnte aber offenbar seinen Job nicht mehr retten. Münden habe außerdem betont, dass es sich nicht um eine kommerzielle Leih­mutter­schaft gehandelt habe.

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, allerdings ist es nicht untersagt, in anderen Ländern derartige Leistungen in Anspruch zu nehmen. Allerdings erkennt das Finanzamt nach einer kürzlich getroffenen Entscheidung des Finanzgerichts in Münster Kosten für die Leihmutterschaft in der Steuererklärung nicht an (queer.de berichtete).

Die Landeskirche Braunschweig gilt bei Homosexuellenrechten als Nachzügler: Sie hatte erst zum 1. Januar dieses Jahres die Ehe für Schwule und Lesben kirchenrechtlich legalisiert – als 15. von 20 deutschen Landeskirchen (queer.de berichtete).

Leihmutterschaft insbesondere unter schwulen US-Stars weit verbreitet

Die Leihmutterschaft ist insbesondere unter amerikanischen schwulen Promis ein beliebtes Mittel, um eine Regenbogenfamilie zu starten. So sind auf diesem Weg in den letzten beiden Jahren der frühere *NSYNC-Sänger Lance Bass, der "Queer Eye"-Experte Tan France oder CNN-Moderator Anderson Cooper Vater geworden. Auch Elton John hat zwei Kinder aus einer Leihmutterschaft.

Die FDP hatte in der letzten Legislaturperiode vorgeschlagen, nichtkommerzielle Leihmutterschaft in Deutschland zu legalisieren (queer.de berichtete). Im Ampel-Koalitionsvertrag konnten sich die Liberalen mit dieser Forderung aber nicht durchsetzen. (dk)

-w-

#1 Klaus 001Anonym
  • 22.03.2022, 17:18h
  • Sollte eigentlich die Kirche nicht interessieren, schon gar nicht eine Kündigung auslösen. Machen viele schwule Paare um sich ein Traum zu erfüllen.
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#2 BraunschwaagerAnonym
  • 22.03.2022, 20:19h
  • Um den Kirchenmusiker Münden ist es nicht schade. Er hat die Schuke-Orgel im Dom verhunzt und pflegt auch sonst einen abenteuerlichen Interpretationsstil. So eine platte Mischung aus Spätromatik und Liszt goes Bach.

    Die Braunschweiger Landeskirche hat halt ihre Probleme mit der jüngsten Vergangenheit. Da ist immer noch die Geschichtsrelativierung während der Nazizeit, als diese Landeskirche eine Hochburg der deutschen Christen war. Nach dem 2. Weltkrieg hat diese typische "Pastorenkirche" auch den Pfarrer Lerche im Amt belassen, der in Salzgitter seine Gemeindehelferin bei der Gestapo denunziert hatte.

    Man ist eben halt von vorgestern und betrachtet die Gemeindeglieder als kleine Dummchen, die umsonst als "Ehrenamt" sämtliche Aufgaben in der Kirchengemeinde übernehmen sollen. Mitarbeiter, die noch regulär angestellt sind, bezeichnete der Landeskirchenrat als "Altlasten".

    Diese Landeskirche, wo sich in der landeskirchlichen Gemeinschaft, die letzten evangelikalen Heuler sammeln, kann keine Zukunftsperspektive mehr vermitteln. Sie ist nur nach rückwärts gerichtet. Das heißt beim Pflügen schauen sie zurück um einmal das neue Testament zu bemühen.

    Die Zahl der Kirchenaustritte bestätigt das.
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#3 BrunoniusAnonym
  • 22.03.2022, 21:04h
  • Antwort auf #2 von Braunschwaager
  • Die Landeskirche hätte in diesem Fall einfach mal den Ball flach halten können. Aber zur Verteidigung muss gesagt werden, dass sie die zweite in der BRD war, die Segnungsgottesdienste einführte. Die Kirche ist demokratisch und plural und Vieles hat sich auf den Synoden gegen die Hauptämtler durchgesetzt. Daher finde ich Ihre Bewertung tendenziell!
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