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Evangelische Kirche und Leihmutterschaft

Mit Mann verheirateter Ex-Domkantor will Kündigung anfechten

Wegen seines Kinderwunsches war der mit einem Mann verheiratete Braunschweiger Domkantor von der Kirche fristlos gekündigt worden. Dagegen will er nun arbeitsrechtlich vorgehen.


Von einem Tag auf den anderen setzte die evangelische Kirche ihren Domkantor auf die Straße (Bild: geralt / pixabay)

Der 56-jährige Kirchenmusiker Gerd-Peter Münden will offenbar gegen seine fristlose Entlassung durch die Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig vorgehen. Gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk erklärte Münden, er wolle eine Kündigungsschutzklage gegen die Kirche einreichen. Münden hatte 23 Jahre lang am Dom von Braunschweig als Kantor, also Organist und Leiter des Kirchenchors, gearbeitet.

Keine Mediation vor Rausschmiss

Ferner erklärte der mit einem kolumbianischen Mann verheiratete Musiker, ihn habe die Kündigung überrascht. Eine zuvor angekündigte Mediation habe nicht stattgefunden. Angesichts der Tatsache, dass die Landeskirche erst zum 1. Januar die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet hatte, sei der Umgang mit ihm enttäuschend. Der mit einer Frau verheiratete Landesbischof Christoph Meyns, der selbst zwei Kinder hat, habe ihm geschrieben, dass er "auf den Kinderwunsch verzichten müsse".


Christoph Meyns ist seit 2014 Landesbischof in Braunschweig (Bild: Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig )

Die Landeskirche hatte am Dienstag mitgeteilt, dass der Domkantor im Amt fristlos entlassen werde (queer.de berichtete). Grund seien keine Verfehlungen in seiner Tätigkeit, sondern sein privater Plan, mit seinem kolumbianischen Ehemann mit Hilfe einer Leihmutterschaft aus dem Heimatland seines Partners eine Regenbogenfamilie zu gründen. Es gelte, "jedem Anschein entgegenzuwirken, dass Frauen und Kinder zu Waren degradiert und in ihrer Menschenwürde beschädigt werden", teilte die Kirche mit. Dabei hatte Münden laut NDR betont, dass es sich um eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft gehandelt habe.

Leihmutterschaft ist in Deutschland anders als in Kolumbien verboten. Allerdings ist es nicht illegal für Deutsche, eine derartige Leistung im Ausland in Anspruch zu nehmen. Die FDP hatte sich in der letzten Legislaturperiode dafür eingesetzt, nichtkommerzielle Leihmutterschaft in Deutschland zu legalisieren (queer.de berichtete). Allerdings konnten sich die Liberalen mit dieser Forderung in der Regierungskoalition nicht durchsetzen.

Münden hatte von 1992 bis 1999 als Kantor der Gemeinde St. Marien im ostwestfälischen Minden gearbeitet, bevor er als Domkantor nach Braunschweig wechselte. Er wurde auch durch mehrere Kompositionen bekannt und initiierte 2009 das landesweite Grundschul-Projekt "Klasse, wir singen". Seine sexuelle Orientierung war während dieser Zeit nie ein öffentliches Thema für die Kirche. (dk)



#1 YannickAnonym
#2 whateverAnonym
#3 TyranusAnonym
  • 23.03.2022, 11:15h
  • "jedem Anschein entgegenzuwirken, dass Frauen und Kinder zu Waren degradiert und in ihrer Menschenwürde beschädigt werden", teilte die Kirche mit. Dabei hatte Münden laut NDR betont, dass es sich um eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft gehandelt habe."

    Hier liegt der Hund begraben. Es geht dem sauberen Herrn Bischof nur um die Wahrung des Scheins. Dass die Faktenlage völlig anders ist, da es sich um eine nicht-kommerzielle Leihmutterschaft handelt, gegen die es bestenfalls "moralische" Argumente gäbe, ist dem Herrn Bischof wohl zu anstrengend. Krass finde ich, dass so einer dann auch noch zum Beauftragtenrat der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gehört. Der versteht offenbar gar nicht was das ist, wenn er meint, dass nichtkommerzielle Leihmutterschaft irgendetwas mit "Beschädigung der Menschenwürde" zu tun hätte.
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#4 NicoAnonym
  • 23.03.2022, 11:18h
  • Ich selbst halte Leihmutterschaft tatsächlich nah am Menschenhandel dran.

    Ich verstehe auch nicht, wie mein den Wunsch haben kann, ein Kind in die Welt zu bringen, und ihm dann seine Mutter, kurz nach der Geburt zu entziehen. Aus Beobachtugen aus dem Freundeskreis habe ich den Eindruck gewonnen, dass es ganz wesentliich für das Wohlbefinden des Kindes ist, die vertraute Stimmer der Mutter auch nach der Geburt zu hören.

    Die ablehnende Haltung der Kirchen gegenüber Leihmutterschaft hat auch nichts mit sexueller Orientierung zu tun. Die Leihmutterschaft wird auch für heterosexuelle Paare abgelehnt.

    Im christlichen Verständnis muss der Mensch immer Subjekt sein, und darf nicht zum Objekt degradiert werden, was bei Leihmutterschaft zumindest mit der Mutter, nach meinem Verständnis aber auch mit dem Kind passiert.
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#5 DreddAnonym
#6 ChristenmenschAnonym
  • 23.03.2022, 11:35h
  • Antwort auf #3 von Tyranus
  • Die Darstellung, dass es sich um eine nicht kommerzielle Leihmutterschaft handele, ist schlichtweg falsch. Hier fließt Geld und damit passiert genau das, was die Landeskirche kritisiert: Menschen werden zur Ware und zu rechtlich sehr schwach gestellten Dienstleistern degradiert. Die Frauen werden erhöhten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und der austragenden Mutter wird kurz nach der Entbindung, zur Not auch gegen ihren Willen, das Kind genommen. Der gesamte Vorgang hat nichts mit der sexuellen Orientierung der zahlenden Eltern zu tun. Hier geht es um den Schutz der Würde der kolumbianischen Frauen und der Kinder. Es ist gut und richtig, dass die Kirche hier klare Kante zeigt!
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#7 Lucas3898Anonym
  • 23.03.2022, 11:50h
  • Antwort auf #5 von Dredd
  • Ich gehe davon aus, dass der Kantor da gute Chancen hat die Kündigung anzufechten.

    Selbst eine Abmahnung für private Aktivitäten wäre wohl nur in seltenen Fällen zu rechtfertigen.
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#8 TyranusAnonym
  • 23.03.2022, 12:32h
  • Antwort auf #6 von Christenmensch
  • "Die Darstellung, dass es sich um eine nicht kommerzielle Leihmutterschaft handele, ist schlichtweg falsch. Hier fließt Geld"

    Wo steht das? Das ist dem Artikel nicht zu entnehmen. Stattdessen sagt Gerd-Peter Münden ganz klar "dass es sich um eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft gehandelt habe". Willst du Gerd-Peter Münden der Lüge bezichtigen? Dann beweise das und behaupte nicht einfach!

    PS: Selbst wenn es kommerziell gewesen wäre, müsstest du erst mal belegen, was du nachfolgend im Einklang mit deiner Kirche behauptest. Du laberst von Menschenwürde und schwach gestellten Dienstleistern, dem Entreißen vonKindern und Würde, ohne auch nur im Entferntesten über die näheren Umstände informiert zu sein. Doch das ist "Christenmensch" egal, deine VERURTEILUNG steht fest, weil sie in dein kleines, kirchentreues Weltbild passt. Dass es sich bei der Leihmutter einfach um eine Cousine, gute Freundin oder was auch immer des kolumbianischen Ehemannes handelt könnte und dass vielleicht all diese Punkte von den verantwortunsvoll handelnden Eltern bedacht wurden, kommt dir einfach nicht in den Sinn. Ich behaupte nicht, dass es so ist, daher urteile ich darüber nicht, doch du verurteilst einfach sofort und bezichtigst Gerd-Peter Münden sogar der Lüge. Einfach so. So sieht also der wahre "Christenmensch" aus? Ich kenne etliche, die mehr Christ im Sinne der Idealvorstellung sind als du und die glauben nicht mal an einen Gott oder sind in einer Kirche.

    "und damit passiert genau das, was die Landeskirche kritisiert: Menschen werden zur Ware und zu rechtlich sehr schwach gestellten Dienstleistern degradiert. Die Frauen werden erhöhten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und der austragenden Mutter wird kurz nach der Entbindung, zur Not auch gegen ihren Willen, das Kind genommen. Der gesamte Vorgang hat nichts mit der sexuellen Orientierung der zahlenden Eltern zu tun. Hier geht es um den Schutz der Würde der kolumbianischen Frauen und der Kinder. Es ist gut und richtig, dass die Kirche hier klare Kante zeigt!"

    Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich "Christenmenschen" erdreisten, indem sie versuchen anderen ihre Moralvorstellungen aufzuzwingen. Ich kann nur hoffen, dass ihr "Christenmenschen" irgendwann endlich der Vergangenheit angehört.
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#9 WadimAnonym
  • 23.03.2022, 13:03h
  • Ist es nicht das Bibelgebot "Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und nehmt sie in Besitz. "? Dort steht nicht, wie.
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#10 lindener1966Profil
  • 23.03.2022, 13:48hHannover
  • Ich bin gegen Leihmutterschaft, mehr brauche ich nicht zu sagen. Warum nicht Adoption oder Pflegeelternschaft?
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