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Kurz vor Wahl

Frankreich: Queere Verbände zeigen Zemmour an

Der rechtsextreme Präsidentschaftskandidat habe die Verfolgung Homosexueller während der Nazizeit geleugnet, beklagen die Verbände.


Zemmour am Mittwoch bei der Vorstellung seines Wahlprogramms (Bild: Youtube-Screenshot)

Mehrere Verbände haben gegen den rechtsextremen französischen Präsidentschaftskandidaten Eric Zemmour eine Anzeige wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gestellt. Er habe "Geschichtsklitterung" betrieben, "um seine homosexuellenfeindliche Haltung zu verteidigen", heißt es in der am Mittwoch eingereichten Anzeige, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Die Klage geht auf ein Zitat aus einem im September veröffentlichten Buch von Zemmour zurück. "Die Deportation von Homosexuellen in Frankreich wegen ihrer 'sexuellen Orientierung' – wie man heute sagt – ist eine Legende", heißt es dort. Die Verbände, unter ihnen Stop Homophobie, Inter-LGBT und SOS Homophobie, betonen, dass während der deutschen Besatzung mindestens 500 Männer wegen ihrer mutmaßlichen Homosexualität festgenommen worden seien. Etwa 200 von ihnen seien deportiert worden.

Twitter / stop_homophobie

Zemmours Anwalt bestätigte den Vorgang zunächst nicht. Sein Umfeld empörte sich jedoch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung knapp drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. Das Zitat gebe auch gar nicht die Haltung Zemmours wieder, sondern die eines anderen Politikers, sagte ein Vertrauter Zemmours.

Tatsächlich zitiert Zemmour in dem Buch den früheren UMP-Politiker Christian Vanneste, der diese "Legenden"-Äußerung im Wahlkampf 2012 machte (queer.de berichtete). Zemmour schreibt in dem im letzten Jahr veröffentlichten Buch allerdings, dass Vanneste mit der Äußerung "richtig" gelegen habe. Sein Umfeld betont, dass 2012 selbst der als Nazijäger bekannte Serge Klarsfeld gesagt habe, dass die Homosexuellen unter den Deportierten "als Juden, als Widerstandskämpfer oder als Kriminelle" deportiert worden seien.

Die Deportation von Homosexuellen während des Zweiten Weltkriegs "ist eine etablierte historische Realität", so die Verbände zu ihrer Anzeige, die die erste ihrer Art sei und durch jüngere Forschung etwa des Historikers Arnaud Boulligny näher begründet werde. Die Buchpassage sei letztlich ein Legitimierungsversuch für Homosexuellenfeindlichkeit. "Eric Zemmours Holocaust-Leugnung ist eine verschleierte Form der Aufstachelung zum Hass", schreibt SOS Homophobie. "Indem Eric Zemmour die während des Zweiten Weltkriegs begangenen Verbrechen gegen Homosexuelle leugnet, minimiert er die aktuelle homophobe Gewalt."

Zemmour hatte am Mittwoch etwa 400 Maßnahmen seines Programms zu den Wahlen im April vorgestellt. Darin behauptet er unter anderem, 20 Milliarden Euro einsparen zu wollen, indem er die Sozialhilfe für nichteuropäische Ausländer*innen streicht. Auch verspricht er, Kinder vor "ideologischer Propaganda" an Schulen zu schützen. In den letzten Wochen hatte er unter anderem behauptet, LGBTI führten an Schulen eine "Gehirnwäsche" an Kindern durch. Diese "Minderheitenpropaganda" wolle er stoppen.

In aktuellen Umfragen zum ersten Wahlgang liefert sich Zemmour bei rund zwölf Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit zwei weiteren Kandidat*innen um den dritten Platz, hinter Amtsinhaber Emmanuel Macron mit rund 30 und der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen mit ca. 17 Prozent. (AFP/nb)



#1 56James35Anonym
  • 24.03.2022, 11:39h
  • Schlimm ist, dass unzählige Franzosen und Französinnen diesen Journaisten bewundern und unterstützen.
    Was ist gegen die Dummheit und die "méchanceté humaine" (= das Böse im Menschen) zu tun ?
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#2 SakanaAnonym
  • 24.03.2022, 12:00h
  • Unglaublich....vielleicht sollte Frankreich verfassungstechnisch wieder in die prä-Gaullistische Vierte Republik zurückkehren, in welcher der Präsident nicht so viel exekutive Macht hatte. Sonst wären solche Figuren wie Zemmour uns Le Pen kaum möglich gewesen.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 24.03.2022, 12:12h
  • Ich lebe jetzt seit sieben Jahren in Frankreich, und auch wenn mich Figuren wie er beunruhigen, glaube ich nicht, dass er an die Macht kommen wird. Solche Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Le Pen und anderen hatten wir hier schon mehrfach, und immer waren die Franzosen und Französinnen am Ende doch vernünftig genug, nicht Le Pen zu wählen. Da sich die Rechtsextremen nun zwischen Zemmour und Le Pen spalten werden, werden sie noch weniger Stimmen haben.

    Zumindest hoffe ich das. Schießt mir ins Knie, falls ich mich irre.
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#4 la_passanteAnonym
  • 24.03.2022, 14:38h
  • Antwort auf #3 von Alexander_F
  • Sehe ich auch so (ich lebe seit 40 Jahren in Frankreich, als lesbische Transfrau).

    Allerdings betreibt Macron selbst de facto rechtsextreme Politik, eine Kreuzung von Thatcher und Pinochet, dazu braucht's leider weder Le Pen noch Zemmour u.ä.
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#5 SakanaAnonym
#6 Alexander _FAnonym
  • 24.03.2022, 15:34h
  • Antwort auf #4 von la_passante
  • Macron und rechtsextrem? Dir ist schon klar, dass der das Selbstbestimmungsgesetz, was in Deutschland noch ansteht, durchgesetzt hat? Er ist vielleicht ein Lindnerverschnitt, aber was du hier laberst, ist echt einfach nur Bullshit.
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#7 PetterAnonym
  • 24.03.2022, 15:46h
  • Antwort auf #6 von Alexander _F
  • Da kann ich Dir nur zustimmen.

    Macron mag neoliberal sein und sicher in vielen Punkten auch Kritik nötig haben. Und auch mir passen an ihm viele Dinge nicht, z.B. dass er so ein Fan von Atomenergie ist.

    Ihn aber als rechtsextrem zu bezeichnen ist nicht nur falsch und dumm, sondern geradezu unverschämt. Zumal er auch schon einiges für LGBTI umgesetzt hat. Auch Dinge, auf die wir in Deutschland immer noch warten.
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#8 dellbronx51069Anonym
  • 24.03.2022, 18:27h
  • Aus welchem Loch dieser Grottenolm auch immer gekrochen sein mag, gebt ihm Pierre Seel zu lesen( Hinweis für Monsieur Zemmour : das schwarze sind die Buchstaben) und schickt damit zurück in sein Loch.
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#9 la_passanteAnonym
  • 25.03.2022, 02:40h
  • Antwort auf #6 von Alexander _F
  • Den Bullshit laberst du, um mich mal deiner ignoranten und argumentelosen Sprache zu bedienen. Ich habe 40 Jahre politischer Entwicklung, seit MItterrand, in Frankreich aus erster Hand miterlebt, ich weiß was ich sage und stehe dazu. Wer Macron für einen Demokraten hält hat ein ein heftiges politisches Orientierungsproblem (oder er gehört zu den Nutznießern von Macrons reaktionärem System).
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#10 Alexander_FAnonym
  • 25.03.2022, 12:01h
  • Antwort auf #9 von la_passante
  • Ok, Boomer...
    Das einzige, was du in diesen 40 Jahren aufgeschnappt zu haben scheinst, ist genau jene großmäulige, realitätsfremde, an überlebter Politfolklore festhaltende Haltung der französischen Linken, die auch der Grund ist, weshalb sie es nicht schafft, wählbare Kandidat*innen ins Rennen zu schicken und es jetzt zum zweiten Mal in Folge auf ein Rennen zwischen Mitte-Rechts und Ganz-Rechts hinausläuft.

    Du magst vielleicht schon so lange dort leben, aber viele Fortschritte scheinen dir wohl in deiner Verbitterung um die gute alte Zeit entgangen zu sein.

    Ich habe beispielsweise letztes Jahr hautnah die Transition eines Freundes mitbekommen. Er musste nicht einmal zu irgendeinem alten weißen Mann nach Paris fahren, wie es noch mein Ehemann vor zehn Jahren musste. Meine eidesstattliche Aussage, dass er unter seinem gewählten Namen lebt, genügte. Und wie gesagt, das sind Zustände, von denen man in Deutschland nur träumen kann.

    Und wegen sozialen Reformen: ich als Kleinstunternehmer habe dank ihm nun eine garantierte Rente. Nicht viel, aber auch etwas, wovon ich in Deutschland als Selbstständiger nur träumen könnte.

    Aber stimmt schon, die gute alte Mittérand-Zeit, wo unsereiner noch verdroschen wurde, war ja so viel toller. Dir ist echt nicht zu helfen.
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