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Aktfotografie

Er schuf schwule Erotik, als Homosexualität noch verboten war

Mit seinen Werken vergnügte und prägte der amerikanische Fotograf und Filmemacher Bob Mizer über Jahrzehnte homosexuelle Männer in aller Welt. Heute, am 27. März 2022, wäre er 100 Jahre alt geworden.


Bob Mizer produzierte zahllose Fotografien von nahezu nackten, mehr oder minder muskulösen jungen Männern (Bild: Bob Mizer)
  • Von Martin Pozsgai
    27. März 2022, 09:38h, noch kein Kommentar

Heute vor 100 Jahren wurde Bob Mizer am 27. März 1922 geboren. Bob Mizer war ein amerikanischer Fotograf und Filmemacher, dessen visuelles Werk über mehrere Jahrzehnte Homosexuelle in aller Welt vergnügte und prägte. Er war Gründer und treibende Kraft hinter der Athletic Model Guild (AMG), einer 1945 in Los Angeles gegründeten Fotoagentur. Bald darauf gab er die bahnbrechende Zeitschrift "Physique Pictorial" heraus, die von 1951 bis 1990 erschien und vor allem AMG-Bilder veröffentlichte (queer.de berichtete).

Pionier homoerotischer Bildwelten


Porträt von Bob Mizer (ca. 1945)

Für seine AMG produzierte Bob Mizer zahllose Fotografien von nahezu nackten, mehr oder minder muskulösen jungen Männern. Deren Veröffentlichung in "Physique Pictorial" war in Zeiten der Postzensur (als Vorwand) für Künstler und "Körperkultur-Enthusiasten" gedacht, fand aber natürlich vor allem bei schwulen Männern Absatz. So verkaufte AMG beispielsweise im Jahr 1959 nicht nur durchschnittlich 40.000 Exemplare von jeder Ausgabe, sondern auch 50.000 Fotoaufnahmen an Besteller. Die Abzüge wurden trotz der drohenden Kriminalisierung auch international per Post verschickt, einzeln oder in Serien.

Vor der Entstehung der homosexuellen Emanzipationsbewegung ermöglichten Bob Mizer und "Physique Pictorial" die Verbreitung homoerotischer Bilder; die Zeitschrift enthielt auch idealisierte, sexualisierte Zeichnungen von Künstlern wie George Quaintance, Spartacus oder Tom of Finland. Die Fotos und Filme der AMG beeinflussten David Hockney, Gore Vidal und Robert Mapplethorpe. Mizer fotografierte Tausende von Männern, darunter auch Ikonen wie Arnold Schwarzenegger.

Gründliche wissenschaftliche Untersuchung steht aus


Porträt von Billy Hawkins aus dem Jahr 1957 (Bild: Bob Mizer)

Neben der Freude, die die Hefte von "Physique Pictorial" ihren Empfängern in aller Welt brachten, galten sie in Deutschland zugleich den Strafverfolgungsbehörden als Indiz für Homosexualität und wurden daher als Beweise in Anklagen nach § 175 Strafgesetzbuch, nach dem jegliche sexuelle Betätigung unter Männern untersagt war, herangezogen. So ist etwa aus Hannover bekannt, dass die Polizei 1962 etwa bei einer Hausdurchsuchung in der Privatwohnung eines Verdächtigen unter anderem Hefte von "Physique Pictorial" beschlagnahmte.

Eine wirklich gründliche wissenschaftliche Untersuchung des Gesamtwerks an Fotografien und Filmen des 1992 gestorbenen Pioniers homoerotischer Bildwelten steht noch aus. Ein Großteil der vorhandenen Literatur, die immer wieder von Fehlinformationen durchsetzt ist, verstellt den Blick auf das Werk des von Anfang an offen schwul auftretenden Künstlers Mizer an sich: auf seine formalen Techniken, seine ästhetischen Muster und die möglichen soziologischen Erkenntnisse.