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Vereinigte Staaten

Zehntausende trans Teenager bangen um Gesundheitsversorgung

Das Vorgehen republikanischer Bundesstaaten in den USA bedroht die medizinische Versorgung von 54.000 trans Jugendlichen. In Idaho ist indes ein transphobes Gesetz gescheitert.


Die junge Texanerin Kai Shappley aus der Dokumentation "A Trans Girl Growing Up In Texas" (Bild: Screenshot YouTube / Kai Shappley)
  • 28. März 2022, 08:50h, noch kein Kommentar

Mehr als 54.000 transgeschlechtliche Jugendliche in den USA sind gegenwärtig davon bedroht, dass ihnen die medizinische Unterstützung entzogen werden könnte. Das ist etwa ein Drittel der in den Vereinigten Staaten lebenden, transgeschlechtlichen Teenager.

Darauf machte das Williams Institute on Sexual Orientation and Gender Identity Law and Public Policy der Universität in Los Angeles in einem Report aufmerksam.

Der Grund: Die Welle an transfeindlichen Gesetzen in republikanisch dominierten US-Bundesstaaten, in der mehr und mehr die medizinische Versorgung in den Fokus geraten ist. Bei der Strategie, wie sich die Gabe von Pubertätsblockern, Geschlechtshormonen sowie geschlechtsangleichende Operationen bei Jugendlichen verhindern lassen, waren die Bundesstaaten zuletzt kreativ gewesen.

Skandalöse Gesetze in Texas und Idaho

So hatte der Bundesstaat Texas selbst in bundesdeutschen Medien Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als der republikanische Gouverneur Greg Abott zusammen mit seinem Justizminister Mitte Februar die geschlechtsaffirmierende Behandlung transgeschlechtlicher Jugendlicher einfach zur Kindesmisshandlung umdefinierte.

Damit setzte die Regierung auch die Verdächtigung und Verfolgung all jener durch das US-amerikanische Äquivalent der hiesigen Jugendämter in Gang, die es wagen, transgeschlechtliche Kinder zu unterstützen, statt sie zum Schauspiel einer falschen Geschlechtsidentität zu zwingen (queer.de berichtete).

In Idaho ist indes der Versuch, auf die skandalöse Regelung in Texas noch eins drauf zu setzen, gescheitert. Ein Gesetzesentwurf, der die medikamentöse oder chirurgische Versorgung transgeschlechtlicher Jugendlicher mit der weiblichen Genitalverstümmelung gleichsetzte, hatte im Abgeordnetenhaus des Bundesstaats erst eine Mehrheit errungen. Dadurch wäre es sogar zur Straftat geworden, Jugendliche zum Zweck der medizinischen Behandlung in einen anderen Bundesstaat zu bringen (queer.de berichtete).

Der ebenfalls republikanisch dominierte Senat sprach sich dann jedoch gegen die Annahme des Gesetzes aus. Die Begründung war dabei keineswegs transfreundlich, sondern eher in der traditionellen Skepsis der Partei gegenüber einem zu starken Staat verwurzelt. Der solle sich besser aus der Beziehung zwischen amerikanischen Familien beziehungsweise Bürger*innen und ihren Ärzt*innen heraushalten, hieß es.

Auch 4.000 18- bis 20-Jährige gefährdet

Von solchen und ähnlichen Gesetzen oder Gesetzesvorhaben in republikanischen Bundesstaaten sind nicht nur die 54.000 Teenager bedroht. In den drei Bundesstaaten Alabama, North Carolina und Oklahoma zielen republikanische Parlamentarier*innen derweil sogar auf die medizinische Versorgung von allen US-Amerikaner*innen unter 21 Jahren.

In insgesamt 15 Staaten gibt es bereits Planungen, Verbote von geschlechtsaffimierender medizinischer Therapie durchzusetzen beziehungsweise wurden diese Verbote sogar schon verabschiedet.

Etwa die Hälfte der Gesetze zielt dabei auch auf die Krankenversicherungen beziehungsweise auf die staatliche Finanzierung von Infrastruktur des Gesundheitssystems, um die medizinisch indizierten Maßnahmen zu verhindern. Das heißt, dass die geschlechtsaffirmierende Behandlung in diesem Fall nicht illegal wäre, jedoch selbst bezahlt werden muss.

Auch Eltern und Ärzt*innen im Fokus

Andere Gesetze zielen auf die Eltern transgeschlechtlicher Jugendlicher oder auf die medizinischen Dienstleister*innen. In zehn Staaten soll es laut vorliegender Gesetzesentwürfe zudem möglich werden, Privatklagen gegen Versorger*innen zu erheben, die die geplanten Gesetze missachten und transgeschlechtliche Jugendliche nicht abweisen.

Insgesamt 150.000 registrierte transgeschlechtliche Jugendliche soll es laut Zählung des Williams Institute in den Vereinigten Staaten geben. Für sie ist die medizinische Transitionsunterstützung beziehungsweise die Gabe von Pubertätsblockern zur weiteren Klärung des Transitionswunsches von großer Wichtigkeit.

Und die Maßnahmen sind wissenschaftlich gut abgesichert, wie Kerith J. Conron vom Williams Institute betont: Immer mehr Forschung zeige, dass die geschlechtsaffirmierende medizinische Unterstützung "die mentale Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden transgeschlechtlicher Menschen verbessert, inklusive Jugendlicher". Maßnahmen, die transgeschlechtliche Jugendliche darin unterstützen, in ihrer Geschlechtsidentität zu leben, sind demnach "mit besserer psychischer Gesundheit assoziiert". (jk)