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Feministische Transphobie

LSVD: Alice Schwarzers Kommentare über trans Menschen sind "gefährlich"

Der größte queere Verband in Deutschland hält es für "verwerflich", dass die bekannteste Feministin des Landes über die Existenz von Transgeschlechtlichkeit streitet.


Feministin Alice Schwarzer hat sich jetzt dem Kampf gegen trans Menschen verschrieben (Bild: Manfred Werner / wikipedia)

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland hat am Dienstag in einem Statement die Feministin Alice Schwarzer für ihre transfeindlichen Äußerungen scharf kritisiert. Der LSVD halte "die Erklärungen von Alice Schwarzer zum Thema Transgeschlechtlichkeit für grundlegend falsch und unverantwortlich", heißt es darin. Anlass für die Äußerung ist das Erscheinen des von Alice Schwarzer mitherausgegebenen Sammelbandes "Transsexualität: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? – Eine Streitschrift" am Mittwoch. "Für uns ist es verwerflich, dass Alice Schwarzer ihre Bekanntheit und Reichweite nutzt, um über die Existenz von Transgeschlechtlichkeit zu streiten", erklärte der LSVD.

Schwarzer betrachtet Trans-Identität als "Mode" und macht gemeinsam mit ihrer Zeitschrift "Emma" unter anderem gezielt Stimmung gegen die trans Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer (Grüne). Ihr wird die Identität als Frau abgesprochen, außerdem wird sie von "Emma" mit ihrem abgelegten Vornamen umschrieben, was sehr beleidigend ist (queer.de berichtete). Schwarzer behauptet konkret, dass es nur verschwindend wenige trans Menschen gebe, der Rest sehe sich nach Ansicht der Feministin fälschlicherweise als trans an – und müsse damit letztes Endes offenbar bekehrt werden.

"Kein Widerspruch zwischen Trans-Anerkennung und Aufbrechen stereotyper Geschlechtervorstellungen"

Für den LSVD sind derartige Äußerungen "gefährlich, weil sie sich gegen Verbesserungen in der rechtlichen Anerkennung, der gesundheitlichen Versorgung und der gesellschaftlichen Akzeptanz von trans* Menschen richten". Das neue Buch heize zudem "eine Debatte weiter an, deren negative Auswirkungen trans* Menschen zu spüren bekommen". Viele Feminist*innen, so der LSVD weiter, lehnten Schwarzers transfeindliche Haltung ab. "Für sie wie für uns besteht kein Widerspruch zwischen der Anerkennung von trans* Menschen und dem Aufbrechen stereotyper Geschlechtervorstellungen", erklärte der Verband.

Die Debatte sei auch schädlich, weil die wenigsten Menschen in Deutschland trans Personen persönlich kennen würden. Sie könnten daher die Behauptungen nicht mit der Lebenserfahrung von trans Menschen abgleichen. Die wenigsten wüssten auch etwas über den rechtlichen Stand in Deutschland um das entwürdigende Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1981, das in weiten Teilen verfassungswidrig ist. Die Ampelregierung hat hier ein Selbstbestimmungsgesetz noch in diesem Jahr angekündigt, das von Schwarzer und der "Emma" bekämpft wird.

Transphobie ist wie Homophobie

Der LSVD beklagt, dass Schwarzer Falschbehauptungen verbreite und Vorurteile schüre, die "in keiner Weise" den Alltag und die Lebensrealität von trans Menschen widerspiegelten. Der Verband erinnert auch daran, dass Schwule und Lesben gegen ähnliche Vorurteile kämpfen mussten und müssen. "Selbstbestimmtes lesbisches und schwules Leben bedeutet in der Regel auch einen Ausbruch aus überkommenen Rollenerwartungen. Lesben und Schwule kennen die homophoben Vorurteile, keine 'richtigen' Frauen bzw. Männer zu sein. Hier haben sie biografisch oft starke Berührungspunkte mit trans- und intergeschlechtlichen Menschen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen." Es gehe dabei "um die Verwirklichung elementarer Menschenrechte wie des Rechts auf körperliche Unversehrtheit, die Achtung des Privatlebens und die persönliche Handlungsfreiheit".

Der LSVD hat in einem Artikel "9 Kritikpunkte an Alice Schwarzers gefährlichen und falschen Thesen" veröffentlicht. Darin werden die "Argumente" von Alice Schwarzer erläutert und zurückgewiesen. Beispielsweise geht es um die "Verführungsthese", die unter anderem auch bei Homosexualität angewandt wird.

Bereits zuvor hatte der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, Schwarzer für ihre transfeindliche Kampagne kritisiert (queer.de berichtete). "Trans ist ganz sicher weder ein Hype noch eine Modeerscheinung, stellte der Grünen-Politiker klar. (dk)



#1 SakanaAnonym
  • 29.03.2022, 12:25h
  • Finde ich sehr gut. dass der LSVD sich da endlich so klar gegen Alice Schwarzers "Thesen" (die sie nicht empirisch belegen kann, sondern nur "gefühlte Wahrheiten" ausspricht bzw schreibt) ausspricht und ihre "Argumentation" auch nachhaltig zerlegt.

    www.lsvd.de/de/ct/6772-alice-schwarzer-transsexualitaet

    Früher hielt ich noch was von ihr, aber seit ihrem TERF-Turn kann sie mir wahrlich gestohlen bleiben mit ihrem sekkierenden Gewäsch.
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#2 MaybemeAnonym
  • 29.03.2022, 12:46h
  • Ja, sie hat recht, es gibt verschwindet wenig trans Menschen. Vermutlich unter 1% der Bevölkerung.

    Genau ein guter Grund uns eben nicht anzugreifen.
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#3 Ehrliche HautAnonym
  • 29.03.2022, 12:48h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Schon vor über zwanzig Jahren habe ich einmal ein Interview im Fernsehen mit ihr gesehen, in dem sie, angesprochen auf ihr verspätetes Outing als Lesbe, triumphierend erklärte, dass man sich schließlich als selbstbewusste Feministin dafür entscheiden könne als Lesbe zu leben und sie daher aus Erkenntnis diesen Weg für sich gewählt habe.
    Für war diese Aussage das Ende jeglicher Kompetenz, die ich Frau Schwarzer je zugeschrieben habe.
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#4 Grete WurmAnonym
  • 29.03.2022, 12:59h
  • Antwort auf #3 von Ehrliche Haut
  • Pfff, die ach so starke Alice war doch die größte Schrankschwester ihrer Zeit. Hat ein ewiges Geheimnis darum gemacht. Selbst hier in Köln in der Nachbardchaft war sie tunlichst auf Geheimhaltung bedacht, als ihre Lover:innen angeknattert kamen.
    Emanzipation ist bei Madamski wirklich ein sehr sehr schmaler Grad und bezieht sich im Wesentlichen auf die Umwelt und nicht den eigenen Zinken.
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#5 Ehrliche HautAnonym
#6 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 29.03.2022, 13:28h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Also bei Männern gibt es ja das Phänomen, dass sie in ihrer Bedeutung und der Aufmerksamkeit dafür schwelgen, wenn sie in der ersten Hälfte ihres Lebens etwas Bedeutendes geleistet haben. Wenn diese Bedeutung dann mit den Jahren schwindet und der Glanz verblasst, dann fangen sie an Bedeutungschwanger zu werden und sich zu allen möglichen Dingen Bedeutungschwanger zu äußern.
    Und einige Frauen scheinen dieses Verhalten unbedingt kopieren zu wollen.
    Da scheint Alice Schwarzer dann doch eher ins männliche Rollenbild zu passen.
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#7 KaiJAnonym
  • 29.03.2022, 14:12h
  • Alice Schwarzer greift Menschen in ihrer Existenz an. Sie schafft damit eine Bedrohungssituation. Es geht da nicht nur um die Behinderung einer rechtlichen Anerkennung, sondern um die Schaffung einer Gefährdungssituation. Dagegen sind alle rechtlichen Mittel einzusetzen. Ein Eingehen auf sie mittels einer Diskussion würde der Infragestellung der Existenz von Menschen breiteren Raum geben. Diese Infragestellung ist gleich, vor einer Diskussion überhaupt, mit allen rechtlichen Mitteln zu bekämpfen.
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#8 AyidaProfil
  • 29.03.2022, 14:56hHessen
  • Antwort auf #3 von Ehrliche Haut
  • In ihrer Biografie hat sie sich als bisexuell geoutet, früher wurde sie wahrscheinlich als Lesbe angesehen, da Bisexualität noch nicht so "bekannt" war und sie hat dem nicht widersprochen. Zum Glück hat sie sich meines Wissen nicht großartig als Homo und Bisexuellen Aktivistin hervorgetan, wir "verlieren" keine LGBTQ Aktivistin, zumal selbst ihre feministischen Ansichten (Pornos, Prostitution, BDSM) unnötig sind.
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#9 elimAnonym
  • 29.03.2022, 15:16h
  • Eigentlich schon irre. Mit ein bisschen logischem Denken müsste man doch sehen, daß Trans* und Interpersonen mit ihren Erfahrungen, wie sich das Verhalten der Umgebung verändert je nachdem ob man/frau grade männlich oder weiblich (oder, nichtexistentes höheres Wesen bewahre, uneindeutig) gelesen wird eigentlich die natürlichen Verbündeten des Feminismus sind.
    Wenn Verblendung doch nur weh tun würde....
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#10 MinuschAnonym
  • 29.03.2022, 17:25h
  • Antwort auf #9 von elim
  • Zum Glück sehen das ja auch die meisten Feminist*innen so bzw. gibt es ja auch genügend feministische trans und nicht-binäre Personen, die sich da einbringen.

    Leider ist es aber in der deutschen Medienlandschaft scheinbar immer noch so, dass Frau Schwarzer als Die Feministin gilt.
    Damit erhält sie eine Medienpräsenz und Bekanntheit, die gar nicht mehr zum Verständnis und Selbstbild eines zeitgemäßen Feminismus passt.
    Damit schadet sie ja nicht nur den Personen hinter ihren Feindbildern, sondern auch dem Feminismus an sich, der dadurch mit Transfeindlichkeit, Rassismus, Islamophobie, Hurenfeindlichkeit in Verbindung gebracht wird.

    Es wäre schön und auch notwendig, zeitgemäßeren Feminist*innen eine größere Bühne zu bieten.

    Da müsste auch erstmal seitens der Medien mehr Bewegung reinkommen, damit ein Umdenken stattfinden kann.
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