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"Lesbische Frauen bleiben auf der Strecke"

Alice Schwarzers Co-Herausgeberin verlässt LSVD

Im Streit um Trans-Rechte verkündet "Emma"-Redakteurin Chantal Louis ihren Austritt aus dem Lesben- und Schwulenverband, weil dieser aus "IdeologInnen" bestehe.


Chantal Louis (li.) und Alice Schwarzer werben in der ARD für ihr Buch "Transsexualität: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? – Eine Streitschrift", das von LGBTI-Aktivist*innen als transphob kritisiert wird (Bild: Screenshot Das Erste)

Die "Emma" legt im Streit um die Anerkennung von trans Menschen noch einen drauf: Redakteurin Chantal Louis erklärt in der feministischen Zeitschrift ihren Austritt aus dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland und bezichtigt den Verband, ideologisch zu handeln und lesbische Frauen zu gefährden. Louis erklärte, sie sei 20 Jahre lang LSVD-Mitglied gewesen.

Twitter / lsvd | Der LSVD setzt sich bereits seit längerem für Trans-Rechte ein
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Louis ist neben "Emma"-Gründerin Alice Schwarzer die Co-Herausgeberin des am Mittwoch erschienenden Buchs "Transsexualität: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? – Eine Streitschrift". Für das Buch warben die "Emma" und Schwarzer in teils aggressivem Ton. Schwarzer sprach etwa laut dpa von einer "Trans-Mode" und behauptete, dass es nur verschwindend wenige trans Menschen gebe; der Rest sehe sich nach Ansicht der Feministin fälschlicherweise als trans an – und müsse damit letztes Endes offenbar bekehrt werden. Der LSVD erklärte, diese Äußerungen seien "grundlegend falsch und unverantwortlich" (queer.de berichtete).

Abschied vom LSVD. EMMA Redakteurin Chantal Louis war über 20 Jahre Mitglied im ?Lesben- und Schwulen Verband...

Posted by EMMA on Tuesday, March 29, 2022
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Auf diese LSVD-Kritik reagierte Louis in einem am Dienstagabend veröffentlichten "Abschiedsbrief" mit den Worten: "Was ihr behauptet, ist 'grundlegend falsch' und 'unverantwortlich', weil ihr IdeologInnen seid, die ihr Ding durchziehen wollen. Dass gerade lesbische Mädchen und Frauen dabei auf der Strecke bleiben, ist euch egal."

In dem "Emma"-Artikel behauptete sie unter anderem, dass junge Lesben angeblich zur Transsexualität getrieben würden, um nicht homosexuell zu sein ("Wie kommt es überhaupt, dass ich ausgerechnet von einem Verband, der sich für die Rechte von Lesben einsetzen sollte, nichts höre darüber, dass gerade junge Mädchen, die sich in Mädchen verlieben, Gefahr laufen, dem 'Ich-stecke-im-falschen-Körper-und-war-schon-immer-ein-Junge'-Narrativ zu glauben, das im Internet massenhaft verbreitet wird."). Diesen Vorwurf – wie auch andere – wies der LSVD bereits zuvor im Artikel "9 Kritikpunkte an Alice Schwarzers gefährlichen und falschen Thesen zu 'Transsexualität'" zurück.

"Die transfeindlichen Bemerkungen von Schwarzer sind unhaltbar"

Auch aus der Bundesregierung gibt es Kritik an den transfeindlichen Feministinnen. Bereits vor wenigen Tagen erklärte etwa der Queerbeauftragte Sven Lehmann (Grüne), dass Trans-Sein "weder ein Hype noch eine Modeerscheinung" sei (queer.de berichtete).

Jürgen Lenders, der LSBTI-Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, ergänzte am Mittwoch: "Wer wie Alice Schwarzer Transgeschlechtlichkeit als ein neues 'Massenphänomen' und 'Trans-Mode' betitelt, spricht den Menschen das Gefühl für sich selbst und ihre Selbstbestimmung ab. Sie zeichnet unnötige Schreckensbilder und sorgt damit für Verunsicherung, gerade bei trans*Jugendlichen." Noch vor der parlamentarischen Sommerpause würden Justiz- und Familienministerium einen Referentenentwurf für ein Selbstbestimmungsgesetz vorlegen. "Die transfeindlichen Bemerkungen von Schwarzer sind unhaltbar und zeigen, wie wichtig der morgige Tag der Trans-Sichtbarkeit ist", so Lenders.


Jürgen Lenders ist seit Dezember Sprecher für Queerpolitik der FDP-Bundestagsfraktion (Bild: krisphotography.de)

Auch der Bundesverband Trans* warnt vor dem neuen Buch von Schwarzer und Louis: "Das Buch versammelt ausschließlich Beiträge, in denen trans*feindliche Vorstellungen vertreten werden. Einzelmeinungen, die als wissenschaftlich überholt gelten, werden nicht als solche eingeordnet, sondern als Stand der Wissenschaft dargestellt", erklärte der Verband. "Viele der im Buch eingenommenen Positionen wiederholen trans*feindliche Annahmen, die auch in christlich-fundamentalistischen, rechtskonservativen und rechtsradikalen Kreisen geäußert werden. Durch die Veröffentlichung mischt sich Schwarzer in die Debatte um die Anerkennung von trans* Personen ein und fordert den gesellschaftlichen Fortschritt der vergangenen Jahre zurückdrehen und die Diskriminierung von trans* Personen mindestens beizubehalten, wenn nicht gar zu verstärken." (dk)

Direktlink | Im ARD-Sendung "ttt" verteidigen Schwarzer und Louis ihre transfeindliche Haltung
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#1 SakanaAnonym
  • 30.03.2022, 11:54h
  • Für die "Emma" scheint wohl zu gelten: Hast Du erst ein Loch gegraben, so vergesse nicht, noch tiefer zu graben, bis du ganz tief im Loche dich befindest.

    Der TERF-Turn ist ja wirklich kaum noch auszuhalten. Feminismus ist eine inklusive und keine exklusive Angelegenheit.
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#2 KopfschüttelAnonym
  • 30.03.2022, 13:28h
  • " der Rest sehe sich nach Ansicht der Feministin fälschlicherweise als trans an und müsse damit letztes Endes bekehrt werden."

    Das ist schon eine sehr erstaunliche Aussage für ein Verein, der sich angeblich auch für lesbische Rechte eingesetzt haben soll. Obwohl... lesbische RECHTE gibt es ja... Auch im Bundestag zeigen diese keinen Einsatz um Rechte FÜR Lesben.
    Das ist schon eine sehr grenzwertige Formulierung, schließlich sollten sich Lesben einst ja auch "bekehren lassen". Die hatten einfach noch nicht den richtigen getroffen. Ist denen klar, welche Wortwahl sie getroffen haben?
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#3 MaybemeAnonym
  • 30.03.2022, 13:37h
  • Woher kommt eigentlich die Annahme, dass jemand lieber trans als lesbisch ist? (oder auch schwul?)

    Trans erlebt mehr Diskriminierung, trans ist der weit aus härtere Weg

    (Ich bin aber bislang auch nur schwulen trans Männern begegnet)
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#4 VestigeAnonym
  • 30.03.2022, 13:49h
  • Antwort auf #3 von Maybeme
  • Aus der Psychomedizin. Du siehst das in den statements des LSVD: Schwarzer/Louis beziehen sich auf den Jugendpsychiater Korte.

    Das nahm seinen Anfang mit 'Psychopathia Sexualis' von Krafft-Ebing 1886. Tatsächlich wurden auch schwule cis Männer infolge sexualwissenschaftlicher und psychomedizinischer Lehrmeinungen noch bis lange ins 20. Jh. hinein als 'Invertierte' bezeichnet, wobei 'invertieren' 'umdrehen, umkehren' bedeutet.

    So kommt es auch, daß trans Frauen von deutschen Behördern - Fall Jamila, queer de berichtete - als 'in Wirklichkeit' schwule Männer eingestuft werden.

    Bittesehr.
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#5 PhoebeEulenbaerAnonym
  • 30.03.2022, 14:18h
  • Antwort auf #3 von Maybeme
  • Ja, diese Annahme entbehrt jeder Grundlage.
    Man muss nur mal bedenken, dass es Eltern gibt, die sich wünschen würden ihr Kind hätte lieber Krebs als das es transgeschlechtlich ist. Das wäre ja leichter zu verkraften.
    Das muss man sich mal bewusst machen, eine sehr tödliche Krankheit, die jahrelang das ganze Leben bestimmt, soll weniger schlimm sein als Transgeschlechtlichkeit?
    Was geht im Kopf solcher Menschen vor sich? Wie kann man so etwas denken und sagen?
    Mir fehlt da jedes Verständnis.

    Jedenfalls machen solche schrecklichen Aussagen die Annahme es wäre leichter transgeschlechtlich zu sein als homosexuell komplett lächerlich und absurd.

    Ausserdem lässt diese Annahme die Tatsache komplett unter den Tisch fallen, dass sehr viele transgeschlechtliche Menschen homosexuell sind.
    Aber das wird ignoriert, weil es nicht ins Narrativ passt.
    Nein, schlimmer noch, als transgeschlechtliche Frau kannst du natürlich gar nicht lesbisch sein, sondern bist eine kriminelle Sexualstraftäterin.

    Es wird sich halt alles immer so hingedreht wie es gerade passt, um den eigenen Hass zu begründen. Widersprüche spielen dabei keine Rolle.
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#6 VestigeAnonym
  • 30.03.2022, 14:46h
  • Antwort auf #5 von PhoebeEulenbaer
  • Da hast du komplett recht.

    Es ist ganz hilfreich, sich damit auszukennen, was Sexualwissenschaft und Psychomedizin seit ca. Mitte des 19. Jh's in Sachen 'Sexualität' und 'Geschlecht' gelehrt haben. Aber ich schreib' jetzt nicht mal eben 3 - 5 Bände ...

    More important: immer mehr Leuten fällt auf, daß unfundierte und realitätsferne Angst- und Horrorszenarien aus der Homo- und Bisexuellenverfolgung ...

    (die sich selten explizit gegen bisexuelle cis Personen gerichtet, sie aber sehr wohl getroffen hat!)

    ...jetzt gegen trans Personen eingesetzt werden. Diese Leute haben recht und sind auf einer wichtigen Spur. Aus einer Reihe von Gründen, ich nenne nur einen:

    Es wird immer offensichtlicher, daß der trans Haß nur der rechte Keil ist, dem dann Homo- und Bisexuellenfeindlichkeit wieder folgen - siehe auf queer de 'don't say gay'.
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#7 StaffelbergblickAnonym
  • 30.03.2022, 16:18h
  • Bei dieser Diskussion fällt mir immer wieder eine uralte Aussage ein. In einer Diskussionsrunde irgendwann in den 80ern in der damaligen AHA Berlin. Von lesbischen Frauen dieser Satz: "Auch Schwule haben zu viel Schwanz". Das war aus meinem damaligen Empfinden heraus eine Erkenntnisse .. auch Schwule werden "nur" als strunznormale Männer gesehen. Geht es im Grunde um einen "Schwanz" gegen "Mösen"-Krieg????
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#8 StreitbarAnonym
  • 30.03.2022, 16:38h
  • Was mich stört: diese beiden Damen beziehen ihre Kritik ja immer nur auf Mädchen bzw. Frauen. Dass diese doch einfach Junge sein können, ohne sich gleich operieren zu lassen. Man müsse doch nicht dem gängigen Klischee entsprechen. Bla bla bla.
    Genauso wird Tessa von ihnen gedisst, weil sie einer CIS-Frau ja den Platz wegnehmen würde.
    Es geht immer nur darum, dass es weniger Frauen gibt oder Frauen zu kurz kommen.
    Mit diesem sehr niederen Motiv unter dem Deckmäntelchen Feminismus macht man sich doch komplett unglaubwürdig und gibt dem ganzen fast schon einen R-Gedanken in anderer Form aus dem 3. Reich.
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#9 tchantchesProfil
  • 30.03.2022, 16:58hSonstwo
  • Gefickt eingeschädelt. Man stelle sich nur vor, die müssten die ganze PR bezahlen, die sie jetzt für ihr Buch kriegen.
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#10 BritzelAnonym
  • 30.03.2022, 17:11h
  • Im Grunde genommen reduzieren diese Personen Frauen rein auf ihre F**** ...

    Mir ist ehrlich gesagt neu, dass irgendwer irgendwie verpflichtet sei, eine gewisse Anzahl, Anordnung oder das Vorhandensein von Organen und/oder Genitalien vorzuweisen.

    Einerseits pochen sie darauf, dass Frauen selbst über ihre Sexualität und Reproduktion etc entscheiden sollen, und dem stimme ich auch zu.

    Du musst keine Kinder austragen wollen, aber sollst doch dann bitte schön zumindest hypothetisch in der Lage dazu sein?!

    Was ein Nonsense...
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