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Katholische Kirche
Auch Bistum Mainz wird "queersensibel"
Nach dem Bistum Paderborn will auch Mainz mit einer queersensiblen Pastoral auf LGBTI zugehen. Bischof Peter Kohlgraf hatte allerdings kürzlich noch das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben verteidigt.

Bischof Peter Kohlgraf (li.) stellt sein queersensibles Pastoral mit Hochschulseelsorgerin Christine Schardt und Jugendseelsorger Mathias Berger vor (Bild: Bistum Mainz / Hoffmann)
- 30. März 2022, 11:56h 3 Min.
Peter Kohlgraf, seit 2017 katholischer Bischof von Mainz, hat am Dienstag bekanntgegeben, dass er Hochschulseelsorgerin Christine Schardt sowie den Jugendseelsorger Mathias Berger zu Beauftragten für eine sogenannte queersensible Pastoral ernannt habe. Der Begriff Pastoral umschreibt die gesamte seelsorgerliche Arbeit in der Kirche.
Zu den Aufgaben, die das Duo ab Freitag übernehmen soll, zählen Seelsorgeangebote wie Segensfeiern und spirituelle Angebote, Aus- und Fortbildungen zum Thema "Stärkung der Sensibilität für sexuelle Vielfalt", Öffentlichkeitsarbeit, und die Vernetzung mit weiteren Gruppen und Organisationen. Ein Gottesdienst für die Beauftragung sei geplant, der genaue Termin stehe aber noch nicht fest.
"In vielen Gesprächen der letzten Jahre ist mir deutlich geworden, wie sich Menschen in einer nicht heterosexuellen Orientierung durch die Kirche, ihre Lehre und das konkrete Verhalten ausgegrenzt und verletzt fühlen", erklärte Bischof Kohlgraf. Durch die persönliche Begegnung habe sich in seiner Einschätzung manches verändert. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass betroffene Menschen auf mich zugekommen sind und das Gespräch gesucht haben", betonte der 55-Jährige. Freilich wünsche er sich auch, "dass sich alle unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Verantwortung sehen, den betroffenen Menschen eine Kultur des Willkommens zu eröffnen".
Kirche soll "ein Ort gelebter Vielfalt" werden
Pastoralreferentin Christine Schardt ist Seelsorgerin, Dozentin an den Mainzer Hochschulen und Vorsitzende der Konferenz für Katholische Hochschulpastoral in Deutschland (KHP). Sie erklärte, sie wolle beitragen, "dass Kirche ein Ort gelebter Vielfalt von Menschen wird". Es sei wichtig, "ein deutlich sichtbares Zeichen zu setzen, damit sich wirklich alle Menschen willkommen fühlen können und kirchliche Räume als 'Save Spaces', Orte der Toleranz und des gegenseitigen Respektes und der Selbstentfaltung wahrgenommen und erlebt werden können" betonte sie.
Diözesanjugendseelsorger Mathias Berger ist seit neun Jahren geistlicher Leiter des Dachverbandes der katholischen Jugendverbände (BDKJ). Der Pfarrer betonte, dass sich die Lebenswirklichkeit queerer Menschen "auch in der Öffentlichkeit des Bistums niederschlagen" solle. "Die Normalität und Unbefangenheit, mit der dort schon lang queere Jugendliche und junge Erwachsene Teil des Ganzen sind wünsche ich mir für die gesamte Kirche", so Berger.
Bereits vor wenigen Monaten hatte das Bistum Paderborn ebenfalls eine queersensible Pastoral eingeführt (queer.de berichtete).
Bischof Kohlgraf gilt als relativ liberal, hat aber in der Vergangenheit festgestellt, dass die Kirche am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben auf jeden Fall festhalten müsse. "Die Ehe in der katholischen Kirche ist nunmal definiert als Gemeinschaft von Mann und Frau, mit der Offenheit für Nachkommenschaft", so Kohlgraf im Jahr 2020 (queer.de berichtete). Wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürften, ginge das "an den Markenkern der katholischen Anthropologie". (dk)















