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Sorge wegen transphober Kampagne

Tag der Transsichtbarkeit: "Wir sind Teil der Gesellschaft"

Auch in Deutschland wird am International Transgender Day of Visibility dazu aufgerufen, Trans-Rechte zu verwirklichen – gerade bei transphoben Gegenwind von Feministinnen und der AfD sei Sichtbarkeit wichtig.


Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (3.v.l.) hat Berliner Behörden eine Ausnahemgenehmigung erteilt, damit sie am 31. März die Trans-Fahne hissen können (Bild: Twitter / Senatsverwaltung Inneres, Digitalisierung & Sport)

Zum Internationalen Tag der Transsichtbarkeit werben LGBTI-Aktivist*innen und Politiker*innen auch dieses Jahr für mehr Akzeptanz von trans Menschen, auch innerhalb der queeren Community. Dabei wird insbesondere die von Feministin Alice Schwarzer und der Frauenzeitschrift "Emma" Anfang des Jahres gestartete Kampagne gegen trans Menschen kritisiert. Die Feministinnen machen Stimmung gegen die Reform des Transsexuellenrechts, das die Ampelkoalition noch dieses Jahr mit einem sogenannten Selbstbestimmungsgesetz umsetzen will (queer.de berichtete).

Twitter / lsvd | Der Lesben- und Schwulenverband fordert, Selbstbestimmung für trans Menschen durchzusetzen
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Die Arbeitsgemeinschaft SPDqueer teilte etwa in einer Erklärung zum Sichtbarkeitstag mit, sie betrachte "mit großer Sorge, dass trans* Menschen – insbesondere trans* Frauen – sogar innerhalb der LGBTIQ*-Community teils massive Ablehnung und Ausgrenzung erfahren", so der Parteiverband. "Trans*feindliche Äußerungen einiger Frauen- oder 'LGB'-Verbände schüren Ressentiments und tragen wesentlich zur Stigmatisierung von trans* Menschen bei. Gerade das geplante und menschenrechtlich längst überfällige Selbstbestimmungsgesetz führt zu kontroversen, vorurteilsaufgeladenen Debatten zwischen Befürworter*innen und Gegner*innen."

"Wir sind guter Hoffnung, dass wir in Zukunft als selbstverständlich angesehen werden"

Auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) rufen in mehreren Mitteilungen dazu auf, die Sichtbarkeit von trans Menschen zu erhöhen – das innerparteilich umstrittene Selbstbestimmungsgesetz spricht die Parteiorganisation dabei aber nicht direkt an. Laura Patricia Kasprowski, ein Landesvorstandsmitglied der NRW-LSU, erklärte etwa: "Wir sind Teil der Gesellschaft, wir verdienen Gleichberechtigung und wir sind guter Hoffnung, dass wir in Zukunft als selbstverständlich angesehen werden."

Miriam Kempte aus dem LSU-Bundesvorstand ergänzte, es gebe heute "leider noch viel Diskriminierung, Beleidigungen und Gewalt, die oft aus fehlendem Wissen und Berührungsängsten entstehen".

?Wir sind da. Wir nehmen weder Menschen etwas weg, noch sind wir eine Gefahr für Menschen. Redet mit uns, anstatt über...

Posted by LSU Bundesverband on Thursday, March 31, 2022
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Deutlich äußerte sich die Grünenpolitikerin Tessa Ganserer, eine der ersten beiden trans Abgeordneten im Bundestag. Sie wurde in den letzten Wochen Opfer von transfeindlichen Angriffen aus der AfD und der Frauenzeitschrift "Emma", die der trans Frau unisono das Recht auf ihre Geschlechtsidentität absprachen. Die 44-Jährige will sich das nicht gefallen lassen: "Anderen Menschen ihre Geschlechtszugehörigkeit & damit ihre grundgesetzlich geschützten Menschenrechte in Abrede zu stellen, ist nichts, worüber wir debattieren oder was wir akzeptieren können, denn es ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit", so Ganserer auf Twitter.

Twitter / GansGruen
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Jürgen Lenders, der LSBTI-politische Sprecher der FDP-Bundestagfraktion, erklärte, es sei Aufgabe liberaler Politik, "die Grundlagen für eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch freiheitlich leben kann und sein kann, wie er ist". Dabei sei noch viel zu tun: "Es gibt leider immer noch viele Vorurteile, Hass und Gewalt gegen trans*Personen. Die FDP-Bundestagsfraktion möchte, dass geschlechtliche Vielfalt sichtbarer wird. Vorurteile und Klischees gegenüber trans*Personen gilt es zu hinterfragen und abzubauen", so Lenders. "Über die geschlechtliche Identität eines Menschen kann niemand besser urteilen als dieser Mensch selbst."

In mehreren Regionen wehen anlässlich des Sichtbarkeitstages Trans-Fahnen. So erlaubte die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) vergangene Woche die Beflaggung der Behörden mit dem blau-pink-weißen Trans-Banner (queer.de berichtete).

Unterdessen wurde in Stuttgart anlässlich des Tages erstmals der Waltraud-Schiffels-Preis der gleichnamigen kürzlich von der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung gegründeten Stiftung für Trans-Empowerment verliehen. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis geht dieses Jahr an die Praxisgruppe "Klassismus und trans*inter*nicht-binär" aus Leipzig.

Der "International Transgender Day of Visibility" wurde 2009 von trans Aktivistin Rachel Crandall-Crocker ins Leben gerufen, einer Psychotherapeutin aus dem US-Bundesstaat Michigan. Sie erklärte damals, der Tag sei notwendig, da viele Menschen keine trans Personen kannten und erst für Probleme dieser Bevölkerungsgruppe sensibilisiert werden müssten. Den 31. März wählte sie aus, um nicht mit anderen Tagen wie dem Gedenktag für die Opfer von Transfeindlichkeit (20. November) oder dem Pride-Monat Juni in Konflikt zu kommen. Der Sichtbarkeitstag setzte im letzten Jahrzehnt einen Siegeszug um die Welt an und wird nun in Dutzenden Ländern begangen.

Das Weiße Haus erkannte den 31. März als Tag der Trans-Sichtbarkeit vergangenes Jahr erstmals offiziell an. Der frisch gewählte US-Präsident Joe Biden teilte damals mit: "Ich rufe alle Amerikaner auf, sich den Kampf für die Gleichbehandlung aller trans Menschen anzuschließen."



#1 KaiJAnonym
  • 03.04.2022, 18:50h
  • Ich sehe gerade ein noch ungelesenes Interview aus der wohl Giftküche mit Alice Schwarzer zu ihrem Buch in der heutigen "Welt am Sonntag kompakt", das zur Sezierung vielleicht in die Presseschau sollte.
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