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Vor Fußball-WM
Lesbische Fußballverbandschefin kritisiert Homophobie in Katar
Die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness widerspricht den Beschwichtungen von FIFA-Chef Gianni Infantino. Der katarische WM-Organisationschef ist irritiert.

Lise Klaveness gehörte nach dem Jahrtausendwechsel zu den besten Fußballerinnen Norwegens und ist jetzt erste weibliche Chefin des norwegischen Fußballverbandes (Bild: Instagram / Lise Klaveness)
- 31. März 2022, 13:43h - 2 Min.
Lisa Klaveness, seit Anfang März Chefin des norwegischen Fußballverbands NFF, hat den Kongress des Fußball-Weltverbandes FIFA eindringlich zu Veränderungen im Umgang mit Menschenrechten und Diversität aufgefordert. "Die FIFA muss als Vorbild agieren", sagte die 40-Jährige. während der Vollversammlung am Donnerstag in Doha. Jeder Mensch müsse "mit demselben Respekt" behandelt werden. Die WM 2022 in Katar sei im Jahr 2010 unter "inakzeptablen Umständen und mit inakzeptablen Konsequenzen" an das Emirat vergeben worden. Der WM-Gastgeber steht seit Jahren wegen der Menschenrechtslage und den Bedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik.
"Die FIFA hat diese Dinge angesprochen, aber es ist noch ein langer Weg", sagte Klaveness, in deren Verband im vergangenen Jahr über einen Boykott der WM diskutiert worden war. "Die FIFA muss alle Maßnahmen ergreifen, um Veränderungen herbeizuführen." Klaveness nannte die Rechte der LGBT+-Community als Beispiel.
Klaveness spielte zwischen 2002 und 2011 insgesamt 73 Mal für das norwegische Nationalteam. Ihr größter internationaler Erfolg war der zweite Platz bei der Europameisterschaft 2005 – die Norwegerinnen unterlagen damals dem deutschen Team im Finale mit 1:3. Später war sie als Fußballkommentatorin für das norwegische Fernsehen tätig, bevor sie am 6. März als erste Frau zur Chefin des norwegischen Fußballverbandes gewählt wurde. Privat ist sie seit Jahren mit Fußballerkollegin Ingrid Camilla Fosse Sæthre liiert, mit der sie drei Kinder großzieht.
WM-Organisationschef: Klaveness habe "nicht versucht, Dialog zu starten"
Der WM-Organisationschef Hassan Al-Thawadi reagierte verstimmt. "Frau Präsidentin kommt in unser Land und hat nicht versucht, uns zu kontaktieren und hat nicht versucht, einen Dialog zu starten", sagte er. Er verwies darauf, dass internationale Organisationen wie Gewerkschaften Fortschritte attestiert hatten. "Wir waren immer offen für einen Dialog. Es geht um Diskussionen. Wir haben immer offene Türen gepflegt, die Türen sind offen für alle, bevor sie ein Urteil fällen."
Erst vor wenigen Tagen hatte Amnesty International erklärt, dass queere Menschen in Katar noch immer diskriminiert werden würden (queer.de berichtete). Auf Homosexualität steht in Katar eine bis zu siebenjährige Gefängnisstrafe, nach islamischem Recht ist sogar die Verhängung der Todesstrafe möglich. FIFA-Chef Gianni Infantino spielte die Gefahr am Dienstag jedoch herunter und erklärte, LGBT seien im Land "willkommen" (queer.de berichtete). (dpa/dk)















