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Kinotipp
Mit dem hübschen Fremden von Bari nach Bayern
Nach einem Schicksalsschlag fährt der junge Grieche Victoras nach Deutschland und nimmt den frechen Mathias mit: "Sprung ins kalte Wasser" ist ein sommerliches Roadmovie, das die richtigen Fragen offenlässt.

Mathias (Anton Weil) und Victoras (Vasilis Magouliotis) kommen sich beim gemeinsamen Baden näher (Bild: Salzgeber)
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1. April 2022, 06:42h 3 Min.
Beim letzten Besuch flackerte die Neonröhre in dem kahlen, kühlen Krankenhauszimmer wenigstens noch. Als Victoras, Anfang 20, seine Großmutter dann wieder besuchen möchte, ist die Lampe erloschen, das Bett leer. Es muss eine besondere Beziehung gewesen sein, die die beiden miteinander hatten. Denn der Tod lässt den jungen Griechen mit dem uralten Audi 80 seiner Mutter losfahren, eine Reise ins Ungewisse.
Auf der Fähre ins süditalienische Bari lernt er einen jungen Mann kennen, Mathias. Wobei, eigentlich lernt Mathias ihn kennen. Der in sich gekehrte Victoras hat nämlich gar keine Lust auf den Deutschen, der im Café ein Sandwich klaut, sich von Anfang an wichtig macht. Doch Mathias bleibt aufdringlich und hartnäckig, löchert sein Gegenüber mit Fragen. Victoras entkommt seiner Neugierde, versteckt sich an Land sogar noch vor ihm. Doch irgendein Impuls in ihm ist es, dass er den Deutschen doch mitnimmt.
Victoras ist lange von Mathias genervt
Los geht ihre gemeinsame Reise, die nur ein grobes Ziel hat: Deutschland, wo die Mutter lebt. Den alten Wagen hatte sie in der Heimat gelassen, sich dann ein neues Leben mit neuem Mann in Bayern aufgebaut. Irgendwas ist zwischen ihr und dem Sohn vorgefallen, das wird ganz bald deutlich. Doch was genau, bleibt offen.

Zwei ungleiche Gefährten auf einer Reise durch Europa (Bild: Salzgeber)
Wie überhaupt ganz viel im Roadmovie "Sprung ins kalte Wasser" nicht auserzählt wird. Warum arbeitet Victoras heute in einer Möbelfabrik, wo er doch als Turmspringer Medaillen gewann? Findet Mathias Victoras von Anfang an interessant? Und was genau will Victoras mit der Fahrt erreichen? Wie angenehm, dass Stelios Kammitsis, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, all das nur andeutet. Er lässt sein Publikum mitdenken und spekulieren.
Mathias (Anton Weil) und Victoras (Vasilis Magouliotis) sind ungleiche Gefährten. Der Deutsche weiß alles besser und meint, sein Gegenüber sofort durchschaut zu haben. Victoras solle sich mal was trauen, befindet er, und haut dazu einen seiner Kalendersprüche raus. Victoras ist zurecht ziemlich genervt davon. Er ist unsicher, sympathisch melancholisch und strahlt aus, dass er eigentlich in Ruhe gelassen werden will. Was Mathias natürlich total egal ist. Diese Konstellation hat dramaturgisch wenig Überraschendes zu bieten, aber sie funktioniert.
Beim Baden knistert es zum ersten Mal
Die zwei gewöhnen sich nur langsam aneinander, immer wieder gibt's Streit und Diskussionen. Aber auch schöne Momente, etwa als Mathias die zwei zu einem See im Wald führt, in dem körperlich zum ersten Mal eine Anspannung spürbar ist. Wenig später gipfelt die Anziehung nachts im Hotelzimmer. Doch auch hier gilt: Die Szene ist angenehm gestaltet und hübsch gefilmt, doch ein Feuerwerk wird hier nicht gezündet. Das würde aber wahrscheinlich auch nicht zum introvertierten Victoras passen.
Und so ist "Sprung ins kalte Wasser" trotz seiner kurzen Dauer von 80 Minuten ein ausgeruhtes, sommerliches Roadmovie. Auf dem Weg einmal durch Italien lernen sich die zwei Figuren neu kennen – und alleine schon die Landschaften machen den Film sehenswert. Eine Reise von Süd nach Nord, und ganz tief zu sich selbst.
Im April 2022 ist "Sprung ins kalte Wasser" in der queerfilmnacht zu sehen.
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Sprung ins kalte Wasser. Spielfilm. Zypern, Griechenland, Italien 2021. Regie: Stelios Kammitsis. Darsteller*innen: Vasilis Magouliotis, Anton Weil, Stela Fyrogeni, Marc Pistono, Chiara Ore Visca. Laufzeit: 80 Minuten. Sprache: englisch-griechisch-deutsch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. FSK 6. Verleih: Salzgeber. Im April 2022 in der queerfilmnacht
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