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Neuer Job

Jörg Litwinschuh-Barthel wirbt ab sofort für die "Reerdigung"

Statt der Enttabuisierung der Homosexualitäten widmet sich der ehemalige Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld seit 1. April der Enttabuisierung von Tod und Bestattung.


Jörg Litwinschuh-Barthel hat ein neues Aufgabenfeld

  • 2. April 2022, 04:17h 22 2 Min.

Der frühere Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Jörg Litwinschuh-Barthel heuert beim Berliner Startup Circulum Vitae an, das mit der Marke "Meine Erde" eine neuartige Form der Bestattung in Europa etablieren will. Dort verantwortet er seit 1. April als Senior Manager Public Affairs die Politikkontakt- und strategische Medienarbeit.

Der Medienwissenschaftler Litwinschuh gilt als Medienprofi und ausgebuffter Lobbyist, wenn es zum Beispiel um Gesetzes- und gesellschaftliche Änderungen geht. Er ist bestens bundesweit in Politik, Kirchen und Verbänden vernetzt und Mitglied der Synode des Ev. Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte. 2011 war Litwinschuh-Barthel von der damaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zum ersten Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld berufen wurden (queer.de berichtete). In seiner zehnjährigen Amtszeit etablierte er sie als wichtige queere Institution (queer.de berichtete).

Für Insider*innen kommt der Branchenwechsel nicht überraschend: Litwinschuh-Barthel interessiert sich seit Jahren für Friedhofsmarketing und ist mit Deutschlands "Friedhofspapst" Torsten Barthel verheiratet – Professor für Verwaltungsrecht an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Hannover und Berliner Fachanwalt und Buchautor für Friedhofs- und Bestattungsrecht.

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Klimaneutral bestatten

Die "Reerdigung" von "Meine Erde" versteht sich als klimafreundliche Alternative zu den bisher bekannten Erd- und Feuerbestattungen. Hierbei wird der Leichnam in einen wiederverwendbaren sargähnlichen Kokon gebettet, in dem sich der Körper mithilfe moderner Technologien innerhalb von nur 40 Tagen komplett zu Humus verwandelt. Im Vergleich zu Feuerbestattungen soll eine "Reerdigung" rund eine Tonne CO2 einsparen.


In diesem Kokon aus Edelstahl werden Verstorbene in 40 Tagen vollständig zu Humus verwandelt (Bild: Meine Erde / Felix Müller)

"Wir freuen uns riesig, dass Jörg uns beim bundesweiten Launch und einer raschen Expansion unterstützt: Seine Begeisterungsfähigkeit und sein breiter Erfahrungsschatz werden uns helfen, die Marke 'Meine Erde' rasch als grüne und nachhaltigste Form der Bestattung zu etablieren", erklärten Pablo Metz und Max Huesch, die beiden Gründer und Geschäftsführer der Firma Circulum Vitae, gegenüber queer.de. "Auch aus der LSBTIQ*-Community gibt es ein großes Interesse an der Reerdigung."

Enttabuisierung als "Herzensthema"

Jörg Litwinschuh-Barthel sieht seinen neuen Job nicht als Widerspruch zu seinem bisherigen Engagement für die LGBTI-Community: "Mehr als 20 Jahre habe ich für die Enttabuisierung der Homosexualitäten und für die Sichtbarkeit queeren Lebens gekämpft. Nun möchte ich mich ganz meinem anderen Herzensthema – der Enttabuisierung von Tod und Bestattung – widmen: Die einmalige Friedhofskultur und das große Engagement der Bestatter*innen in Deutschland müssen raus aus dem Schatten und rein in das Licht und die Aufmerksamkeit der Gesellschaft, die sie endlich verdienen." (cw)

#herzensangelegenheit Dies ist kein ?Aprilscherz?, sondern eine frohe Botschaft: Ab heute bin ich Teil des wunderbaren...

Posted by Jörg Litwinschuh-Barthel on Thursday, March 31, 2022
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#1 fredinbkkkAnonym
  • 02.04.2022, 07:09h
  • eigenartige Gedanken...
    waerend der/die/das Hinterbliebene im Ohrensessel sitzend Deckchen haekelt oder Zeitung lesend sitzt....
    oder die Heute Show ansieht...
    kompostiert der,die,das Partner im Verweserkasten im eigenen Wohnzimmer und nach 40 Tagen ..werden mit ihr/ihm dann die Geranien auf dem Balkon geduengt......
    irgendwie befremdlich
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#2 LothiAnonym
  • 02.04.2022, 09:13h
  • Antwort auf #1 von fredinbkkk
  • Finde ich überhaupt nicht. Großartige Idee. Ebenso schön wie eine Waldbestattung. Wo die Asche der Verstorbenen unter ein Baum begraben wird. Seebestattung gibt es ja auch schon. Friedhöfe im herkömmlichen Sinn wird es zukünftig weniger geben.
    Wenn ich mal nicht mehr bin, soll sogar die Rechtsmedizin meinen Leichnam zu Studienzwecken erhalten. Wenn sie diesen überhaupt wollen.
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#3 BonoboAnonym
  • 02.04.2022, 10:06h
  • Ich halte die Idee eines "Verwesungskastens" für Leichname für absolut befremdlich - genauso befremdlich halte ich aber auch die Vorstellung, als Leiche in einem Sarg im klassischen Grab vor sich hin zu gammeln.

    Man darf eines nicht vergessen: wenn der Zersetzungsprozess in dem "Kasten" 40 Tage dauert, dann kann es sein, dass zwischen Todeszeitpunkt und letztendlicher Beerdigung/Trauerfeier des Verstorbenen mal eben bis zu 2 Monate (!) vergehen können. Das fände ich viel zu lang. Bei klassischen Urnenbeisetzungen sind das 2-3 Wochen.

    Fazit: Eine unausgegorene Idee - aber evtl. für Herrn Litwinschuh eine hübsche neue Möglichkeit, Geld zu machen. Ich halte viel von alternativen Bestattungarten (etwa Fluss- oder Seebestattungen) - aber im Verwesungskasten? Nein danke.
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