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Sachbuch

Eine kompakte Chronologie der Pride-Bewegung

Das neue Buch "Pride!" aus dem Prestel Verlag bietet eine lesenswerte, ausgewählte Übersicht der queeren Geschichte mit gut designten Infografiken und vielen Porträtbildern.


Symbolbild: Pride-Demonstation im französischen Straßburg (Bild: mxrgo / unsplash)
  • Von Katja Anton Cronauer
    3. April 2022, 09:16h 1 3 Min.

Im Prestel Verlag ist unter dem Titel "Pride!" (Amazon-Affiliate-Link ) eine deutsche Ausgabe des englischen Erfolgstitels "Queer Story" erschienen – mit einem Vorwort des trans Aktivisten Linus Giese. Der 128 Seiten starke Hardcover-Band bietet eine lesenswerte, ausgewählte Übersicht der queeren Geschichte mit gut designten Infografiken und vielen Porträtbildern. Dabei eignet es sich für Menschen, die ins Thema einsteigen wollen, enthält aber auch die eine oder andere Neuigkeit für viele, die sich schon länger mit dem Thema befassen.

Zu Beginn werden einige queere Geschehnisse aus frühen Zeiten präsentiert – darunter das Gedicht Mahabharata, das um das Jahr 500 entstanden ist und in dem u.a. ein männlich identifizierter Krieger vorkommt, dem bei Geburt das Geschlecht weiblich zugewiesen worden war.

Trans Themen kommen ausnahmsweise mal nicht zu kurz


Die queere Chronologie "Pride!" ist Mitte März 2022 im Prestel Verlag erschienen

Nach dem Kurzausflug in die queere Geschichte zwischen 1.000 Jahren vor und nach unserer Zeitenrechnung springt das Buch zu einem Porträt von Magnus Hirschfeld und steigt dann mit den 1940er Jahren ausführlicher ins Thema ein. Im Kontext verschiedener geschichtlicher Meilensteine, werden LGBTQ+-Rechte behandelt – und das T kommt dabei ausnahmsweise mal nicht zu kurz.

Leicht verständlich präsentiert werden Informationen zu rechtlichen, sozialen und politischen Situationen weltweit, über queere Organisationen, kulturelle Veranstaltungen, Veröffentlichungen, Proteste und Pride-Events über die Jahrzehnte hinweg. Die vor Stonewall stattgefundenen und oft weniger bekannten Razzien in der "Compton's Cafeteria" in San Francisco 1966 und der "Black Cat Tavern" in Los Angeles 1967, gegen die sich die Community zur Wehr setzte, sind nur zwei von vielen Beispielen.

Queere Geschichte in Schaubildern und Porträts

Schaubilder verdeutlichen, in welchen Ländern wann erstmals Pride Events stattfanden, queere Personen in politische Ämter gewählt wurden, wann wo was entkriminalisiert wurde und vieles mehr. Beispielsweise wurde 1791 Homosexualität offiziell in Frankreich und Haiti entkriminalisiert, in Deutschland der Paragraf 175 dagegen erst 1994 ersatzlos gestrichen. Brasilien war das erste Land, das sogenannte Konversionstherapien verbot, und auch das erst 1999. Aids, gleichgeschlechtliche Ehen, Queer-Sein im Militär, Online-Aktivismus und verschiedene Gedenktage finden ebenfalls Raum.

Dazwischen gibt es Porträts von einzelnen Berühmtheiten wie Marsha P. Johnson, Audre Lorde und Laverne Cox, aber auch von hierzulande weniger bekannten Personen wie Li Yinhe aus China oder Kasha Nabagesera aus Uganda. Des Weiteren Kurzinfos über viele Persönlichkeiten aus dem queeren Aktivismus, der Queer Theory, Kunst, Literatur, Film und Sport.

Bedauerlicherweise wird Intergeschlechtlichkeit nur kurz im Glossar erwähnt, durch die Abbildung der Inter-Flagge in der Flaggenübersicht sowie durch die Anführung von immerhin zwei inter Organisationen am Buchende. Die Verwendung des Akronyms LGBTQ+ im Untertitel des englischen Originals macht somit mehr Sinn als das LGBTIQ+ im deutschen Untertitel. Ansonsten jedoch eine sehr empfehlenswerte Übersicht mit vielen Informationen, die zu weiterer Recherche inspirieren und einen Überblick darüber verschaffen, was an Gleichstellung erreicht wurde, und wie viel doch auch immer noch zu tun ist.

Infos zum Buch

Pride! Eine kurze Geschichte der LGBTIQ+-Bewegung. Chronologie. Mit einem Vorwort von Linus Giese und Illustrationen von Rebecca Strickson. 128 Seiten. Prestel Verlag. München 2022. Gebundenes Buch: 16 € (ISBN: 978-3-7913-8883-0)

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
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-w-

#1 rheinheart
  • 03.04.2022, 18:46hDüsseldorf
  • Liebe(r) Anton Katja Cronauer,
    bei der Aussage, der § 175 ist (erst) 1994 gestrichen worden, ist stets eine zusätzliche Information not- wendig. Homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern sind in der Bundesrepublik Deutschland seit dem 1. September 1969 straffrei.
    Es gab, wenn auch sehr spät, zwei Liberalisierungen des § 175 StGB, nämlich die von 1969, und eine weitere am 23. November 1973. Die Definition des § 175 StGB wurde grundlegend geändert und enthielt ab 1973 praktisch nur noch eine Jugendschutzvorschrift als Straftatbestand. Die darin enthaltene Schutzaltersgrenze von 18 Jahren unterschied sich allerdings von der in heterosexuellen Zusammenhängen (16 Jahre) und stellte so bis 1994 noch immer ein Sonderstrafrecht dar. Man erkennt, wie relevant eine gründliche journalistische Hintergrundrecherche ist, insbeson-dere bei einem Thema, bei dem es um Menschen und ihre Rechte geht.
    Mit queeren Grüßen
    rheinheart
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