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Ab Donnerstag im Kino

Skandale überschatten Dumbledores spätes Coming-out

In "Phantastische Tierwesen: Dumbeldores Geheimnisse" spricht der Magier erstmals über seine Liebe zum Bösewicht Grindelwald. Auch wegen der transfeindlichen Drehbuchautorin J.K. Rowling kann man sich nicht wirklich darüber freuen.


Endlich offen schwul, aber ohne Liebhaber: Jude Law als Zauberer Albus Dumbledore (Bild: Warner Bros.)

Keine Frage, es gibt manch guten Grund, den Film "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse", der ab dem 7. April in den Kinos läuft, einfach zu ignorieren (wenn nicht gar aktiv zu boykottieren). Und dass eigentlich nicht erst jetzt. Schon seit die Blockbuster-Reihe 2016 mit "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ihren Anfang nahm, war sie wie keine zweite von Kontroversen begleitet.

Zunächst war es Johnny Depp, der für Negativ-Schlagzeilen sorgte: gerade als er im zweiten Teil seinen großen Auftritt als Gellert Grindelwald hatte, erreichten die Vorwürfe, er habe seine einstige Ehefrau Amber Heard verprügelt, ihren ersten Höhepunkt. Für den dritten Teil nun wurde Depp in der Rolle durch Mads Mikkelsen ersetzt, doch der Fokus der Diskussion liegt ohnehin längst auf J.K. Rowling. Die Schriftstellerin macht seit Jahren mit transfeindlichen Aussagen auf sich aufmerksam, ist als Drehbuchautorin und Produzentin aber immer noch eine treibende Kraft des "Phantastische Tierwesen"-Franchise (queer.de berichtete).

Und dann ist da auch noch Ezra Miller. Als Credence Barebone fester Bestandteil der Reihe, wurde der queere, nichtbinäre Shooting Star kürzlich in Hawaii verhaftet, wo er sich nicht nur in einer Karaoke-Bar geprügelt, sondern auch ein Ehepaar ausgeraubt und mit dem Tod bedroht haben soll (queer.de berichtete).

Wer auf einen Kuss wartet, wird enttäuscht


Poster zum Film: "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" startet am 7. April 2022 im Kino

Warum nun also an dieser Stelle trotzdem von dem neuen Film die Rede ist? Nun, gerade in Zeiten wie diesen sehnen sich viele Menschen nach Eskapismus in Form von Fantasy-Abenteuern, und wem es gelingt, ein Kunstwerk losgelöst von den dafür verantwortlichen Macher*­innen zu genießen, dem sei das aus ganzem Herzen gegönnt. Und dann ist da natürlich auch noch die queere Neugier, schließlich war immer klar, dass in "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" mehr denn je die Vergangenheit des schwulen Zauberers Albus Dumbledore (Jude Law) und seiner einstigen Liebe zu eben jenem Gellert Grindelwald thematisiert wird.

Tatsächlich beginnt der Film nun direkt mit einem Aufeinandertreffen der beiden heute verfeindeten Magier – und es hat schon was, wenn Jude Law auf Mikkelsens Frage, warum er früher seine Sache unterstützt habe, antwortet: "Weil ich Dich geliebt habe!" (queer.de berichtete). Auch sonst thematisiert Dumbledore seine früheren, wahrlich nicht nur platonischen Gefühle für Grindelwald immer wieder. Nur wer auf einen Kuss oder womöglich einen neuen Love Interest für ihn gehofft hat, wird enttäuscht werden.

Zum Cast gehört "Enfant terrible"-Star Oliver Masucci

Ansonsten lässt sich festhalten: Gelungener als der katastrophale Vorgänger ist der neue Film allemal. Grindelwald setzt weiter alles daran, die Welt der Muggels zu zerstören, was Newt Scamander (Eddie Redmayne), Dumbledore und ihre Mitstreiter zu verhindern versuchen. Es gibt einige gelungene Spezialeffekte zu sehen und zum Glück nur ein Mindestmaß an phantastischen Tierwesen, "Dark"- und "Enfant terrible"-Star Oliver Masucci spielt dieses Mal ebenso mit wie Peter Simonischek ("Toni Erdmann"), und dem Plot lässt sich endlich einmal halbwegs folgen. Auch "Harry Potter"-Nostalgiker kommen endlich richtig auf ihre Kosten, schließlich geht es dieses Mal auch nach Hogwarts, wo man auf die junge Minerva McGonagall trifft und sogar Zeit für Slytherin-Scherze bleibt und Quidditch gespielt wird.

Ach, und dann ist da ja auch noch Katherine Waterston, die als Tina Goldstein in den ersten beiden Filmen eine der Hauptdarstellerinnen war. Doch als die amerikanische Schauspielerin nun auf den Postern und anderen Werbematerialien nicht zu sehen war, fürchteten Fans, sie sei aus der Marketing-Kampagne herausretuschiert worden, weil sie in der Vergangenheit deutlicher als andere "Phantastische Tierwesen"-Stars Rowlings Terf-Ansichten widersprochen hatte. Tatsächlich allerdings hat sie nun im dritten Teil nur noch einen Gastauftritt.

Dass das eine Bestrafung für ihre Meinungsäußerungen ist, erscheint eher unwahrscheinlich, denn zum Zeitpunkt ihrer Statements im Sommer 2020 dürfte das Drehbuch längst fertig gewesen sein. Wahrscheinlicher erscheint es, dass Waterston einfach versucht hat, von sich aus auf Distanz zu gehen zu dieser Filmreihe. Verstehen könnte man sie auf jeden Fall.

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Infos zum Film

Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnis. Fantasyfilm. USA 2022. Regie: David Yates. Darsteller*­innen: Eddie Redmayne, Mads Mikkelsen, Jude Law, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Callum Turner, Richard Coyle, Jessica Williams, Victoria Yeates, Aleksandr Kuznetsov, Poppy Corby-Tuech, Oliver Masucci, Maria Fernanda Candido, Katherine Waterston, Dave Wong. Laufzeit: 143 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih. Warner. Kinostart: 7. April 2022
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#1 DQ24Anonym
  • 06.04.2022, 10:59h
  • Die meisten Menschen machen den aus meiner Sicht Fehler, jemandes Äußerungen, die durchaus kritikwürdig oder verdammenswert sein können, mit dem Werk eben jener Person zu verwechseln.
    Fakt ist, dass Frau Rowling eine gute bis hervorragende Autorin ist (was ich als Hobbydrehbuchautorin wohl beurteilen kann), ihre likes und Äußerungen hingegen mehr als kritikwürdig sind.
    Darum: Setzt Euch mit Frau Rowling auseinander, aber verdammt nicht ihre Arbeit, nur, weil sie anscheinend eine TERF ist!
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#2 HexeAnonym
  • 06.04.2022, 11:17h
  • Antwort auf #1 von DQ24
  • Oder anders ausgedrückt:
    "Hey ihr Männer in Frauenkleidern! Stellt euch nicht so an, nur weil ihr etwas Diskriminierung erfahrt! Was wollt ihr denn noch? Konsumiert gefälligst ein Produkt, geschaffen von einer Frau die euch regelmäßig bekämpft und werft ihr noch mehr Geld in den Rachen!"

    Ich gehe dann mal "Mein Kampf" lesen, ohne es zu reflektieren, denn Hitler war ja nur "augenscheinlich" ein Nazi. Man muss ja Werk und Künstler trennen. Vielleicht höre ich dabei auch noch etwas Michael Jackson und schaue ein paar Weinsteinfilme.

    Danke, du hast mir echt die Augen geöffnet.
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#3 KratzbürsteAnonym
  • 06.04.2022, 12:13h
  • Antwort auf #1 von DQ24
  • Die Argumentation funktioniert nicht, wenn a) ihre Transphobie (und Rassismus, Klassismus, Homophobie und Antisemitismus) den Weg in ihre Werke gefunden haben (was sie haben), und sie b) jeglichen Erfolg ihrer weiteren Veröffentlichungen als Zeichen wertet, dass die Mehrheit ihr doch Recht gibt. Das hat sie selbst gesagt! Dadurch verstärkt sich natürlich die Transphobie, die sie weiter öffentlich macht. Sie wird übrigens bei vielen Rechtssprechungen in England oder den USA zitiert, wenn trans Rechte weiter beschnitten werden. Das kostet übrigens Menschenleben.

    Jeder Mensch, der sich irgendetwas aus ihrem Universum kauft oder streamt, unterstützt Transphobie und macht trans Menschen somit nur klar, dass wir uns nicht auf sie verlassen können im Kampf für Selbstbestimmung und gegen Rechtssprechungen, die dem entgegenstehen. Vielen Dank dafür!

    Trans Menschen sind verdammt noch mal wichtiger als Harry Potter.
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