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Streamingtipps

Auf diese beiden Serien haben wir lange gewartet

Mit "Everything's Gonna Be Okay" und "Genera+ion" sind auf RTL+ jetzt gleich zwei tolle Serien zu sehen, die selbstverständlich und glaubwürdig mit Queerness und Sexualität umgehen.


Szene aus "Genera+ion": Der schwule Schüler Chester (Justice Smith) wird wegen seiner bauchfreien Outfits immer mal wieder zur Schulleitung zitiert (Bild: HBO Max)

Schon eine ganze Weile ist der Streamingdienst RTL+ eine gute Adresse für queere Inhalte. Immerhin sind dort die preisgekrönten Datingshows "Prince Charming" und "Princess Charming" zuhause, und erste deutsche Anlaufstelle für "Schitt's Creek" war man auch. Und nun sind dort mit "Everything's Gonna Be Okay" und "Genera+ion" gleich zwei tolle Serien zu sehen, auf deren Ausstrahlung nicht zuletzt das LGBTI-Publikum hierzulande schon eine Weile gewartet hat.

"Everything's Gonna Be Okay" handelt von dem australischen Insektenforscher Nicholas (Josh Thomas), der eigentlich nur vorübergehend in Los Angeles bei seinem Vater und den beiden jugendlichen Halbschwestern zu Besuch ist. Doch als der verwitwete Vater ihm offenbart, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist und bald sterben wird, beschließt der schwule Mittzwanziger, zum Vormund der Teenager zu werden und zu bleiben.


Szene aus "Everything's Gonna Be Okay": Nicholas (Josh Thomas) und sein Freund Alex (Bild: Freeform)

Was aus den unterschiedlichsten Gründen in der Theorie einfacher klingt als es in der Praxis ist. Weil der Umgang mit Trauer nie ein einfacher ist. Weil Nicholas nicht Autofahren kann, was als Familienoberhaupt in einer Stadt wie L.A. einige Komplikationen mit sich bringt. Aber natürlich vor allem, weil er selbst eigentlich noch nicht so richtig erwachsen ist – und die autistische 17-jährige Matilda (Kayla Cromer) und die 14-jährige Genevieve (Maeve Press) beide auf jeweils sehr eigene Art keine unkomplizierten und vor allem schwer pubertierenden Mädchen sind.

Doch weil die bislang kaum erprobten Familienbande unerwartet stark sind (und es keine echte Alternative gibt) wird aus den dreien bald ein sehr spezielles Team, und Nicholas' neuer Freund Alex (Adam Faison) fügt sich darin auch ganz wunderbar ein.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zu "Everything's Gonna Be Okay"
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Queer an der Highschool: "Genera+ion"

Auch in "Genera+ion" stehen junge Menschen in Kalifornien im Fokus des Geschehens. Sehr viele sogar, handelt es sich hier doch im weitesten Sinne um eine Highschool-Serie, angesiedelt im Orange County. Chester (Justice Smith) ist offen schwul und wird wegen seiner bauchfreien Outfits immer mal wieder zur Schulleitung zitiert, wo er ein Auge auf den neuen, ebenfalls schwulen Vertrauenslehrer (Nathan Stewart-Jarrett) wirft.

Gleichzeitig verguckt sich der aus wohlhabend-religiösem Hause stammende Nathan (Uly Schlesinger), der gerade seine Bisexualität erprobt, sich in Chester, macht aber auch mit dem Freund seiner Zwillingsschwester Naomi (Chloe East) sowie der trotz schwuler Papas immer etwas homophoben Arianna (Nathanya Alexander) rum.

Außerdem ist da noch die schüchterne Lesbe Greta (Haley Sanchez), die vorübergehend bei ihrer Tante (trans Schauspielerin Nava Mau) aufwächst und sich in Nathans sexuell sehr erfahrene beste Freundin Riley verliebt.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zu "Genera+ion"
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Glaubwürdige Dialoge, diverse Ensembles

Die Unterschiede zwischen beiden Serien sind nicht unerheblich. "Everything's Gonna Be Okay", in den USA 2020 gestartet, ist ähnlich wie Josh Thomas' erste Serie "Please Like Me" tragikomisch, ein bisschen albern und manchmal verschroben, fast ein wenig utopisch in ihrer Liebenswürdigkeit, aber vor allem warmherzig und sehr wahrhaftig im Umgang mit ernsten Themen. "Genera+ion" aus dem Jahre 2021 ist cooler, rauer und deutlicher weniger komödiantisch (aber trotzdem witzig!), quasi ein weniger durchgestyltes, weniger drastisches und dabei lebensbejahenderes Geschwister von "Euphoria", in dem Sex und Drogen einen großen Raum einnehmen.

Doch es lassen sich in beiden Produktionen auch viele Gemeinsamkeiten entdecken, die entscheidend dazu beitragen, dass sie so sehenswert sind. Glaubwürdige Dialoge und überzeugende, sehr diverse und authentische Ensembles (sowie viel Diversität auch hinter der Kamera) sind dabei das eine. Ein sehr selbstverständlicher, entspannter und offenherziger Umgang mit Queerness und Sexualität und vor allem ein großes Herz und viel ernsthaftes Interesse und Verständnis für die teilweise sehr spezifischen und gleichzeitig sehr universellen Ängste, Sorgen, Freuden und Lüste jugendlicher Menschen das andere.

Geschichten, die von queeren Leuten erzählt werden

Vor allem sind beide Serien mal wieder ein Beweis dafür, wie spannend, vielseitig und gelungen solche Geschichten sein können, wenn sie von (queeren) Leuten erzählt werden, die früher nicht immer unbedingt gehört und repräsentiert wurden, aber vor allem sehr genau wissen, wovon sie sprechen.

Dass Josh Thomas seine eigenwillige Handschrift kaum verändert von Australien in die USA übertragen durfte und dort kreativ offenkundig fast freie Hand hatte (dieses Mal verarbeitet er auch seine eigene Autismus-Diagnose), ist eine große Freude, und man kann nur mit Spannung erwarten, was der 34-Jährige als nächstes macht. Gleiches gilt für das ungewöhnliche Gespann hinter "Genera+ion", die heute 20-jährige, queere Autorin Zelda Barnz und ihren schwuler Adoptivvater Daniel Barnz (der als Regisseur zuletzt "Cake" mit Jennifer Aniston inszenierte).

Zu bedauerlich also, dass beide Serien im vergangenen Jahr wieder abgesetzt wurden: "Everything's Gonna Be Okay" nach zwei Staffeln à zehn Folgen, "Genera+ion" nach einer Staffel mit 16 Episoden. Doch das sollte niemanden davon abhalten, sich diese beiden wunderbaren Serien-Perlen lieber früher als später anzusehen.



#1 Ith_Anonym
  • 13.04.2022, 16:23h
  • Also ich für meinen Teil warte ja auf die Serie mit der Hauptrolle für den schwulen Typ mit Mens, der die Kämpfe austrägt und gewinnt, die ich im realen Leben nie gewinnen kann, was bedeutet, dass vor der Kamera dann der heulende Cis-Schwule aus dem Freundeskreis fliegt, der diese Person diskriminiert, statt dieser Person, weil sie sich gegen die Diskriminierung in einem Ton gewehrt hat, der von der Cissen-Mehrheit echt nicht okay gefunden wird (in einer Inszenierung, die dafür sorgt, dass das auch das Publikum so sieht).

    Ich habe irgendwie so den Eindruck, dass der schwule Typ mit Gebärmutter nichtmal als Nebenrolle vorkommen darf, geschweige denn, dass er vorkommen dürfte, ohne uns, wenn schon, im Wesentlichen als passives Vorführobjekt für transfeindliche Gewalt zu dienen, mit dem wir Mitleid haben können, ohne dass sich an der Welt deshalb etwas ändern müsste. Beziehungsweise, vermutlich kommt dieser Typ einfach GAR nicht vor, und ich verbleibe mit der Gewissheit, dass keine der schwulen Hauptpersonen-Cissen jemanden wie mich akzeptieren würde, denn die Diskussion, ob und welche der schwulen Cissen in den Hauptrollen das tun würde, wird uns ja dann dankbarerweise erspart. Was im Umkehrschluss dann bedeutet, dass ich einfach davon ausgehen muss, dass es so ist wie in der Realität, aka ich habe gefälligst nicht zu existieren.

    Also, ich... schätze, ich verziehe mich einfach wieder auf die Wartebank. Wer war noch gleich dieses "wir"?
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#2 DreddAnonym
  • 13.04.2022, 18:13h
  • Antwort auf #1 von Ith_
  • Vllt findet/gibt es schlicht (derzeit) keinen (guten) Drehbuchautor der sich sicher genug ist das Thema entsprechend ordentlich zu transportieren..... + Darstellersuche ohne Risiko eines Shitstorms.
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