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Jetzt im Kino
Eine queere Tragikomödie über Sterbehilfe
In François Ozons neuem Spielfilm "Alles ist gutgegangen" soll eine Schriftstellerin ihrem verhassten schwulen Vater dabei helfen, seinem Leben ein Ende zu setzen.

André (André Dussollier) hat nach einem Schlaganfall die Lust am Leben verloren (Bild: Wild Bunch Germany)
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14. April 2022, 09:46h - 2 Min.
Es ist immer wieder erstaunlich, das Arbeitspensum von François Ozon. Erst im vergangenen Jahr lief sein Film "Sommer 85" in den deutschen Kinos, bereits im September folgt dann "Peter von Kant", seine große Verbeugung vor Rainer Werner Fassbinder, die im Februar als Eröffnungsfilm der Berlinale Weltpremiere feierte. Und dazwischen kommt nun also "Alles ist gutgegangen" auf die Leinwand, sein 20. Spielfilm in gerade einmal 24 Jahren.
Erstmals hat der schwule Regisseur, der nichts mehr liebt als die Arbeit mit Schauspiel-Diven, hier die französische Kino-Ikone Sophie Marceau vor seine Kamera geholt und ihr – basierend auf dem autobiografischen Roman "Alles ist gutgegangen" von Emmanuèle Bernheim (die mit Ozon u.a. das Drehbuch zu "Unter dem Sand" schrieb und 2017 an Krebs starb) – die schönste Rolle seit Jahren auf den Leib geschrieben.
Jahrzehnte voller Verletzungen

Poster zum Film: "Alles ist gutgegangen" startet am 14. April 2022 im Kino
Nach einem Schlaganfall ihres Vaters André (gewohnt großartig: André Dussollier) bittet dieser, fortan halbseitig gelähmt, seine Tochter Emmanuèle (Marceau), ihm dabei zu helfen, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Die Schriftstellerin ist überrumpelt, nicht nur, weil sie dem Thema Sterbehilfe bislang unentschlossen gegenübersteht. Vor allem ist das Verhältnis des erfolgreichen Kunstsammlers zu Emmanuèle und ihrer Schwester Pascale (Géraldine Pailhas) nie das einfachste gewesen. Denn der trotz seiner Ehe zu ihrer Mutter auch seine Homosexualität auslebende Vater neigt zu unverblümter Ehrlichkeit, die viel schwarzen Humor, aber auch Egoismus und Rücksichtslosigkeit mit sich bringt und Jahrzehnte voller Verletzungen zur Folge hatte. Und doch lässt Andrés Bitte die Töchter nicht los.
Leichtfüßiger Blick auf komplexe Vater-Tocher-Beziehung
Aus dieser Prämisse hätte sich schnell ein schweres, bedrückendes und moralinsaures Drama über Sterbehilfe entwickeln lassen. Doch Ozon, der stets spielend zwischen den Genres wechselt, inszeniert stattdessen einen warmherzigen, ja oft leichtfüßigen und sogar komischen Blick auf eine komplexe Vater-Tocher-Beziehung und ebensolche Familienkonstellation.
Charlotte Rampling und Hanna Schygulla haben kurze, aber prägnante Auftritte, und Marceau, die sonst so oft auf harmlose Komödien beschränkt wird, erfüllt den Film, der die Kernfrage in seinem Zentrum in all ihrer Komplexität nie auf die leichte Schulter nimmt, mit strahlendem Leben.
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Alles ist gutgegangen. Tragikomödie. Frankreich 2022. Regie: François Ozon. Darsteller*innen: Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Hanna Schygulla, Charlotte Ramplin. Laufzeit: 114 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Wild Bunch Germany. Kinostart: 14. April 2022
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