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"Knef" von 1970 galt der Chanson-Ikone Hildegard Knef als ihr bestes Werk. Dieses gibt es nun ebenso wie "Worum geht's hier eigentlich?".

Von Jan Gebauer

Am 28. Dezember 2005 wäre Hildegard Knef 80 Jahre jung geworden – die Veröffentlichungen und Tribut-Aufführungen nahmen zuletzt kein Ende. Zwei alte Alben erblicken nun ebenfalls wieder das Tageslicht, nachdem sie weit über 30 Jahre nicht mehr im Handel erhältlich waren. "Knef" von 1970 gebührt dabei die Ehre, von der Chanson-Diva als ihr bestes Album bezeichnet worden zu sein. "Wir wollten etwas Neues machen", erinnert sich Hans Hammerschmid, Knefs Komponist, Arrangeur und musikalischer Leiter in den Jahren 1967 bis 1975. Für das zwölf Lieder starke Werk steuerte die Knef alle Texte selber bei, die von Hammerschmid musikalisch untermalt wurden. Darunter befinden sich Fan-Favoriten wie das grandiose "Ich brauch' Tapetenwechsel", das parallel zur LP auch als Single veröffentlicht wurde. Den damaligen neuen Weg spürt man schon bei den ersten Takten des Albums. "Wie viele Menschen waren glücklich, dass du gelebt?" beginnt mit den schneidenden Klängen einer elektrischen Gitarre, die so völlig ungewöhnlich für die Knef waren. Mit kalter Stimme gibt die Sängerin einen harschen Ton an, den man zuvor selten von der Wahl-Berlinerin zu hören bekam. Dagegen klingen Lieder wie "Im 80. Stockwerk" und "Eisblumen" geradezu versöhnlich, allerdings nicht weniger anspruchsvoll. Vielleicht war der neue Sound aber auch ein Grund dafür, dass die Knef erstmals mit einem Studio-Werk nicht den Sprung in die deutschen Alben-Charts schaffte.

Ein Jahr später veröffentlichte die Knef das Album "Worum geht's hier eigentlich?", auf dem ebenfalls wieder zwölf Lieder mit selbst verfassten Texten enthalten sind. Für die CD-Wiederveröffentlichung packte man noch zwei Bonus-Tracks bei: "Christina" bildete die A-Seite einer wenig erfolgreichen Single, "Holiday Time" die B-Seite. Die musikalische Leitung bei "Worum" übernahm Les Humphries, der 1971 auf dem Zenit seiner Karriere als Kopf der Les Humphries Singers ("Mexico", "Mama Loo", "Kansas City") stand. Der bunte Hippie-Haufen und die Knef auf einer Platte war für die damalige Zeit ein großes Wagnis. Kommerziell gesehen ging die Rechnung nicht auf – wieder verpasste die Knef den Sprung in die Charts. Und doch sah sie in der Zusammenarbeit im Nachhinein den richtigen Schritt. In einem Interview sagte sie, dass sie nach all den Jahren "im Fahrwasser des französischen Chansons", von der lauen Ästhetik des Genres genug hatte. "Die Zeit war vorbei", teilte sie mit und Humphries schien ihr der Richtige, das zeitgenössische Gegenmittel. Und damit war sie der damaligen Schlagerszene mit seiner Mitklatsch-Mentalität mal wieder um Lichtjahre voraus.

17. Januar 2006



#1 OlliAnonym
  • 06.02.2006, 11:52h
  • Toller artikel!!Danke!

    Dem ist eigendlich nichts mehr hinzuzufügen, auf der platte sind tolle lieder, gerade auch der titelsong "worum gehts hier eigendlich" ist sehr lustig und zynisch!! : )
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