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Buchtipp
Schwarz, queer, weiblich, kreativ – und erfolgreich
Bernardine Evaristos Biografie "Manifesto – Warum ich niemals aufgebe" ist eine ehrliche, einfühlsame, mutmachende und sogar humorvolle Abrechnung mit Rassismus, Sexismus und Diskriminierung.

Bernardine Evaristo, geboren 1959, ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London. Für ihren Roman "Mädchen, Frau etc." wurde sie als erste Schwarze Schriftstellerin 2019 mit dem Booker-Preis ausgezeichnet (Bild: Acthom123 / wikipedia)
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15. April 2022, 09:11h - 3 Min.
Die Booker-Preisträgerin Bernardine Evaristo ("Mädchen, Frau etc.") hat in ihren Büchern schon viele unterschiedliche Figuren zum Leben erweckt. In ihrem neuesten Buch "Manifesto – Warum ich niemals aufgebe" (Amazon-Affiliate-Link ) geht es aber speziell nur um eine – nämlich sie selbst.
Als Tochter einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters, als viertes von acht Kindern, hat Evaristo es nicht immer leicht. Als sie 1959 in London geboren wird, ist das Thema Rassismus ein nahezu alltägliches Problem. Die Familie ist die einzige Schwarze Familie in dem Vorort. Sie wird zur Zielscheibe von Angriffen: Fensterscheiben werden zerschlagen, Beschimpfungen werden gebrüllt; weil die Eltern die Kinder beschützen wollen, dürfen diese nur im Garten hinter dem Haus spielen. Die eigene Großmutter hat lange keine Bilder ihrer Enkel in der Wohnung. Alles aufgrund der Hautfarbe.
Sich selbst und anderen eine Stimme geben

Evaristos Biografie "Manifesto" ist auf Deutsch im Tropen Verlag erschienen
Diskriminierungen aufgrund von Evaristos Hautfarbe und ihres Geschlechts ziehen sich weit durch ihr Leben. Zwar lernt sie früh ihre Liebe zum Theater kennen und fühlt sich in dem kleinen Jugendtheater vor Ort gut aufgehoben, als junge Erwachsene wird ihr aber bewusst, dass die Mainstream-Theaterwelt nicht sonderlich an Schwarzen Frauen interessiert ist – und so gründet sie mit zwei Freundinnen ihr eigenes Theater.
Evaristo setzt sich früh dafür ein, der Weiblichkeit – vor allem der Schwarzen Weiblichkeit – eine Stimme zu geben und diese auch in ihrem Geburtsland England zu verorten. Jahrelang beschäftigt sie sich mit den historischen Wurzeln, den eigenen und denen anderer Schwarzer Engländer*innen. Diese Suche nach einem Bezugspunkt für ihre eigene Identität sowie der Versuch, gegen Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung anzuschreiben, finden sich in allen ihren Werken.
Kreative Kraft aus lesbischen Beziehungen
In "Manifesto" geht Evaristo auf all die Widerstände und Hindernisse ein, die sie überwinden musste und bis heute noch muss, um ihre Kreativität nicht nur ausleben zu können, sondern eben auch von ihr leben zu können. Der Weg, den sie dabei zurückgelegt hat, ist nicht nur lang und oft beschwerlich, er ist spannend, zutiefst interessant – und bewundernswert.
Auch die Inspirationen auf ihrem Lebensweg zur Autorin und Professorin für Kreatives Schreiben, bleiben in dem Buch nicht aus. Viel emotionale und kreative Inspirationen kommen dabei von ihren Partnerinnen, besonders der Fernbeziehung zu einer ebenfalls theaterverliebten Frau und den seitenlangen Briefen, die sie sich schreiben. Heute ist sie mit einem Mann verheiratet.
Gefühlvoll und offen beschreibt Bernardine Evaristo ihre früheren Beziehungsgeflechte. Aus jetziger Perspektive kann sie dabei auf ihre Lebenserfahrung zurückgreifen und ihre Kommentare sind nicht selten von Selbstkritik, Sarkasmus und großartigem Humor geprägt, der es manchmal sogar schafft, dass man lauthals auflachen muss.
Intellektueller Zugewinn, Inspiration und Motivation
"Manifesto" ist ein ehrliches Buch. In ihm wird kein Blatt vor den Mund genommen: frühere und derzeitige Missstände, Rassismus, Geschlechterdiskriminierung, die Suche nach verlorengegangenen Identitäten, Liebe – das alles wird sehr authentisch und gefühlvoll behandelt. Ein Text, der zum Nachdenken bringt, der reflektieren lässt, wer man ist und was man erreichen will, und der zudem Mut macht. Wenn wir alle so stark, kämpferisch und brillant wären wie Bernadine Evaristo, könnten wir wohl alles schaffen.
Ich kann die Biografie nur herzlich als intellektuellen Zugewinn, Inspiration und Motivation empfehlen. Und freue mich schon auf ihr nächstes Werk.
Bernardine Evaristo: Manifesto. Warum ich niemals aufgebe
. Aus dem Englischen von Tanja Handels. 256 Seiten. Tropen Verlag. Stuttgart 2022. Gebundene Ausgabe: 22 € (ISBN: 978-3-608-50015-8). E-Book: 16,99 €. Auch als Hörbuch erhältlich
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