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Entschuldigungsvideo
Xavier Naidoo: "Homophobie ist mit meinen Werten nicht vereinbar"
Nach einem jahrelangem Flirt mit rechtsextremistischen Thesen will der Soul-Sänger wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückkehren.

Vom Saulus zum Paulus? Oder doch ein Wolf im Schafspelz? (Bild: Screenshot / Youtube/Xavier Naidoo)
- 20. April 2022, 07:58h 3 Min.
Xavier Naidoo hat sich in einem am späten Dienstagabend auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichten 194-sekündigen Video für verletzende Äußerungen entschuldigt. Darin ist der Sänger sitzend auf einem Ledersofa zu sehen und liest offenbar einen Text ab. Er betonte, dass er "Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus" ablehne. In den letzten Jahren hatte Naidoo wegen seiner Nähe zur rechtsextremistischen Reichsbürger-Szene und antisemitischen Kreisen ebenso für Schlagzeilen gesorgt wie mit Leugnung der Corona-Pandemie.
Anlass für seinen Meinungswandel sei tiefe Erschütterung "über die brutale russische Invasion in die Ukraine". Hintergrund sei, dass seine Frau aus der Ukraine komme und er daher familiäre Verbindungen ins Kriegsgebiet habe. Aus diesem Grund habe er seine Positionen hinterfragt: "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe", sagte der 50-Jährige. Er habe mit "verstörenden Äußerungen" seine Familie, Freunde, Fans und andere Menschen "irritiert und provoziert".
Der Sänger gab zu, sich auf der "Suche nach Wahrheit […] verrannt" zu haben: "Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage. Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt, habe mich zum Teil instrumentalisieren lassen."
Distanzierung von "rechten und verschwörerischen Gruppen"
Naidoo betonte, dass er sich insbesondere von "rechten und verschwörerischen Gruppen" distanziere – und betonte: "Alle, die mich kennen, wissen, wofür ich einstehe: Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Schärfste." Mit manchen Äußerungen habe er "Menschen vor den Kopf gestoßen und verletzt". Dafür entschuldige er sich.
Naidoo hatte jahrelang mit extremistischen Äußerungen provoziert, die er teilweise über seinen Telegram-Kanal verteilte. Vor wenigen Monaten entschied ein Gericht sogar, dass er sich dafür als "Antisemit" bezeichnen lassen muss (queer.de berichtete).
Auch mit Homosexuellenhass sorgte Naidoo für Empörung: Bereits 2012 hatte er im Album "Gespaltene Persönlichkeit" einen Song mit Kool Savas zum Thema Kindesmissbrauch veröffentlicht, in dem es neben Gewaltfantasien auch offensichtlich homosexuellenfeindliche Sätze gab – es hieß etwa: "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?" (queer.de berichtete). Der Sänger behauptete jedoch, dass das Lied nicht schwulenfeindlich gemeint sei.
Aus der queeren Community kommen allerdings Zweifel, ob Naidoo seinen Meinungswandel ernst meint. Die Linke.queer-Chef Frank Laubenburg erklärte etwa auf Twitter: "Das Album 'Gespaltene Persönlickeit' ist bis heute nicht zurückgezogen, sondern im Verkauf." (dk)
/ FrankLaubenburgZu #xaviernaidoo nur kurz die Erinnerung an meine zehn (!) Jahre alte Kritik. Das Album "Gespaltene Persönlickeit" ist bis heute nicht zurückgezogen, sondern im Verkauf. https://t.co/ypyVy6T3XB
Frank Laubenburg (@FrankLaubenburg) April 20, 2022
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