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Entschuldigungsvideo

Xavier Naidoo: "Homophobie ist mit meinen Werten nicht vereinbar"

Nach einem jahrelangem Flirt mit rechtsextremistischen Thesen will der Soul-Sänger wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückkehren.


Vom Saulus zum Paulus? Oder doch ein Wolf im Schafspelz? (Bild: Screenshot / Youtube/Xavier Naidoo)

Xavier Naidoo hat sich in einem am späten Dienstagabend auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichten 194-sekündigen Video für verletzende Äußerungen entschuldigt. Darin ist der Sänger sitzend auf einem Ledersofa zu sehen und liest offenbar einen Text ab. Er betonte, dass er "Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus" ablehne. In den letzten Jahren hatte Naidoo wegen seiner Nähe zur rechtsextremistischen Reichsbürger-Szene und antisemitischen Kreisen ebenso für Schlagzeilen gesorgt wie mit Leugnung der Corona-Pandemie.

Anlass für seinen Meinungswandel sei tiefe Erschütterung "über die brutale russische Invasion in die Ukraine". Hintergrund sei, dass seine Frau aus der Ukraine komme und er daher familiäre Verbindungen ins Kriegsgebiet habe. Aus diesem Grund habe er seine Positionen hinterfragt: "Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe und dass ich in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe", sagte der 50-Jährige. Er habe mit "verstörenden Äußerungen" seine Familie, Freunde, Fans und andere Menschen "irritiert und provoziert".

Der Sänger gab zu, sich auf der "Suche nach Wahrheit […] verrannt" zu haben: "Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage. Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt, habe mich zum Teil instrumentalisieren lassen."

Distanzierung von "rechten und verschwörerischen Gruppen"

Naidoo betonte, dass er sich insbesondere von "rechten und verschwörerischen Gruppen" distanziere – und betonte: "Alle, die mich kennen, wissen, wofür ich einstehe: Ich stehe für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus sind mit meinen Werten nicht vereinbar. Und ich verurteile diese aufs Schärfste." Mit manchen Äußerungen habe er "Menschen vor den Kopf gestoßen und verletzt". Dafür entschuldige er sich.

Naidoo hatte jahrelang mit extremistischen Äußerungen provoziert, die er teilweise über seinen Telegram-Kanal verteilte. Vor wenigen Monaten entschied ein Gericht sogar, dass er sich dafür als "Antisemit" bezeichnen lassen muss (queer.de berichtete).

Auch mit Homosexuellenhass sorgte Naidoo für Empörung: Bereits 2012 hatte er im Album "Gespaltene Persönlichkeit" einen Song mit Kool Savas zum Thema Kindesmissbrauch veröffentlicht, in dem es neben Gewaltfantasien auch offensichtlich homosexuellenfeindliche Sätze gab – es hieß etwa: "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?" (queer.de berichtete). Der Sänger behauptete jedoch, dass das Lied nicht schwulenfeindlich gemeint sei.

Aus der queeren Community kommen allerdings Zweifel, ob Naidoo seinen Meinungswandel ernst meint. Die Linke.queer-Chef Frank Laubenburg erklärte etwa auf Twitter: "Das Album 'Gespaltene Persönlickeit' ist bis heute nicht zurückgezogen, sondern im Verkauf." (dk)

/ FrankLaubenburg
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#1 LothiAnonym
  • 20.04.2022, 10:06h
  • Gerade auf Tagesschau.de sein Reue Interview gelesen. Jetzt wo Angehörige seiner Familie in der Ukraine vom Krieg betroffen sind lenkt er ein und macht gar einen Rückzieher zu all dem voran gesagten? Ich nehme ihm das nicht ab. Er hat gewaltigen Schaden mit seinen Äußerungen angerichtet, was jetzt mit ein paar Sätzen nicht so ohne weiteres wieder gut zu machen ist.
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#2 DreddAnonym
  • 20.04.2022, 10:18h
  • Antwort auf #1 von Lothi
  • Naja, es liegt einer Entschuldigung inne das man zuvor Schaden angerichtet hat und persönliche Erfahrung kann durchaus zur Reflexion führen.... wobei natürlich erst die Zeit zeigen wird wie ehrlich dass hier gemeint ist!

    Musikalische wäre es natürlich schön wenn er weiterhin von der Bildfläche verschwunden bleibt, menschlich kann man ihm aber wohl wünschen das er ehrlich die Kurve kriegt!
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#3 AtreusEhemaliges Profil
  • 20.04.2022, 10:34h
  • Ich verstehe es nicht! Es ist seit 2014 Krieg in der Ukraine, Russlands Präsident war/ist derselbe. Derselbe auch, der weit vor 2022 den Genozid an der homosexuellen Bevölkerung im Föderationsmitglied Tschetschenien durchgewunken und öffentlich geleugnet hat. Ist seine Frau erst seit 2022 aus der Ukraine? Ist der Leichenberg von 13000 Ukrainern, von 2014 bis 2021 angehäuft, weniger Mensch, als die, die in 2022 gestorben sind? Kann mir jemand erklären, und das meine ich wirklich ernst, was genau jetzt anders ist als zuvor? Ich verstehe Herrn Naidoo nicht! Und ich verstehe seine angeblichen Gesinnungswandel nicht.
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