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Jubiläum

Vor 40 Jahren gewann Deutschland erstmals den Eurovision Song Contest

Vor genau vier Jahrzehnten brachte Nicole erstmals die Grand-Prix-Trophäe nach Deutschland – das ist in den 66 Jahren des Musikwettbewerbs nur zwei Pop-Sternchen gelungen.


Vor Lena, Lordi und Loreen gewann unsere Nicole den Eurovision Song Contest
  • Von Dennis Klein
    24. April 2022, 02:11h, noch kein Kommentar

Am 24. April 1982 sorgte eine 17-jährige Schülerin aus dem Saarland für Jubelstürme in der Bundesrepublik: Mit "Ein bißchen Frieden" (damals schrieb man "bisschen" noch anders) gewann Nicole im 27. Anlauf erstmals für Deutschland den Eurovision Song Contest (damals noch unter dem französischen Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt). Sie deklassierte im nordenglischen Harrogate geradezu ihre Konkurrent*innen aus 17 Ländern – insgesamt erhielt sie neun Mal zwölf Punkte und drei Mal zehn Punkte. Neben Lena, die 28 Jahre später gewinnen würde, bleibt Nicole bis heute die einzige deutsche ESC-Siegerin.

Das Gewinnerlied von 1982 – so schreibt die Presse heute – sei wegen des Ukraine-Krieges "aktuell wie nie". Dabei wurde es schon nach seinem Erscheinen wegen des schlagerhaften und naiv-kindlichen Textes als Friedenslied kaum ernstgenommen und galt wegen der biederen Inszenierung auch nicht als stilstiftend.

Der finnische Sänger Kojo, der damals in Harrogate mit einem sarkastischen und aufrüttelnden Friedenslied mit null Punkten den letzten Platz belegte, sagte nach der Show: "Wenn ich sehe, wer hier gewinnt, da bin ich auf dem falschen Festival." Kojos Song hieß "Nuku pommiin" (Schlafe bis zur Bombe). Während er "Wenn du jetzt nicht aufwachst, wirst du niemals aufwachen" sang, trällerte Nicole: "Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen und dass die Menschen nicht so oft weinen."

In der deutschen Musikwelt, in der Anfang der Achtzigerjahre die Neue Deutsche Welle angesagt war, rümpfte man eher die Nase über das "kleine Lied" der braven Teenagerin. In der schwulen Szene oder bei den Hardcore-Grand-Prix-Fans stand man eh eher auf Katja Ebstein oder Joy Fleming. Dennoch erreichte "Ein bisschen Frieden" Platz eins in einem Dutzend Ländern, darunter auch in Großbritannien (als "A Little Peace") – das schafft heutzutage kaum mehr ein Eurovision-Song, schon gar nicht aus Deutschland.

Ralph-Siegel-Festspiele

Im vom Bayerischen Rundfunk organisierten deutschen Vorentscheid war 1982 ohnehin von NDW oder rockigeren Tönen nichts zu hören gewesen – vielmehr handelte es sich um Ralph-Siegel-Festspiele. Der Schlagerkomponist hatte mit Texter Bernd Meinunger nicht nur "Ein bisschen Frieden" geschrieben, sondern landete in "Ein Lied für Harrogate" mit "Peter Pan" von Paola (bekannt als "Verstehen Sie Spaß?"-Moderatorin) auch auf dem zweiten Platz.

Insgesamt schrieb Siegel seit Mitte der Siebzigerjahre 14 deutsche ESC-Finallieder, zuletzt "Let's Get Happy" von Lou im Jahr 2003 (12. Platz unter 26 Liedern). Neben dem Sieg holte er noch drei zweite und zwei dritte Plätze im ESC-Finale. Für andere Länder steuerte er elf weitere Songs bei, von denen aber keines auf dem Treppchen landete.

Direktlink | Wer erinnert sich nicht an die überdrehte Lou und ihre Aufforderung: "Let's get happy and let's be gay"
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Nicole legte übrigens im Anschluss an ihren ESC-Sieg eine recht ordentliche Karriere im deutschen Schlager-Universum hin. Sie landete erst mit netten Mädchen-Liedchen wie "Papillon", "Ich hab' dich doch lieb" oder "Wenn die Blumen weinen könnten", später mit schlüpfrigeren Themen in Schlagern wie "Kommst du heut' Nacht", "Mit dir vielleicht…" oder "Dann küss mich doch" in den deutschen Charts. Bis jetzt bringt sie neue Lieder heraus und geht auf Tour, auch wenn man sie in den Charts inzwischen vergeblich sucht.

Direktlink | In einem Mathematik-Lied aus dem Jahr 2019 singt Nicole: "Ich muss mir überhaupt nichts mehr beweisen."
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Dieses Jahr wird sich wohl – wenn man den Wettbüros traut – der Sieg Deutschlands bei Eurovision Song Contest nicht wiederholen. Der 24-jährige Malik Harris hat mit seinem Song "Rockstars" demnach eine Siegchance von unter einem Prozent (queer.de berichtete). Das ESC-Finale wird am 14. Mai live aus Turin im Ersten übertragen.