Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?41824

Südamerika

Uruguay: Erste trans Abgeordnete Michelle Suárez gestorben

Die Architektin des Gesetzes zur Ehe für alle ist am 22. April an den Folgen einer Herzerkrankung gestorben. Die letzten Lebensjahre der LGBTI-Aktivistin waren von Verurteilungen und Hausarrest geprägt.


Michelle Suárez war von Oktober bis Dezember 2017 für kurze Zeit Mitglied des Senats von Uruguay

Am 22. April ist die Anwältin und Ex-Senatorin der Kommunistischen Partei Michelle Suárez Bértora gestorben. Wie der Direktor der Stelle für Diversität von Montevideo, Sergio Miranda, und die Zeitung "la diaria" bestätigten, wurde sie nur 38 Jahre alt. Laut lokalen Medienberichten starb Suárez an den Folgen einer Herzerkrankung im Krankenhaus.

Die Anwältin und langjährige Aktivistin Suárez gilt als Symbol des Kampfes für LGBTI-Rechte in Uruguay. So war Suárez auch die erste trans Person, die an der Rechtsfakultät der Universidad de la República den Titel einer Anwältin erhielt. Auf dem Diplom erschien ihr Name mit ihrer korrekten Geschlechts­identität als Frau – ein wichtiger Präzedenzfall. Zuvor hatte Suárez einen Antrag auf Änderung ihres Titels und gesetzlichen Namens eingereicht.

- Werbung -

Architektin des Gesetzes zur Ehe für alle

Als Aktivistin im Kampf für die Rechte von trans Personen arbeitete Suárez im Kollektiv Ovejas Negras. Dort war sie auch maßgeblich an der ersten Fassung des Gesetzesprojektes für eine Ehe für alle beteiligt, das am 10. April 2013 angenommen wurde (queer.de berichtete). Bereits zuvor hatte Suárez erreicht, dass zum ersten Mal eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partner*innen anerkannt wurde: Im Juni 2012 gab die uruguayische Justiz dem Antrag der Anwältin statt und erkannte einen uruguayischen und einen spanischen Staatsbürger, die 2011 in Spanien geheiratet hatten, als Ehepartner an.

Im Jahr 2015 veröffentlichte die Band Buenos Muchachos auf ihrer Platte Nidal den Song "A mi manera", den sie Suárez und ihrem Kampf für LGBTI-Rechte gewidmet haben. Dort heißt es in den ersten Zeilen: "Ich will dir erzählen / heute kannst du es verstehen / die Hitze der Hölle / als ich mich zur Frau machte. / Es war in der Schulzeit / ich entschied, ich zu sein / ich habe mich auf das Lernen konzentriert / ich stärkte mich in der Liebe / This is one way, my way, one way" (Das ist eine Art, meine Art, eine Art).

Senatorin der Kommunistischen Partei

Im gleichen Jahr wurde Suárez, die bereits einige Jahre lang Mitglied der Frente Amplio gewesen war, Vertretungssenatorin in der Kommunistischen Partei. Am 9. Oktober 2017, als der titelhabende Abgeordnete Marcos Carámbula zurücktrat, nahm Suárez seinen Platz ein und wurde offiziell zur ersten trans Senatorin in Uruguay.

Allerdings übte Suárez das Amt der Senatorin nur wenige Monate lang aus. Parallel zu ihrem Aufstieg zur Abgeordneten wurde nachgewiesen, dass sie in ihrer privaten Tätigkeit als Anwältin Unterschriften gefälscht hatte. Es handelte sich um den Fall einer Minderjährigen, in dem Suárez als Vertreterin des Vaters und der Tochter aufgetreten war und die Unterschrift des Vaters gefälscht hatte.

Verurteilungen und Hausarrest

Wegen diesem und anderer Fälle, die daraufhin untersucht wurden, trat Suárez im Dezember 2017 von ihrem Amt als Senatorin zurück und verließ die Kommunistische Partei. Es war das Ende ihrer politischen Karriere. Im Jahr 2018 wurde ihr die Anwaltslizenz entzogen, im darauffolgenden Jahr wurde sie zu zwei Jahren Hausarrest und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Grundlage für das Urteil waren fünf Fälle von Unterschriftenfälschung sowie zwei Fälle von Betrug und ein Fall von Falschaussage.

In ihrem letzten öffentlichen Interview im Programm "Todo Pasa" im Radio Océano FM im Jahr 2018 berichtete Michelle Suárez von ihrem Leben unter Hausarrest: "Es ist eigentlich genauso wie früher, nur, dass ich mich jetzt gequält fühle." Außerdem sagte sie: "Die Menschen, die ich auf der Welt gefühlt am meisten betrogen habe, sind schon nicht mehr da: meine Eltern. Die Aufgabe dieser Versöhnung ist eine, die viel Zeit braucht und die in Verbindung mit der Seele geschehen muss. Es braucht Zeit und sehr schmerzhafte Momente".

Dieser Text von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons CC BY-SA 4.0.

26.08.13 | Gleich­behandlung
Erste Eheschließungen in Uruguay
11.04.13 | Deutliche Mehrheit im Parlament
Uruguay öffnet Ehe
-w-

#1 SilyAnonym
  • 25.04.2022, 16:17h
  • -Grundlage für das Urteil waren fünf Fälle von Unterschriftenfälschung sowie zwei Fälle von Betrug und ein Fall von Falschaussage.-

    Sie hätte eine Ikone sein können und dann sowas. Sehr schade.
  • Direktlink »