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Münster

Protestaktion zum 50. Jahrestag der ersten queeren Demo in Deutschland

Queere Aktivist*innen wollen in Münster an die bundesweit erste Demo von sexuellen Minderheiten für gleiche Rechte erinnern.


1972 war noch wenig von der gegenwärtigen CSD-Atmosphäre mit leichtbekleideten Menschen, wummernden Bässen und Sponsoren aus der Wirtschaft zu spüren (Bild: Rosa Geschichte – Schwul-lesbisches Archiv Münster / Repro: Stadt Münster)

  • 27. April 2022, 12:14h 5 2 Min.

Am Freitag jährt sich zum 50. Mal der Jahrestag der ersten queeren Demo in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Am 29. April 1972, knapp drei Jahre nach den Stonewall-Ausschreitungen, zogen gut 200 Demonstrant*­innen unter Führung von Rainer Plein, die meisten von ihnen Schwulenaktivisten, durch die Münsteraner Innenstadt und verlangten zum ersten Mal öffentlich die Akzeptanz von gleich­geschlechtlichen Lebensweisen.

Ein Aktionsbündnis unter Beteiligung des CSD Münster ruft für Freitag zu einer Kundgebung auf, die um 16 Uhr am Schlossplatz beginnt. Anschließend wollen die Aktivist*­innen an der alten Route von 1972 entlangmarschieren. Es werden Redebeiträge der beteiligten Gruppen sowie Musik von Vergissmeinnicht zu hören sein.

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Das Aktionsbündnis möchte mit der Demonstration auch an die radikalen Wurzeln der Bewegung und ihre Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit erinnern. Man verstehe sich als "kämpferische Ergänzung" zum Empfang für geladene Gäste im Rathaus, der am Freitagabend anlässlich des Jahrestages zusammen mit Zeitzeug*innen von 1972 und Vertreter*innen aus der Politik begangen wird. Um allen Interessierten die Teilnahme am Empfang zu ermöglichen, wird der Festakt ab 17 Uhr live ins Internet gestreamt.

Beim Festakt wird auch der sich derzeit im Wahlkampf befindende Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) eine Rede halten. Wüst hatte erst kürzlich erklärt, er setze sich für die Ergänzung des Antidiskriminierungsartikels im Grundgesetz um das Merkmal "sexuelle Identität" ein (queer.de berichtete). Diese Forderung war bisher von der Union blockiert worden.

Posted by CSD Münster e.V. on Tuesday, April 26, 2022
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"Queere Kämpfe müssen radikal bleiben! LSBTIQA erfahren strukturelle und individuelle Diskriminierung auch noch 50 Jahre nach der ersten queeren Demo in Münster", erklärte das Aktionsbündnis. "Diskriminierung auf politischer und gesellschaftlicher Ebene führt zum Beispiel zu maßgeblichen Lohnunterschieden und Menschen müssen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität Gewalterfahrungen im öffentlichen Raum durchmachen. Eine befreite und glückliche Zukunft für alle Menschen zu fordern, heißt für Queers einzutreten." Zudem soll auf der Demo betont werden, dass 1972 keine "Schwulendemo" gewesen sei, sondern dass sich auch Lesben engagiert hätten.

-w-

#1 friendlyUnicornAnonym
  • 27.04.2022, 14:42h
  • "LSBTIQA erfahren strukturelle und individuelle Diskriminierung auch noch 50 Jahre nach der ersten queeren Demo" - traurig, aber dieses Fazit stimmt leider vollumfänglich. Und insbesondere in den letzten gut 10-15 Jahren wurde und wird es wieder deutlich schlimmer.

    Und bzgl. des menschenverarchtenden Zitats des CSU-Heiligen Strauß möchte ich sein Zitat leicht abwandeln (und leider passte es damals wie heute - thematisch, denn damals war ich noch nicht mal ein Gedanke im Kopf meiner Erzeuger): Ich bin lieber ein warmer Bruder als ein kalter Krieger.
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#2 Rosa FliederAnonym
  • 27.04.2022, 14:48h
  • Das ist doch Geschichtsklitterung. Vor den 1990ern und Judith Butler gab es nirgendwo eine "Queerbewegung" und schon gar nicht in der Bundesrepublik. Es gab Schwulendemos, später waren es dann CSDs oder es gab Frauen- und Lesbendemos. Dabei war es natürlich nicht ausgeschlossen, dass die eine Gruppe bei der anderen mitlief, weil man oft für die gleiche Sache kämpfte. nämlich gegen die gesellschaftliche Kriminalisierung, wie bei § 175 oder § 218. Auf der anderen Seite gab es auch damals schon tiefe Differenzen und massive Gegensätze, wie zum Beispiel bei den Themen Pädophilie, Prostitution oder Pornographie.
    Ich kann Leute einfach nicht mehr ernstnehmen, die anderen etwas über unsere Geschichte erzählen wollen, aber noch nicht einmal die Basics im eigenen Land zu kennen scheinen oder sie einfach verbrämen.
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#3 PetterAnonym
  • 27.04.2022, 15:10h
  • Traurig, dass wir auch 50 Jahre später immer noch erklären müssen, warum wir gleiche Rechte wie alle anderen haben wollen.
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