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Florida

Homophober Trump-Fan zu 25-Seiten-Aufsatz über Orlando-Massaker verurteilt

Mit einer kreativen Strafe geht ein Gericht gegen einen jungen Trump-Fan vor, der einen Regenbogen-Zebrastreifen beschädigte und damit für Angst in der queeren Community sorgte.


Die Lokalnachrichten berichteten ausführlich über die Beschädigung des Regenbogen-Symbols (Bild: Screenshot / CBS Miami)

Ein Gericht in Delray Beach (US-Bundessstaat Florida) hat vergangene Woche einen 20-Jährigen verurteilt, der im Juni 2021 während einer Autodemo für den republikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump einen Regenbogen-Zebrastreifen mutwillig mit dem Geländewagen seines Vaters beschädigt hatte, indem er Bremsspuren erzeugte. Der Zebrastreifen war erst zwei Tage zuvor anlässlich des Pride-Monats eingeweiht worden.

Der Richter ordnete als Strafe an, dass der zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alte Täter Alexander J. einen 25 Seiten langen Aufsatz über das Massaker im queeren Club Pulse vor knapp sechs Jahren schreiben muss. Ein islamistischer Terrorist war im Juni 2016 mit Waffen in den Club im nahegelegenen Orlando eingedrungen und hatte 49 Menschen erschossen, bevor er sich selbst das Leben nahm (queer.de berichtete). Der Vandalismus-Täter muss den Aufsatz bis Anfang Juni abgeben. Der Richter gab ihm laut "Washington Post" folgende Aufgabe: "Ich will Ihre eigene Zusammenfassung darüber, warum viele so hasserfüllt sind und auf die Gay-Community einschlagen."

Direktlink | Ein Lokalsender berichtet über die Verurteilung
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Laut "Palm Beach Post" weinte der Täter während der Urteilsverkündung. Er sagte im Verfahren nicht, warum er das queere Symbol beschädigt hatte. Er erklärte lediglich: "Ich hatte Probleme, Anschluss an andere Menschen zu finden. Ich habe nur versucht, von anderen akzeptiert zu werden." Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, bezahlte J. bereits 2.003 Dollar (rund 1.900 Euro), um die Beschädigungen am Zebrastreifen zu entfernen.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine schärfere Strafe gefordert: Ihrer Ansicht nach sollte J. 30 Tage in einem Gefängnis verbringen und außerdem eine fünfjährige Haftstrafe auf Bewährung erhalten.

"Mach die schwule Kreuzung kaputt"

Alexander J. war festgenommen worden, nachdem ein Video von seiner Tat aufgetaucht war. Laut einem Zeugen, der ebenfalls an der Demo anlässlich von Trumps Geburtstag teilgenommen hatte, habe ein Mann im Auto geschrien: "Mach die schwule Kreuzung kaputt". Ursprünglich wollte die Staatsanwaltschaft den Täter wegen eines Hassverbrechens anklagen. Davon wurde aber später abgesehen, weil J. keinen Menschen, sondern nur eine Sache attackiert habe. J. bekannte sich bereits im März der Sachbeschädigung und des rücksichtlosen Autofahrens schuldig.

Die Tat hatte Aufruhr in der queeren Community in Süd-Florida verursacht. Aktivist Rand Hoch erklärte, dass sich viele queere Menschen nach der Tat nicht mehr sicher fühlten. Während des Verfahrens hatte sich J. bei der LGBTI-Community entschuldigt.

Die republikanische Regierung in Florida gilt als extrem queerfeindlich. Erst Ende März unterzeichnete Gouverneur Ron DeSantis eine Art "Homo-Propaganda"-Gesetz an Schulen (queer.de berichtete). Vergangene Woche sanktionierte die Regierung zudem den Disney-Konzern, weil der Vorstandschef dieses Gesetz kritisiert hatte (queer.de berichtete). (dk)



#1 HexeAnonym
  • 27.04.2022, 17:53h
  • Das ist ein wirklich gutes Urteil und bringt für alle Seiten mehr als wenn man den Täter einfach einen Monat eingesperrt hätte. So gibt es einen Lerneffekt, es kostet den Staat weniger Steuern und der Täter wird sich eher nicht im Knast radikalisieren. Gerade da er ja eher ein Mitläufer ist und mehr aus Dummheit, denn Hass gehandelt hat.
    Zudem zeigte er ja Reue und hat schon eine Strafe bezahlt.
    Gerade im Hinblick auf das amerikanische Gerichtssystem ne gute Sache.
    Bestrafung sollte nie das Ziel sein, sondern Wiedergutmachung und Resozialisierung.
    Würde ich mir hierzulande auch mehr wünschen.
    Natürlich nur sofern man bei den Tätern noch einen Sinneswandel erhoffen kann.
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#2 Ith_Anonym
  • 28.04.2022, 08:51h
  • "Ich will Ihre eigene Zusammenfassung darüber, warum viele so hasserfüllt sind und auf die Gay-Community einschlagen."

    Also, wenn er mir so eine Aufgabe geben würde, würde er sich hinterher umgucken, wenn er das liest :D

    Ok, gut, wenn glaubhafte Reue gezeigt wird, könnte dabei was Konstruktives rauskommen. Idealerweise kommt am Ende Empathie dabei heraus. Mir fallen aber genügend Leute ein, die auf den 25 Seiten wunderbar ausführen könnten und würden, wieso es total okay und richtig ist und war, LGBT*IQA am liebsten tot sehen zu wollen, und dass es mehr Vorfälle der Art bräuchte. Also, wenn man so eine Aufgabe an die falsche Person gibt, könnte so ein Schuss ganz schön nach hinten losgehen. Oder ist das vielleicht sogar die Intention, wenn man sich ansieht, wie sich die Ecke dort entwickelt?
    Find's gerade eine nette Idee für eine Kurzgeschichte.
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