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Norwegen

Handballer Ola Hoftun Lillelien outet sich als schwul

Ein Spitzensportler aus Norwegen spricht erstmals über seine Homosexualität – und zitiert dabei seinen König.


Ola Hoftun Lillelien spielt seit mehreren Jahren in Drammen, einer 100.000 Einwohner*innen zählenden Stadt in der Nähe von Oslo (Bild: Drammen HK)
  • 27. April 2022, 15:21h 10 2 Min.

Der 22-jährige Handballspieler Ola Hoftun Lillelien vom norwegischen Erstligisten Drammen HK hat sich in einem Instagram-Eintrag als schwul geoutet. "Ich habe meiner Familie, meinen Freunden und meinen Mannschaftskameraden gesagt, dass ich wohl nicht ein süßes Mädel, sondern einen hübschen Jungen landen werde. Die Reaktionen waren ausschließlich positiv", so der Spieler des zweimaligen Landesmeisters vergangenen Donnerstag. Sein Instagram-Eintrag hat inzwischen rund 10.000 Likes erhalten.

Anlass für das Coming-out war der 50. Jahrestag, an dem Norwegen Homosexualität legalisierte (queer.de berichtete). Lillelien dankte den Aktivist*innen, ohne die dieser Schritt nicht möglich gewesen wäre, und äußerte die Hoffnung, dass ein derartiges Coming-out inzwischen "keine große Sache" mehr sei. Zudem erklärte der gebürtige Osloer, dass Sport für alle da sei.

Er zitierte außerdem eine Aussage des norwegischen Königs Harald V. aus dem Jahr 2016. Der Monarch hatte damals in einer Rede seine Landsleute zur Toleranz aufgerufen und gesagt: "Norwegerinnnen und Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, Jungs, die Jungs lieben, und Jungs und Mädchen, die einander lieben."

Gegenüber dem Fernsehsender NRK erklärte Lillelien, er habe als Reaktion auf seinen Instagram-Eintrag viele positive Nachrichten erhalten, aber auch zwei negative Botschaften. In einer wurde er aufgefordert, im Frauenteam zu spielen, in der anderen hieß es, er sei kein Vorbild. Mit diesen Reaktionen könne er aber leben. "Ich war überrascht, dass nicht mehr Negatives kam", so der Sportler.

Kjære Ola. Du er ikke den største fysisk på banen, men som menneske er du ufattelig stor. Du er vårt forbilde. Du er en ærlig, herlig og modig gutt. Vi er så stolte av deg og du er et forbilde for oss alle.

Posted by Drammen Håndballklubb on Sunday, April 24, 2022
Facebook / Drammen Håndballklubb | "Du bist ein Vorbild für uns alle", schrieb Lilleliens Verein nach dem Coming-out
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Coming-outs in Mannschaftssportarten der Männer sind immer noch eine Seltenheit. 2020 outete sich etwa der amerikanische Volleyball-Star Benjamin Patch, der beim deutschen Erstligateam Berlin Recycling Volleys seine Brötchen verdient (queer.de berichtete).

Auch im deutschen Handball-Sport kam es zuletzt zu Kritik an Homophobie: Anfang des Jahres kritisierte der Handball-Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla die Queerfeindlichkeit der ungarischen Regierung (queer.de berichtete). Anlass war die Handball-Europameisterschaft, die vom 13. bis zum 30. Januar in Ungarn und der Slowakei stattfand. Europameister wurde Schweden, Deutschland landete auf dem siebten Platz. (dk)

-w-

#1 PetterAnonym
  • 27.04.2022, 18:29h
  • """Ich habe meiner Familie, meinen Freunden und meinen Mannschaftskameraden gesagt, dass ich wohl nicht ein süßes Mädel, sondern einen hübschen Jungen landen werde. Die Reaktionen waren ausschließlich positiv"""

    Ja, wir leben im 21. Jahrundert.

    Und Ewiggestrige, die immer noch geistig in vergangen Jahrhunderten feststecken, sollten einen nicht interessieren.

    """dass ein derartiges Coming-out inzwischen "keine große Sache" mehr sei. Zudem erklärte der gebürtige Osloer, dass Sport für alle da sei."""

    Leider ist es noch nicht überall so, aber so sollte es sein. Und es geht (zumindest in zivilisierten Ländern) immer mehr in diese Richtung.

    """Gegenüber dem Fernsehsender NRK erklärte Lillelien, er habe als Reaktion auf seinen Instagram-Eintrag viele positive Nachrichten erhalten, aber auch zwei negative Botschaften. In einer wurde er aufgefordert, im Frauenteam zu spielen, in der anderen hieß es, er sei kein Vorbild. Mit diesen Reaktionen könne er aber leben."""

    Ganz ehrlich: 2 (in Worten: zwei!!) negative Reaktionen von kruden Personen, die z.B. meinen Schwule gehören in eine Frauenmannschaft interessieren NIEMANDEN.

    Die sollen weiter in ihrer Parallelwelt leben und sich von ihrem Hass zerfressen lassen, während alle anderen glücklich und frei sind.
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#2 guardiannrwAnonym
  • 27.04.2022, 23:29h
  • Antwort auf #1 von Petter
  • Da möchte man selber noch mal 20 sein!Ich wünsche dem nordischen Schnuckel, wie auch allen anderen in dem "Alter", ein diskriminierungsarmes Leben.Leider hatte ich es mit 20 und auch mit 56 Jahren nicht.Damals war man der "unreife Bengel, und diese perverse Verirrung" wächst sich raus.HEUTE wird man angefeindet als "alternder Sabbergreis" oder als Pädo verunglimpft.
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#3 nichtbinärePersonAnonym
  • 28.04.2022, 02:44h
  • Antwort auf #1 von Petter
  • "Und Ewiggestrige [...] sollten einen nicht interessieren."

    Das ist so leicht dahingesagt. Was aber, wenn z.B. diese ewiggestrige Person die eigene Mutter ist? Ich kenne einen 25jährigen Schwulen, der ein totaler Familienmensch ist. Er ist voll in eine Großfamilie integriert, aber ungeoutet. Seine Mutter, streng katholisch, hat schon immer wieder mal Bemerkungen über Schwule fallen lassen - natürlich nur abwertende.

    Der junge Mann hat seit Jahren tierische Angst, sich gegenüber der Familie zu outen, weil er fürchtet, dadurch seinen gesamten Familienverband zu verlieren.

    Sowas soll einen also nicht interessieren?

    Übrigens spreche ich von der Jetztzeit. Ich selbst weiß sehr gut, wie sich das für ihn anfühlt, weil ich mich 1990 gegenüber meiner Familie geoutet habe. Meine Mutter kommt bis heute nicht damit klar, meine Schwester findet alles und jede_n "abartig", der_die nicht in ihren winzigen Kleinstadthorizont passt, und sie hat ihren inzwischen erwachsenen Töchtern (meinen Nichten) streng den Kontakt mit mir verboten - diese halten sich bis heute daran.

    Ich habe es also selbst erlebt, von einem Großteil der Familie nicht akzeptiert bzw. sogar verstoßen zu werden. Deshalb kann ich sehr gut nachempfinden, was für eine riesige Angst der junge Mann auch heute noch hat.

    Vielleicht ist verständlich, dass ich dann durchaus leicht allergisch darauf reagiere, wenn ich höre, ein solches Verhalten sollte "eine_n nicht interessieren". Auch heute noch werden queere Menschen von ihren Familien verstoßen, sie werden teils rausgeworfen und müssen sich von jetzt auf gleich eine Unterkunft suchen. Das ist alles nicht lustig. Und vor allem sollte eine_n das durchaus "interessieren".

    Die ganze Gesellschaft sollte das interessieren. Eltern verstoßen ihre Kinder, die sie angeblich lieben, weil sie sind, wie sie sind und den Mut aufgebracht haben, dazu zu stehen. Auch heute noch.

    Der junge Mann hat mir jedenfalls gesagt, er traut sich erst, sich zu outen, wenn er eine feste, ausreichend bezahlte Anstellung gefunden hat (er hat gerade erst sein Studium abgeschlossen) und sich sicher eine eigene Wohnung leisten kann - und er lebt noch dazu in einer Umgebung mit extrem hohen Mieten. Bis dahin leidet er dann eben mal unter schweren Depressionen. Auch nicht gerade die beste Voraussetzung, einen guten Job zu finden.

    Für Viele bedeutet ein Outing also einen kompletten Bruch des bisherigen Lebenswegs und im schlimmsten Fall einen Neuanfang bei Null incl. zeitweiligem Leben auf der Straße, für manche sogar totales Abrutschen und Selbstmord.

    Mich interessiert das jedenfalls durchaus.
    Ich mache es mir nicht so leicht, einfach zu sagen, "das braucht eine_n nicht zu interessieren".
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