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Erste Homosexuellendemonstration

50 Jahre nach der Demo von Münster: Grundgesetz ändern!

Der Mut und die Courage der Menschen, die vor 50 Jahren in Münster auf die Straße gingen, sind Auftrag an uns heute, den gesellschaftlichen Weg zu voller Akzeptanz und Gleichberechtigung konsequent weiterzugehen. Ein Gastbeitrag von Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen.


Hendrik Wüst (CDU) ist seit dem 27. Oktober 2021 Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen (Bild: Land NRW / Tobias Koch)

1972 – das war eine politisch sehr bewegte Zeit, auch und gerade im Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller. Zwar waren die schlimmsten Repressionen durch den Paragrafen 175 StGB bereits 1969 abgeschafft worden. Dennoch wurden Schwule, Lesben, Bisexuelle, trans- oder intergeschlechtliche Menschen immer noch an den gesellschaftlichen Rand gedrängt und massiv diskriminiert. Tausenden von Menschen ist in dieser Zeit und danach großes Unrecht widerfahren. Dieses Unrecht muss uns alle mit Scham erfüllen.

Heute, im Jahr 2022, hat es für die überwältigende Mehrheit der Deutschen dagegen keinerlei Bedeutung mehr, wer wen liebt. Für mich ist klar: in einer demokratischen, offenen Gesellschaft muss auch die Liebe frei sein! Ein Staat, der sich in die sexuelle Identität oder Orientierung seiner Bürgerinnen und Bürger einmischt, ist ein übergriffiger und unfreier Staat.

Meilenstein für die queere Bewegung

Führt man sich vor Augen, was die LSBTIQ* Community seit der Münsteraner Demonstration vor 50 Jahren im Kampf für ihre Rechte erreicht hat, wird einem klar, mit welchen enormen Anstrengungen der Weg dorthin verbunden war. Münster 1972 war ein Meilenstein – nicht nur für die queere Bewegung in Münster, sondern bundesweit.

Reinhard Schmidt, der damals für die Demo aus Bochum nach Münster gereist war, sagte mir in einem Gespräch: "Diese Demo sollte ein Aufrütteln sein: Wir sind da und bleiben auch!" Nach Anne Henscheid und Rainer Plein, die damals die Demo federführend mitorganisierten, sind in Münster heute Straßen benannt. In diesem Jahr wird durch verschiedene Veranstaltungen an das besondere Jubiläum von Münster erinnert. Es ist ein guter Zeitpunkt, um für einen Moment stolz und zufrieden auf das Erreichte zurückzublicken. Ein Anlass, mit dem Engagement jetzt nachzulassen, ist es allerdings nicht.

Zusammen sind wir stark – Grundgesetz ergänzen

Denn noch immer werden Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und ausgegrenzt. Hier ist eines besonders wichtig: Solidarität! Wohl kaum eine gesellschaftliche Gruppe hat in den vergangenen 50 Jahren so deutlich erlebt wie die LSBTIQ* Community, was das heißt: "Zusammen sind wir stark!"

Die Unterstützung für die Community muss aber aus allen Teilen der Gesellschaft kommen. Die umfassende Verbesserung der Lebenssituation von LSBTIQ* Menschen in Nordrhein-Westfalen ist in einem modernen und weltoffenen Land eben kein Randthema, sondern ein wichtiger Grundsatz der Politik. Deshalb unterstütze ich die Idee, den Artikel 3 Absatz 3 unseres Grundgesetzes um das Merkmal der sexuellen Identität zu ergänzen.

Anderen Mut machen, sich Gehör zu verschaffen

Viel hat sich seit der Demo von Münster verändert. Aber auch heute kommt es noch auf das Engagement jedes Einzelnen an, um volle Gleichberechtigung zu erreichen. Den vielen Ehrenamtlichen, die durch Beratung, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ihren Beitrag dazu leisten, danke ich anlässlich diese Jubiläums ganz besonders. Ihr Engagement ist unverzichtbar, weil es anderen Mut macht, sich Gehör zu verschaffen.

Lassen Sie uns gemeinsam den Kampf für Gleichberechtigung und Teilhabe weiterführen. Lassen Sie uns gemeinsam sichtbar machen, dass queeres Leben in unserem Land heute freudvoll, selbstbestimmt und selbstverständlich ist! Unser Nordrhein-Westfalen ist vielfältig und bunt. Darauf sollten wir stolz sein: jeden Tag. So stolz wie auf jene Frauen und Männer, die am 29. April 1972 in Münster mutig und couragiert für eine offene und tolerante Gesellschaft auf die Straße gingen.



#1 TimonAnonym
  • 28.04.2022, 15:53h
  • Herr Wüst,

    wenn Sie dieses Thema jahrelang nicht interessiert hat und zwei Wochen vor der Landtagswahl werden sie auf einmal ganz emsig, dann kann ich Ihnen das nicht so richtig glauben.

    Außerdem ist es einfach, etwas zu versprechen, wenn man weiß, dass das eigene Verhalten eh keinen Einfluss auf das Gesamtergebnis hat.

    Wo sind denn die ähnlichen Bekenntnisse aus der Bundespartei? Insbesondere von Herrn Merz?

    Denn ob die Änderung von Art 3 GG kommt oder nicht, scheitert nicht an den anderen Parteien, sondern nur an der CDU.
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#2 DominicAnonym
#3 Volker WAnonym
  • 28.04.2022, 16:39h
  • Vielen Danke für den sehr guten Beitrag Herr Wüst! Ihre Regierungskoalition hat in den letzten Jahren deutlich mehr Geld bereitgestellt für LGBTQI+-Belange als die Vorgänger-Regierungen. Vielen Dank dafür!
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#4 UB OdenthalAnonym
  • 28.04.2022, 16:48h
  • Antwort auf #1 von Timon
  • Na, anstatt zumindest anzuerkennen, dass sie die CDU hier (endlich) bewegt, gibt es wieder Schelte, was ja zu erwarten war!
    Wenn der CDU-Ministerpräsident des größten Bundeslandes sich nun für die Ergänzung von Art. 3 GG ausspricht, hat das schon Gewicht. Denn immerhin wird auch im Bundesrat eine 2/3-Mehrheit bei der Ergänzung des GG benötigt. Die dort allseits beliebten Enthaltungen bei strittigen Themen sind ja faktisch Nein-Stimmen.
    Also kann es doch nur gut sein, dass der erste CDU-Ministerpräsident - nach Tobias Hans, der aber ja nicht mehr im Amt ist - sich dafür ausspricht.
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#5 SuperAnonym
  • 28.04.2022, 16:57h
  • Sehr positiv! Nun müssen die anderen Parteien auch liefern und können das mal aufgreifen und Herrn Merz auffordern sich auch zu beteiligen. Und Frau Wagenknecht von der Linkspartei kann auch mal damit aufhören, dass als Lifestyle Thema bzw. Nischenthema zu diffamieren!
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#6 AtreusProfil
  • 28.04.2022, 17:10hSÜW
  • Antwort auf #4 von UB Odenthal
  • Wir halten fest: Es gibt Zufälle, die man kaum glauben kann, z.B. Gesinnungswechsel, die zeitlich in Landtagswahlkämpfe fallen.

    Wir halten weiterhin fest: Wer Menschenrechte im Grundgesetz verankern will, muss nicht wiedergewählt werden, sondern hat auch in Opposition die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen und bei der entsprechenden Abstimmung als Parlamentarier zu votieren.

    Wir halten außerdem fest: Dass ein CDU-Mann >>2022<< mit der Forderung nach Diskriminierungsschutz von ehemals in und durch dieses Land verfolgten, gefolterten, vergasten und anderweitig zu Tode gebrachten Menschen an die Öffentlichkeit tritt, lässt weder die innere Verfassung der Bundesrepublik gut aussehen, noch RotRotGrün, die offenbar unfähig oder -willens sind, diese Lücke zu füllen.
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#7 MoKiAnonym
  • 28.04.2022, 17:25h
  • Die Umfragen zur Landtagswahl müssen verdammt knapp sein.

    Durchschaubares Wahlkampfgetöse!
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#8 LeroAnonym
  • 28.04.2022, 17:25h
  • Antwort auf #4 von UB Odenthal
  • Anerkennung bekommt man durch Taten nicht durch blabla kurz vor der Wahl.

    Ob die CDU sich wirklich bewegt wird man sehen wenn irgendwann vlt. mal über die Grundgesetzänderung abgestimmt wird. Wofür die aktuelle Regierung ja keine 2/3 Mehrheit hat, also auf die anderen Parteien angewiesen ist.

    Nur dann aber wir NUR dann würde die CDU Anerkennung von mir bekommen.
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#9 Wahlberliner
  • 28.04.2022, 17:26h
  • Antwort auf #6 von Atreus
  • Ich frage mich wirklich, wie verbittert man sein muss, wenn man die begrüßenswerte Stellungnahme von Herrn Wüst derartig in den Dreck zieht.
    Natürlich ist die Union lange auf der Seite der Diskriminierer gewesen, aber gerade DAS ist doch der Fortschritt, wenn eine Mitte-Rechts-Partei dazu beiträgt, dass wir mittlerweile einen breiten gesellschaftlichen Konsens gegen Diskriminierung haben.
    Bravo, Herr Wüst!
    (PS CDU wähle ich natürlich trotzdem nicht. Sondern stets FDP, SPD oder Grüne. Habe noch nie etwas anderes gewählt)
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#10 KreisbewohnerAnonym
  • 28.04.2022, 17:41h
  • Antwort auf #7 von MoKi
  • Nettes Wahlkampfmanöver und reizender Beifall der LSU-Schwuppen. Wo war denn eigentlich der Herr Wüst, als es darum ging, dass im Gymnasium Burlo, welches vom Oblatenorden geführt wird, aber staatlich anerkannt ist, der Protest, als ein Referendar nicht übernommen wurde, weil er in einer Lebenspartnerschaft lebt? Das war dort bereits der zweite Fall, der mir bekannt wurde.

    Der Herr Wüst ist in Rhede geboren und besitzt dort seinen Wahlkreis, Burlo ist keine 15 km von ihm entfernt und gehört ebenso zum Landkreis Borken wie Rhede.

    Ja, ja ,was tut man nicht alles, wenn das Wahlergebnis knapp ausgehen wird. Da werden noch die letzten Heuler umworben, die ja sonst wie der Herr Merz meint, ja stets versucht sind Kinder anzufassen.

    Ja, die Versuchung des Herrn Wüst & Co, der Herr Spahn als Vorzeigetucke kommt ja aus dem 30 km weiter entfernten Ahaus (Kr. Borken), liegt aber auf anderen Gebieten, ich denke da an die Ortsumgehung Rhede und den Profit für den lokalen CDU-Bauunternehmer. Man fasst eben halt dafür gern etwas anderes an - auch wenn es schmierig ist.
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