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Reform

Blutspenden: Kanada schafft Wartezeit für schwule Männer ab

Das flächenmäßig größte Land Nordamerikas beendet die spezielle Sex-Karenzzeit für schwule und bisexuelle Männer. Doch an den neuen Richtlinien gibt es weiter Kritik von queerer Seite.


Weltweit gibt es Debatten, welche Richtlinien für Blutspenden angemessen sind (Bild: michellegordon2 / pixabay)

Kanada will künftig Männer beim Blutspenden unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung gleich behandeln. Wie der Blutspendedienst Canadian Blood Services am Donnerstag bekannt gab, würden Personen nur noch nach ihrem Risikoverhalten und nicht mehr nach ihrer sexuellen Orientierung beim Blutspenden befragt. Die neuen Richtlinien seien bereits von der Behörde Health Canada abgesegnet worden. Damit reagiert das Land auf langjährige Forderungen von LGBTI-Organisationen. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau bezeichnete bei einer Pressekonferenz am Donnerstag die alten Regeln als "diskriminierend und falsch".

Direktlink | Bei einer Pressekonferenz stellt Regierungschef Trudeau die Reform vor
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Bislang dürfen Männer, die Sex mit Männern haben, nur nach einer mehrmonatigen Sexpause Blut spenden. 2019 gab das Gesundheitsministerium eine Verkürzung dieser Karenzzeit von zwölf auf drei Monate bekannt (queer.de berichtete). Dies wurde aber nach wie vor als diskriminierend angesehen, weil nicht das tatsächliche Risikoverhalten, sondern die sexuelle Orientierung über die Möglichkeiten, Blut zu spenden, entscheide.

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Nach den neuen Richtlinien werden alle Blutspendewilligen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder von ihrem Geschlecht nach ihren Sexualpartner*innen in den letzten drei Monaten befragt. Menschen, die in den vergangenen drei Monaten als risikoreich eingestuften sexuellen Verkehr hatten, sollen demnach nicht spenden dürfen.

Queere Kritik an neuen Richtlinien

Aktivist Christopher Karas, der 2016 eine Beschwerde gegen die Einschränkungen für Männer, die Sex mit Männern haben, eingebracht hatte, bezeichnete die neuen Richtlinien zwar als Verbesserung, kritisierte aber einige Details. So sieht er kritisch, dass der Blutspendedienst etwa jeglichen Analverkehr – egal ob hetero- oder homosexuell – als Risiko-Sex betrachtet, der zu einem dreimonatigen Ausschluss führt. Das gilt selbst für treue schwule Ehemänner.

"Ich würde gerne die Neuigkeiten begrüßen, echt! Es ist ja irgendwie historisch, dass die Sex-Wartezeiten abgeschafft werden", so Karas gegenüber CBC News. "Aber ich weiß, dass viele schwule, bisexuelle und trans Leute immer noch ausgeschlossen werden. Es ist unglücklich, dass die Regierung diesen Weg gewählt hat." So werde in den neuen Fragebogen weder nach Vaginalsex noch nach Kondomgebrauch gefragt. "Sie stigmatisieren uns weiter mit dieser neuen Regel", erklärte Karas.

Auch Personen, die das HIV-Prophylaxemedikament PrEP benutzen, dürfen nicht sofort spenden, sondern erst vier Monate nach der Absetzung. PrEP ist in Deutschland seit 2019 Kassenleistung (queer.de berichtete).

Dr. Graham Sher, der Chef der Canadian Blood Services, verteidigte die neuen Richtlinien, weil Analsex ein "signifikant höheres Risiko für die Übertragung von Krankheiten wie HIV" mit sich bringe. Weiter erklärte er, dass nicht nach Kondomgebrauch gefragt werde, weil Menschen sich seiner Ansicht nach nicht immer daran erinnern könnten, ob sie in allen sexuellen Begegnungen der letzten drei Monate Kondome genutzt hätten.

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In Deutschland werden heterosexuelle und homosexuelle Spendewillige derzeit unterschiedlich behandelt. Seit letztem Herbst gilt für letztere eine verkürzte Sex-Karenzzeit von zwölf auf vier Monate, auf die bei einem seit längerem monogam lebenden Paar verzichtet wird (queer.de berichtete). Auch trans Personen werden in den aktualisierten Fragebögen weiter gesondert erwähnt. Die Ampelkoalition hat in ihrem Koalitionsvertrag aber versprochen, Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Orientierung abzuschaffen (queer.de berichtete). (dk)



#1 aux_Anonym
  • 29.04.2022, 15:04h
  • "... sondern erst vier Monate nach der Absetzung..."

    Also zunächst das Übertragungsrisiko über vier Monate gezielt erhöhen, um sodann "sauberes" (im Sinne des Gesetzes) Blut aus der betreffenden Zielperson zu gewinnen?

    Ist das nur weltfremd oder schon schlimmer?
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#2 AtreusProfil
#3 Für michAnonym
  • 30.04.2022, 21:49h
  • Für mich ist die Sache geklärt. Da man mein Blut nicht will, habe ich für mich auch eine Organspende ausgeschlossen. Diese Gesellschaft kann mich mal.
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#4 Pu244Anonym
  • 01.05.2022, 02:09h
  • Antwort auf #1 von aux_
  • Es geht wohl darum, dass PrEP eine nicht verhinderte HIV Infektion unterdrückt und so nicht nachweisbar machen kann. Nach 4 Monaten sollte es hingegen dann klar nachweisbar sein, Von daher hat das schon seine Richtigkeit.

    Insgesamt ist das ganze eine bedeutende Verbesserung. Nur der Kondomgebrauch sollte noch mit berücksichtigt werden.
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