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Bloc Party

Die Zeitlosigkeit des Indie Rock

Sechs Jahre nach ihrem letzten, eher verspielten und experimentellen Album "Hymns" besinnen sich Bloc Party im Nachfolger "Alpha Games" auf tanzbare Offbeats, verzerrte Gitarrenriffs und eingängige Hooklines.


Die englische Indie-Rock-Band Block Party wurde 1998 in London unter dem Namen Angel Range von Kele Okereke und Russell Lissack gegründet (Bild: Wunmi Onibudo)
  • Von Luca Glenzer
    30. April 2022, 07:25h, noch kein Kommentar

Der Indie-Hype Mitte der 2000er Jahre war ungefähr genauso schnell wieder vorbei, wie er gekommen war. Doch einige der damals federführenden Bands sind bis heute aktiv. So wie Bloc Party, die am Freitag ihr sechstes Album "Alpha Games" (Amazon-Affiliate-Link ) veröffentlicht haben.

"Silent Alarm", das Debütalbum der Londoner Band um Frontmann Kele Okereke, schlug im Jahr 2005 ein wie eine Bombe. Die Kritiken überschlugen sich, die Band ging auf eine ausgedehnte Welttournee, und eine Indieparty ohne ihren Überhit "Banquet" war fortan genauso wahrscheinlich wie eine 90er Jahre Party ohne "Macarena": Nämlich gar nicht.

Auch die darauffolgenden Alben "A Weekend in the City" und "Intimacy" aus den Jahren 2007 und 2008 profitierten noch von der Indie-Popularität jener Jahre, doch dann wurde es ruhiger um die Band. 2012 und 2016 folgten noch zwei weitere Alben, doch die Resonanz blieb mäßig, ebenso die Begeisterung jener Kritiker*innen, die zehn Jahre zuvor noch den intellektuellen Überbau von Bloc Partys Ruhm beigesteuert hatten.

Eine Zeitreise


Das neue Album "Alpha Games" ist am 29. April 2022 erschienen

Nun, immerhin sechs Jahre nach ihrem letzten, eher verspielt und experimentell gehaltenen Album "Hymns", erscheint mit "Alpha Games" das insgesamt sechste Studioalbum von Bloc Party. Und für einen kurzen Moment fühlt man sich in eine Zeit zurückversetzt, in der der Präsident der Vereinigten Staaten George W. Bush hieß und der neu gewählte Papst Benedikt XVI.

Aber nein, auch wenn "Alpha Games" sich gerade im Kontrast zu seinem Vorgänger wieder stärker auf die charakteristischen Elemente aus Bloc Partys Frühzeit wie tanzbare Offbeats, verzerrte Gitarrenriffs und eingängige Hooklines besinnt, gibt es dann doch ein paar Wegmarker, die darauf hinweisen, dass wir uns im Jahr 2022 befinden und uns damit Schauergestalten wie Bush und Benedikt glücklicherweise längst entledigt haben.

Unglücklicherweise wurden deren Plätze – so will es die Dialektik der Geschichte – eben oft auch nur durch andere Schauergestalten ersetzt, etwa durch einen Boris Johnson, der das britische Empire seit knapp drei Jahren mit einer kruden Mischung aus nationalem Populismus, einer neoliberalen Steuerpolitik und illegalen Partys in Downing Street regiert.

Wut auf das politische Zeitgeschehen

Auf ihn und die verheerenden Folgen seines politischen Wirkens hat es Kele Okereke aktuell besonders abgesehen. In einem vorab veröffentlichten Interview warf er dem Premierminister bewusste Lügen vor und zeigte sich doppelt desillusioniert, dass der verbrecherische Krieg Russlands gegen die Ukraine allem Anschein nach das politische Überleben Johnsons gesichert habe, indem er die Aufmerksamkeit der britischen Öffentlichkeit von dem Partygate-Skandal und dem allgemeinen politischen Versagen der britischen Regierung absorbiert und gen Osten gelenkt habe.

Die durch die politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre hervorgerufene Wut ist auf "Alpha Games" nur schwer zu überhören: "Ich wollte ein kühles und seltsames Album machen", sagt Okereke dazu. Das politische Zeitgeschehen wird dabei aber zumeist nicht in konkreter, sondern eher in abstrakter Weise thematisiert: So drehen sich Songs wie "Rough Justice" oder "If We Get Caught" um toxische Tendenzen wie Manipulationsversuche in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das abschließende "The Peace Offering" wiederum handelt von der Erfahrung, mit einigen Jahren Abstand die ungesunden Mechanismen einer vergangenen Beziehung zu erkennen und ist insofern ein versöhnlicher Abschluss eines in Gänze eher unversöhnlichen Albums.

Direktlink | Offizielles Video zu "Traps"
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Bei all der Schwere, die in den Texten von Kele Okereke mitunter mitschwingt, lässt einen die Musik auf "Alpha Games" die Schwere der Gegenwart mitunter vergessen. So etwa im pulsierenden und bereits vorab ausgekoppelten "Traps", das von den zwingenden Off-Beats von Schlagzeugerin Louise Bartle, einem stoisch-eingängigem, verzerrten Gitarrenriff von Okerekes kongenialem musikalischen Partner Russell Lissack und nicht zuletzt natürlich von Okerekes charismatischem und eingängigen Gesang lebt und so zu einem Bloc-Party-Hit in Reinform geworden ist.

Besinnung auf die musikalischen Stärken

Die Breite der musikalischen Ausdrucksformen von Bloc Party wird im Kontrast dazu in atmosphärischeren Tracks wie "Of Things Yet To Come" oder dem bereits angeführten "The Peace Offering" deutlich, die schwermütiger und melancholischer daherkommen. In letzterem versucht Okereke sich an einer Art Spoken-Word-Vortrag und beweist dabei einmal mehr die enorme Vielschichtigkeit seiner Stimme.

Direktlink | Audio-Video zu "The Peace Offering"
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"Alpha Games" ist alles andere als ein innovatives oder wegweisendes Album, doch das muss es vielleicht auch gar nicht sein. 17 Jahre nach ihrem Debüt und zwischenzeitlichen musikalischen Experimenten auf Alben wie "Four" oder "Hymns" besinnen Bloc Party sich auf die musikalischen Stärken ihrer frühen Alben und unterstreichen damit, dass Indie Rock am Ende vielleicht doch nicht notwendigerweise an eine bestimmte Epoche gebunden ist, sondern durchaus zeitlos sein kann. Wenigstens dann, wenn er so überzeugend dargeboten wird wie hier.

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