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Australien

33 Jahre später: Urteil im Hass-Mord an schwulem Studenten

Endlich Gerechtigkeit: Nach mehr als drei Jahrzehnten ist der Mord an einem amerikanischen Studenten in Sydney aufgeklärt worden. Der Täter erhält eine langjährige Haftstrafe.


Scott Johnson wurde 1988 von den Klippen in den Tod gestürzt

  • 4. Mai 2022, 14:40h, noch kein Kommentar

Der 51-jährige Scott W. ist am Dienst von einem Gericht in Sydney für den Mord am schwulen US-Mathematikstudenten Scott Johnson im Dezember 1988 zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Damit geht eine jahrzehntelange Odyssee für die Familie des Opfers zu Ende.

Die Tat vor 33½ Jahren war offenbar Teil einer Mordserie in Sydney. Laut Untersuchungen sind Dutzende schwule Männer an Stränden um Sydney, etwa dem bekannten Bondi Beach, von jungen Homo-Hassern ermordet worden. Meist wurden sie von Klippen in den Tod gestürzt. Die damals äußerst homophobe Polizei hatte die Morde nicht weiterverfolgt und oft als Suizid verschleiert. Inzwischen hat sich die Polizeiführung für ihr Fehlverhalten entschuldigt.

Johnsons Familie hatte jahrzehntelang dafür gekämpft, Ermittlungen in dem Fall erneut aufzunehmen. 2012 wurde die Todesursache schließlich von "Selbsttötung" zu "ungeklärt" geändert. 2020 nahm die Polizei den jetzt verurteilten Mann als Verdächtigen in dem Fall fest (queer.de berichtete). Anfang des Jahres gestand er die Tat (queer.de berichtete). Zum Tatzeitpunkt war er 18 Jahre alt und obdachlos, sein Opfer war 27.

Täter outete sich Jahre nach der Tat

Richterin Helen Wilson erklärte, dass die Tat möglicherweise auf die Homophobie von W. zurückzuführen sei, aber es gebe dafür nicht ausreichend Beweise. Der Täter sei in einer äußert homophoben Familie aufgewachsen und sei von "Selbsthass" angetrieben worden, so Wilson. Jahre nach der Tat habe er sich selbst als schwul geoutet.

Im Verfahren spielte auch die Aussage der Ex-Frau des Angeklagten eine Rolle. Ihr habe W. die Tat gestanden. Zudem habe er gesagt: "Die einzig gute Schwuchtel ist eine tote Schwuchtel."

Richterin Wilson erklärte, die Strafe wäre bei einem Mord heute höher ausgefallen. Sie müsse sich aber an die in den Achtzigerjahren üblichen Urteile halten, die durchschnittlich niedriger waren. "Außerdem verurteilt das Gericht hier nicht einen gewalttätigen und aggressiven jungen Mann für einen Angriff auf einen schwulen Mann. Es verurteilt einen gesundheitlich angeschlagenen Mann über 50, der sich in den letzten 15 Jahren nichts zu Schulden kommen ließ", erklärte Wilson.

Steve Johnson, der Bruder des Opfers, bedankte sich bei der Richterin für das "faire" Urteil: "Sie hat beschrieben, was die Welt verloren hat, was wir verloren haben", so Johnson, der mit anderen Verwandten aus den USA nach Sydney gekommen war.


Steve Johnson (Mitte) kämpfte jahrzehntelang dafür, dass der Mörder seines Bruders gefunden wird – er heuerte etwa einen Privatdetektiv an und setzte eine Belohnung für sachdienliche Hinweise aus (Bild: Screenshot 7News)

Noch ist das Verfahren nicht beendet: Der Pflichtverteidiger von W. hat kurz nach der Urteilsverkündung eine Berufung angekündigt. (dk)