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Homosexualität "todeswürdig"

Latzel-Berufungsprozess beginnt: "Bitte beten Sie für Freispruch"

Mit himmlischem Beistand will die St.-Martini-Gemeinde erreichen, dass das Landgericht ihren homophoben Pastor freispricht. Dieser hatte öffentlich Homosexualität als "todeswürdig" und CSD-Besucher*innen als "Verbrecher" bezeichnet.


Olaf Latzel predigt weiter in der St.-Martini-Kirche in Bremen – und überträgt seine Gottesdienste auch ins Internet (Bild: Screenshot / Youtube/Olaf Latzel - St. Martini Gemeinde)

Ab Montag verhandelt das Bremer Landgericht im Fall von Olaf Latzel. Drei Termine sind für den Berufungsprozess angesetzt, das Urteil soll dann am 20. Mai gesprochen werden. Der evangelische Pastor war im November 2020 vom Amtsgericht der Hansestadt erstinstanzlich wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 8.100 Euro verurteilt worden (queer.de berichtete). Dagegen legte er Rechtsmittel ein.

Anlass für den Prozess gegen den Pastor der St.-Martini-Gemeinde waren Äußerungen Latzels in einem "Eheseminar" im Oktober 2019, das auf Youtube veröffentlicht wurde. Darin hatte er Homosexualität als "Degenerationsform von Gesellschaft" und als "todeswürdig" bezeichnet, die LGBTI-Community als "Gender-Dreck" herabgewürdigt und erklärt: "Überall laufen diese Verbrecher rum, von diesem Christopher Street Day" (queer.de berichtete). Latzel bedauerte im Prozess einige seiner Formulierungen, beharrte aber darauf, dass er im Kern nur die biblische Wahrheit gesagt habe. Ein Disziplinarverfahren der Bremischen Evangelischen Kirche ist bis zu einem rechtskräftigen Urteil ausgesetzt.

Die St.-Martini-Gemeinde steht weiter hinter dem homophoben Pastor: Im aktuellen Gemeindebrief bat Kirchenvorsteher Jürgen Fischer darum, für Latzel zu beten. Wörtlich schrieb er: "Wir als Vorstand der Gemeinde wollen Sie alle ersuchen, dafür zu beten, dass dieser Prozess mit einem Freispruch endet. Bitte beten Sie auch dafür, dass Pastor Latzel, seine Familie und auch die ganze Gemeinde unbeschadet durch diese nicht einfache Zeit kommen."

Latzel predigte nach erstinstanzlicher Verurteilung weiter

Auch nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung leitete Latzel weiter Gottesdienste, die auch im Internet übertragen wurden. Am 24. April drohte er in einer Predigt etwa damit, dass Menschen aus dem Buch des Lebens "getilgt" werden könnten, wenn sie "Nein" zu Gott sagten. Das Video hatte auf Youtube mehr als 26.000 Aufrufe.

Die Berufungsverhandlung findet erst mehr als anderthalb Jahre nach der Verurteilung durch das Bremer Amtsgericht statt. Grund war unter anderem der Rückzug eines homophoben Gutachters: Ursprünglich hatte das Landgericht den queerfeindlichen Theologie-Professor Christoph Raedel als Experten bestellt, obwohl dieser für "Homo-Heilung" wirbt. Raedel sollte Aufschluss darüber geben, ob die Äußerungen von Latzel von der Bibel gedeckt seien.

Die queerfeindlichen Ansichten Latzels sind selbst in seiner Familie umstritten: Sein Bruder Thorsten, der seit über einem Jahr Präses (Chef) der Evangelischen Kirche im Rheinland ist, zitierte im November 2020 etwa einen Ärzte-Song, um seine Einstellung gegenüber sexuellen Minderheiten zu beschreiben: "Für uns ist Homosexualität so normal wie Kaugummikauen".

Auch der frühere EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm übte Kritik an der Queerfeindlichkeit von Olaf Latzel. "Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben", sagte der bayerische Landesbischof vor anderthalb Jahren (queer.de berichtete). (dk)



#1 LothiAnonym
  • 05.05.2022, 11:53h
  • Und ich bete dafür das er zur Hölle fährt. Wie kann so eine Gemeinde derartig engstirnig sein, anstatt ihn zur Rede zu stellen, um ihn dazu zu bringen sich wenigsten öffentlich zu entschuldigen und das Urteil anzunehmen.
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#2 PrideProfil
#3 LothiAnonym
  • 05.05.2022, 12:01h
  • Antwort auf #2 von Pride
  • Doch es gibt für diese Christen das Gottesgericht. Zumindest dürfte dieser Mann dafür am Fegefeuer vorbei gleich in die Hölle landen. Denn er hat offen den Tod einer Minderheit gefordert.
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#4 Ja undAnonym
  • 05.05.2022, 12:04h
  • Innerbetriebliche Kritik ist nichts wert, wenn Konsequenzen wie z. B. Verkündigungsverbot und Arbeit mit Außenstehenden ausbleiben.

    Solange keine innerbetrieblichen Konsequenzen gezogen werden, sind die wohlfeilen Worte der EKD usw. bestenfalls wertlos. Wahrscheinlicher scheint es mir jedoch zu sein, dass lediglich Augenwischerei betrieben wird, um die Öffentlichkeit ruhigzustellen und so weiterzumachen wie bislang, den Hetzer:innen also Narrenfreiheit zu gewährleisten.

    www.kirchenaustritt.de
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#5 KlardenkerAnonym
#6 LothiAnonym
#7 PrideProfil
#8 KlardenkerAnonym
#9 LorenProfil
  • 05.05.2022, 13:26hGreifswald
  • Gruselig, was im Kopf so mancher Verkünder christlichen Glaubens (und derer, die ihnen "beistehen") so vor sich geht, ob sie nun Wladimir alias Kyrill I. oder Olaf oder anders heißen. Möge die Verurteilung wegen Volksverhetzung bestätigt werden (auch wenn ich mir eine höhere Strafe wünschen würde).
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#10 ChrisNAnonym
  • 05.05.2022, 13:35h
  • Mich würde ein Freispruch nicht wundern. Was aber auch daran liegt, dass der Fall nicht so eindeutig ist, wie er hier immer dargestellt wird.
    Wir schwimmen hier im eigenen Saft des Hasses und der Abneigung gegen diesen Menschen auf Basis oberflächlicher Medienberichte und die objektive Sicht auf die Dinge geht verloren.
    Da ich in der Vergangheit bei den Erläuterungsversuchen (nicht Rechtfertigungs-) immer gleich als Latzel-Befürworter verunglimpft wurde, verzichte ich diesmal darauf.
    Da ich in Bremen wohne und auch queere Mitglieder der Gemeinde, in der Latztel predigt, persönlich kenne, habe ich aber nun mal eine andere Sicht auf die Dinge, die hier jedoch nicht willkommen ist.
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