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Datenschutzmängel

Grindr verkaufte jahrelang private Nutzerdaten

Ein "Wall Street Journal"-Bericht zeigt, wie nachlässig die queere Dating-App mit Daten ihrer Nutzer umgegangen ist.


Millionen schwule und bisexuelle Männer treffen sich via Grindr zu einem Tête-à-Tête (Bild: Ivan Radic / flickr)

  • 5. Mai 2022, 11:05h 17 2 Min.

Grindr hat laut einem Bericht der New Yorker Tageszeitung "Wall Street Journal" (Bezahlartikel) "mehrere Jahre lang" sensible Daten gegen Geld angeboten. Die Bewegungsdaten der Nutzer wurden demnach von einem digitalen Werbenetzwerk gesammelt und verkauft. Inzwischen werde diese Praxis laut der Dating-App aber nicht mehr angewandt.

Demnach seien die Daten seit "mindestens 2017" zum Kauf erhältlich gewesen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die App laut Reuters von 27 Millionen Menschen genutzt. Laut der Wirtschaftszeitung konnten Firmen "massenweise Telefonbewegungsdaten von vielen Grindr-Nutzern" erwerben. Die Daten hätten zwar keine Namen oder Handynummern enthalten, aber seien "detailliert genug gewesen, um auf Dinge wie romantische Begegnungen zwischen spezifischen Nutzern basierend auf ihrer Nähe zueinander zu schließen". Außerdem habe es Hinweise auf die Identität von Menschen, etwa ihren Arbeitsplatz oder ihre Privatadresse, gegeben.

Katholischer Funktionär durch Grindr geoutet

Offenbar haben nicht nur Werbetreibende diese Informationen genutzt: Vergangenes Jahr musste etwa der Generalsekretär der US-Bischofskonferenz zurücktreten, nachdem eine katholische Website bei der Auswertung von Daten herausgefunden hatte, dass er zwischen 2018 und 2020 Grindr genutzt hatte (queer.de berichtete).

Grindr behauptet, dass seit Anfang 2020 "weniger Informationen mit Werbepartnern" geteilt worden seien. "Die beschriebenen Aktivitäten sind mit den gegenwärtigen Privatsphäre-Regeln, die seit zwei Jahren gelten, nicht mehr möglich", so Grindr-Sprecher Patrick Lenihan. Ursprünglich hatten die App-Macher*innen mit den detaillierten Informationen offenbar erreichen wollen, dass Szene-Betriebe gezielter bei Nutzer*innen werben können.

Erst im Dezember hatte die norwegische Datenschutzbehörde gegen Grindr eine Verwaltungstrafe in Höhe von umgerechnet 6,4 Millionen Euro wegen Verstoßes gegen Datenschutzbestimmungen verhängt (queer.de berichtete). Bereits 2018 hatte die deutsche Stiftung Warentest vor dem laschen Datenschutz bei Grindr gewarnt (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 TimonAnonym
  • 05.05.2022, 13:56h
  • Es ist doch schon lange bekannt, wie gefährlich Grindr ist. Und da es genug Alternativen gibt, sollte niemand das noch nutzen.
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#2 AtreusEhemaliges Profil
  • 05.05.2022, 14:37h
  • Dieser Ausverkauf endet in den falschen Händen und im falschen Land tödlich.
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#3 Nicht verwunderlichAnonym
  • 05.05.2022, 14:55h
  • Ein weiterer wenig überraschender Datenschutzskandal in den kommerzbasierten Social-Media-Diensten. Es ist desillusionierend, dass jede*r wissen sollte, dass mensch in kommerziell ausgerichteten Diensten maximal verwertet wird, egal ob die Meta-Dienste, jene von Alphabet (Google, YouTube etc.), Twitter (das wird in absehbarer Zeit gewiss noch wesentlich "schöner" dank Herrn Elon <3 ) - oder natürlich auch die Dating-Apps, die eh schon gut zu Buche schlagen (aber hey, warum nicht noch obendrauf mit den persönlichen Daten *NOCH* mehr absahnen - the sound of CA$$$HING is' einfach zu wonderful).

    Es wäre so schön, könnte diese Art von Geschäftsmodellen, diese Jauchegrube des Webs endlich unterginge (nicht die Personen, die sich dort anmelden, sondern die Konzerne und Unternehmen, die einen feuchten Kehricht auf Nutzer*innen UND Datenschutz geben, letzteren sogar als zu bekämpfenden Feind des Gewinns ansehen, der unbedingt umgegangen oder bekämpft werden muss). Aber leider wird das nicht passieren. Auf der einen Seite steht zu viel Gewinnsucht und die widerwärtigste Form von Kapitalismus, auf der anderen Seite leider zu oft Desinteresse oder Bequemlichkeit - letztere schön am Beispiel von WhatsApp zu sehen: Jede*r hat die Problematiken mit Meta in den vergangenen Jahren mitbekommen, jede*r weiß um die rechtlichen Probleme, die auch nicht erst seit gestern mit dem Messenger stattfinden, jede*r weiß um sichere Alternativen. Aber was passiert? Wenig. Oder gar nichts.

    Solange die Nutzer*innen sich solche Skandale bieten lassen -immer und immer und immer und immer wieder-, solange wird kaum ein Unternehmen oder Konzern freiwillig sagen: "Och, ok, is' nich' so dolle, also lassen wir die Datenschieberei." Nein, das Gegenteil wird der Fall sein, denn egal ob aus Desinteresse oder Resignation: Bei den Entscheider*innen kommt an: "Oh, ok, keine Konsequenzen? Gut, dann machen wir mal weiter und schauen, ob wir das noch ausbauen können. Die Quartalszahlen werden's danken."
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