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Kinostart

Wie frau nach einem rassistischen Überfall wieder auf die Beine kommt

In ihrem preisgekrönten Langfilmdebüt "Nico" zeigt Regisseurin Eline Gehring das bewegende Empowerment einer jungen queeren Deutsch-Perserin in Berlin. Ab Donnerstag im Kino!


Zwischen Nico (Sara Fazilat, l.) und Ronny (Sara Klimoska) entwickeln sich zärtliche Gefühle (Bild: UCM.ONE)

Schon die erste Szene ist gleichzeitig dramatisch und ein wenig komisch: Nico, gespielt von Sara Fazilat, radelt in aller Seelenruhe durch eine enge Straße, hinter ihr ein roter Fiat 500. "Blöde Fotze, verpiss Dich" schreit die Autofahrerin ihr hinterher, daraufhin knallt ihr Nico einen Donut an die Windschutzscheibe, der eigentlich für einen ihrer Patient*innen vorgesehen war – Nico ist Altenpflegerin.

"Nico" ist ein angenehm beiläufiger Film über eine junge Frau, die weder optisch noch von ihrer Einstellung her den gängigen Idealen entspricht: Nico ist ein wenig füllig, auch mal unfreundlich und mürrisch – doch bei allen beliebt wegen ihrer geraden Art und ihres Humors. Nico verbringt viel Zeit mit ihrer besten Freundin Rosa (Javeh Asefdjah), bis ein rassistisch motivierter Überfall, mitten im ansonsten friedlich-lauen Berliner Sommer, sie plötzlich aus ihrem Alltag reißt. Nico wird bewusst, dass sie als Deutsch-Perserin doch nicht so selbstverständlich dazugehört, wie sie immer dachte, und wie viel Rassismus sie tatsächlich umgibt.

Nico zieht sich in sich selbst zurück


Poster zum Film: "Nico" startet am 12. Mai 2022 im Kino

Geplagt von Erinnerungen an den Überfall, der immer wieder in Fetzen und Gedanken aufblitzt, zieht sich Nico immer mehr in sich selbst zurück. Nicht nur Rosa verliert den Bezug zu ihr, auch ihre Patient*innen erkennen die einst so fröhliche junge Frau gelegentlich nicht wieder. Nervös und ungeduldig packt sie das neue Blutdruckmessgerät eines Patienten aus. Sogar Selbstmordgedanken deuten ein paar Szenen an, wenn Nico verloren auf einer Brücke steht und lange in die Tiefe schaut.

Nico spürt, dass es so nicht weitergehen kann, und wendet sich an den Karate-Weltmeister Andy (Andreas Marquardt), der seine Schüler*innen grundsätzlich anbrüllt, damit sie das harte Trainingsprogramm bestehen können. Nico schafft es dadurch, ihre Wut zu kanalisieren und ihre eigene Stärke zu erfahren, doch verliert sie zunächst auch die Verbindung zu sich selbst und ihrem alten Leben. So kommt es etwa zum Konflikt zwischen ihr und ihrer besten Freundin Rosa.

Auf gutem Weg zurück in ein angstfreies Leben begegnet Nico Ronny (Sara Klimoska), die um sie wirbt und die ihr seltsam vertraut vorkommt. Rosa fühlt sich zu Ronny hingezogen, und auch Nico scheint später mehr als freundschaftliche Gefühle für sie zu entwickeln. Die queere bzw. lesbische Identität der Figuren steht im Film weder im Vordergrund noch wird sie problematisiert, sie ist selbstverständlicher Teil der Erzählung.

Selbstverständliche Diversität


Rosa (Javeh Asefdjah) kümmert sich nach Überfall um Nico (Bild: UCM.ONE)

Regisseurin Eline Gehring und Hauptdarstellerin Sara Fazilat sagten in einem Interview, dass es ihnen durchaus um die Begriffe Rassismus und Diversität ging: "Aber nicht nur. Diversität in Bezug auf Herkunft, Körper und Sexualität muss unserer Meinung nach selbstverständlicher in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft repräsentiert werden. Wir haben uns mit unserer Wut und Hilflosigkeit darüber auseinandergesetzt, dass bis heute Rassismus und Sexismus immer noch zu unser aller Alltag gehört."

Der Film, der viele Stereotype auf den Kopf stellt, arbeitet stark auch mit improvisatorischen Elementen, was der Dramaturgie aber durchaus guttut. Während des Drehs kam es dann sogar zu einem Zwischenfall: "Es war zwar keine Überraschung, aber dennoch schockierend, dass uns während der Dreharbeiten ein wütender deutscher Mann anschrie, "dass wir Deutsch sprechen sollten, da dies hier Deutschland sei", was uns ermutigte und uns zeigte, wie wichtig es ist, diesen Film zu machen."

Sara Fazilat wurde beim Max-Ophüls-Festival als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet, das Drama erhielt 2021 den QueerScope-Debütfilmpreis, und das völlig zu Recht. Schade nur, dass der Film mit knapp 80 Minuten fast ein wenig zu kurz geriet, man hätte Nico gern noch länger zugeschaut, wie sie sich in eine selbstbewusste junge Frau verwandelt.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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Infos zum Film

Nico. Drama. Deutschland 2021. Regie: Eline Gehring. Darsteller*innen: Sara Fazilat, Sara Klimoska, Javeh Asefdjah., Andreas Marquardt, Brigitte Kramer, Isidoro Fernandez Mompelier, Sabrina Tannen. Laufzeit:; 79 Minuten. Sprache: deutsch-persisch-englisch-spanischh-mazedonische Originalfassung, teils untertitelt. FSK 12. Verleih: UCM.ONE. Kinostart: 12. Mai 2022. Kinostartpremiere am 11. Mai, um 20.30 Uhr im Berliner Kino in der Kulturbrauerei