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Landtagswahl

Kiel: Trans Aktivistin holt Direktmandat für die Grünen

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein konnte sich Anna Langsch, Koordinatorin des Vereins HAKI e.V., im Wahlkreis Kiel-West gegen Innenstaatssekretärin Kristina Herbst (CDU) durchsetzen.


Die Grünen-Politikerin und trans Aktivistin Anna Langsch zieht erstmals in den Landtag ein (Bild: Grüne Kiel)

Bei der Landtagswahl am Sonntag in Schleswig-Holstein haben die Grünen erstmals Direktmandate gewonnen. Eine der insgesamt drei direkt gewählten künftigen Grünen-Abgeordneten ist die trans Aktivistin Anna Langsch. Im Wahlkreis Kiel-West setzte sich die 39-Jährige mit 31,8 Prozent klar gegen CDU-Innenstaatssekretärin Kristina Herbst (26,5 Prozent) durch.

Langsch ist seit Januar 2016 hauptberufliche Koordinatorin des Vereins HAKI e.V., der queere Emanzipationsarbeit in Schleswig-Holstein leistet und in Kiel ein queeres Zentrum unterhält. Seit 2019 ist sie zudem Sprecherin der grünen Landesarbeitsgemeinschaft Queer Schleswig-Holstein und Delegierte der Bundesabeitsgemeinschaft Lesbenpolitik (QueerGrün). Auf Platz 13 der grünen Landesliste hätte Langsch auch ohne Direktmandat den Sprung in den Landtag geschafft.

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"Mein Trans*Sein ist mit Sicherheit nicht die spannendste meiner Eigenschaften, sie hat allerdings meine Biografie, mein Erleben der gesellschaftlichen Realität und auch mein politisches Handeln grundlegend geprägt", stellt sich die künftige Abgeordnete auf der Homepage der Kieler Grünen vor, deren Co-Sprecherin sie seit 2020 ist. "Das Erleben eigener Armut, Brüche im Lebenslauf und Erfahrungen des Ausschlusses und der Nicht-Zugehörigkeit sind Teil von mir und meiner Biografie."

Im Landtag will sich Langsch für eine "menschenrechtsbasierte Politik im Innern wie im Außen" starkmachen. "Ich setze mich dafür ein, dass sowohl gesellschaftspolitische Fragen als auch das übergreifende Thema des Erhalts unserer Lebensgrundlagen herausgeholt wird aus der Individualisierung", so die Grünen-Politikerin. "Freiheit, wie ich sie begreife, kann nur verwirklicht werden, wenn sie nicht von der Summe aller individuellen Entscheidungen abhängt. Weder Themen betreffend den Klimaschutz noch Fragen der Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Partizipation dürfen davon abhängig gemacht werden, wie sich Einzelne zu ihnen verhalten – sie müssen gesellschaftlich und politisch entschieden und verwirklicht werden."

Die queerfeindliche AfD fliegt erstmals aus einem Landtag

Dem vorläufigen Ergebnis nach Auszählung aller Wahlkreise zufolge kam die CDU in Schleswig-Holstein auf 43,4 Prozent – ein riesiges Plus gegenüber der Wahl 2017 mit 32,0 Prozent. Ihre bisherigen Koalitionspartner Grüne und FDP lagen bei 18,3 (2017: 12,9) beziehungsweise 6,4 (2017: 11,5) Prozent. Die SPD unter dem wenig bekannten Spitzenkandidaten Thomas Losse-Müller musste mit nur noch 16,0 Prozent dramatische Verluste hinnehmen (2017: 27,3). Der SSW holte 5,7 Prozent (2017: 3,3). Die queerfeindliche AfD landete bei 4,4 Prozent (2017: 5,9). Die Linke schnitt mit 1,7 Prozent noch deutlich schlechter ab.

Die AfD ist somit erstmals in Deutschland wieder aus einem Landesparlament geflogen. Erst 2017 hatte die AfD im nördlichsten Bundesland überhaupt den Einzug in den Landtag geschafft. Umfragen hatten die Partei vor der Wahl noch bei fünf bis sechs Prozent gesehen.

Im Landtag von Kiel wird die CDU künftig über 34 der 69 Mandate verfügen. Die Grünen kommen auf 14 Abgeordnete, die SPD auf 12, die FDP auf 5 und der SSW auf 4. Damit wären für die CDU theoretisch Zweierbündnisse mit allen anderen Parteien im Landtag möglich. (cw/dpa)