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Neun Jahre nach seinem Tod

"New York Times" outet Ex-Bürgermeister Koch als schwul

Die altehrwürdige Tageszeitung berichtet erstmals offen über die Homosexualität des vielen in der queeren Community verhassten Stadtchefs von New York City.


Ed Koch 1981 bei einem Fernsehinterview (Bild: Bill Golladay / wikipedia)

Die "New York Times" hat in einem Porträt über den 2013 verstorbenen Bürgermeister Ed Koch (1924-2013) erstmals über dessen Homosexualität berichtet. Koch war von 1978 bis 1989 Bürgermeister der größten Stadt der USA. "Herr Koch war schwul", heißt es sachlich in dem Artikel "Die Geheimnisse, die Ed Koch mit sich trug". Einem engen Freund habe der Demokrat einst gestanden: "Ich möchte einen Boyfriend".

Die versteckte Homosexualität habe auch politische Konsequenzen gehabt. Koch war in der Zeit Bürgermeister, in der die Aids-Epidemie insbesondere in der Großstadt um sich griff. "Er hat Probleme gehabt, die Aids-Krise zu verwalten", heißt es in dem Artikel. Immerhin habe es sich dabei um ein "schwules Thema" gehandelt. Erst 1988, zum Ende seiner Amtszeit und nach tausenden Todesfällen, legte die Stadt einen Plan zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit vor. Dennoch habe Koch auch vorher langsam versucht, queere Rechte zu verbessern, so die "New York Times"; zudem marschierte er 1985 als erster Bürgermeister bei einem CSD mit.

"Vote for Cuomo, not the homo"

Koch, der Sohn polnisch-jüdischer Eltern, habe alles getan, um in der Öffentlichkeit seine Homosexualität zu verstecken, um als wählbar zu gelten: So posierte er im Wahlkampf 1977 mit Bess Myerson, der ersten jüdischen Miss America, die er als seine "First Lady" beschrieb. Bei dieser Wahl tauchten auch Flugzettel mit der Überschrift "Vote for Cuomo, not the homo" (Stimmt für Cuomo, nicht den Homo) auf, mit denen zur Wahl für den innerparteilichen Kontrahenten Mario Cuomo aufgerufen wurde. Cuomo behauptete damals, er habe mit der Schmutzkampagne nichts zu tun. Mario Cuomo ist der Vater des früheren New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo, der nach einem MeToo-Skandal zurücktreten musste und dabei auch den Chef der größte queeren Organisation mit sich riss (queer.de berichtete).

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Das posthume Outing führte zu einiger Kritik in sozialen Medien. Vizechefredakteurin Carolyn Ryan verteidigte den Bericht, weil er zeige, wie vor nicht allzu langer selbst im linksliberalen New York City Politiker*innen ihre sexuelle Orientierung verstecken mussten. Es sei wichtig gewesen, die Geschichte jetzt zu erzählen, da viele, die Koch kannten, inzwischen sehr alt seien.



Anlass für den Artikel waren offenbar auch Debatten, eine nach Koch benannte New Yorker Brücke wegen Rassismusvorwürfen und dessen Nachlässigkeit bei der Aids-Politik umzubenennen. Zu den Befürworter*innen gehört etwa die New Yorker US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Der LGBT Democratic Club warf Koch vor, "für den Aids-Tod von hunderttausenden Menschen" verantwortlich zu sein.

Bis zum Ende seines Leben blieb Koch unverheiratet und verwahrte sich gegen Fragen nach seiner sexuellen Orientierung (queer.de berichtete). Laut der "New York Times" handelte es sich dabei auch um eine Gegenreaktion gegen Outingversuche durch Aids-Aktivisten um Larry Kramer. "Er wollte nicht Aktivisten wie Herrn Kramer mit seinem Coming-out eine Genugtuung geben, nachdem diese so sehr versucht hatten, ihn zu outen." Kramer verstarb im Jahr 2020 (queer.de berichtete).


Ed Koch beim New Yorker CSD 2007 (Bild: Boss Tweed / flickr)

In der populären Kultur gab es oft Andeutungen über die Homosexualität von Koch: In einer 2003 ausgestrahlten Episode der TV-Sitcom "Will & Grace" erklärte eine Figur etwa, Koch sei ihm auf einer öffentlichen Toilette – offensichtlich einer Klappe – begegnet. Im Film "Shortbus" (2006) taucht ein älterer schwuler Mann, der Koch sehr ähnlich sieht, in einer Szene im Sexclub auf. Er erklärt, dass er einst Bürgermeister von New York gewesen sei, und bedauert daraufhin, dass er die Aids-Krise vernachlässigt habe. "Wir wusste damals so wenig", entschuldigte sich die Figur in dem Film. (dk)