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Indie-Pop

Sam Vance-Law: Von "Let's Get Married" zu "Get Out"

Nach seinem überschwänglichen Debüt "Homotopia" hat der schwule Indie-Pop-Newcomer Sam Vance-Law mit "Goodbye" ein sehr intimes Album über seine Trennung, Herzschmerz und Alleinsein veröffentlicht.


Single wider Willen: Sam Vance-Law wurde 1987 in Edmonton, Kanada geboren (Bild: Alexander Coggin)

Der Anglokanadier und Wahlberliner Sam Vance-Law hat nach dem furios-euphorischen "Homotopia" mit "Goodbye" (Amazon-Affiliate-Link ) sein zweites Album veröffentlicht. Erwachsen aus einer real erfahrenen Trennungsgeschichte des Musikers, werden durch das Hören des Albums all die Höhen und Tiefen der romantischen Liebe in geradezu physisch-eindringlicher Weise offenbar.

Es ist meistens einfacher, die Geschichten anderer zu erzählen. So genießt man das Privileg, gewissermaßen über den Dingen zu schweben, der Fantasie freien Lauf zu lassen und die erfundenen Protagonist*innen als Projektionsflächen all das erleben zu lassen, was einem selbst stets verwehrt geblieben ist. Dort, wo die Konfrontation mit den eigenen Erinnerungen den Schmerz vergangener Tage wiederaufleben lässt, stellt die Fantasie einen beliebten und allzu oft anvisierten Fluchtpunkt dar.

Die queere Sommereuphorie des Jahres 2018

Im besten Falle schließen sich beide Ansätze jedoch nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen einander. So auch im Falle Sam Vance-Laws: Sein erstes Album "Homotopia" aus dem Jahr 2018 war ein opulentes, überschwängliches Album – extravagant, pathetisch und hoffnungslos leidenschaftlich. Es atmete den Geist der Freiheit und fügte sich, wie es der Zufall manchmal will, geradezu perfekt ein in die Sommereuphorie des Jahres 2018, als sich nach jahrzehntelangem Kampf schließlich eine parlamentarische Mehrheit für die Ehe für alle gefunden hatte. "Homotopia" und Singles wie "Gayby" drängten sich als zuckersüßer Soundtrack jener Zeit geradezu förmlich auf.

Doch so, wie jedes Kind schließlich lernt, dass Zucker wohldosiert sein muss und bei Überdosierung schnell Übelkeit hervorzurufen vermag, verhält es sich auch mit der Süße des Pops. Das Prinzip des Immer-mehr und Immer-weiter funktioniert auf Dauer nicht, und so folgt vier Jahre nach dem "schwulen Manifest", wie "Homotopia" von einigen genannt wurde, mit "Goodbye" ein intimes, an manchen Stellen gar zerbrechliches Album.

Vance-Law erzählt seine eigene Geschichte


Das Album "Goodbye" ist am 6. Mai 2022 erschienen

Der wichtigste Unterschied zum ersten Album – und so schließt sich der Kreis zu den anfänglichen Ausführungen – besteht Vance-Law zufolge darin, dass er auf "Homotopia" die Geschichten anderer Menschen erzählt hat, auf "Goodbye" hingegen seine eigene. Statt "Let's Get Married" oder "Pretty Boy" heißen die Songs auf dem neuen Album "Get Out" oder "No Love".

Eine durchweg triste Angelegenheit ist "Goodbye" dabei aber keineswegs, im Gegenteil. Stattdessen werden die wehmütig-traurigen Geschichten, die vom tiefen Schmerz des Verlassenwerdens und der Angst vor dem Alleinseins handeln, in oft heitere Popsongs verpackt und führen einem damit einmal mehr vor Augen, dass jedem Ende immer auch ein Anfang – und jedem Anfang ein Zauber – innewohnt.

Mit "Kiss Me" führt gleich der erste Song des Albums diese Zerrissenheit zwischen Trübsinn und Heiterkeit vor Augen: "It's a shame I have to write all these words / About a love that went so wrong / Because all I really want / Is to have you back", singt Vance-Law in introvertierter Manier zu einer zurückgenommenen, trüben Pianomelodie, bevor der Rest der Band unvermittelt einsetzt und die eben noch zelebrierte Schwermut einer mitreißenden Euphorie weicht.

Ein ständiges Auf und Ab

Ähnlich verhält es sich im Überschwänglichen "Get Out", das mit 1980er Jahre Discoflair glänzt und einen dabei zunächst staunen lässt, dass eine eigentlich tieftraurige Trennungsgeschichte in einem derart explosiv-frenetischen Sounddesign daherkommt. Doch vielleicht ist genau diese Form des exzessiven Endorphin-Überschusses manchmal der notwendige Fluchtpunkt, um der toxischen Dynamik einer disfunktionalen Beziehung – wie sie im Song verhandelt wird – zu entweichen.

Dem Dur-lastigen, heiteren Indie-Pop, der das Album dominiert, werden jedoch immer wieder zurückgenommene, intime Songs und Momente gegenübergestellt. In Songs wie "Icarus" oder "Blissful Times" fühlt man sich gar an das tiefe Timbre und das schmachtende Pathos eines Rufus Wainwright erinnert – der Königin in der Disziplin schwuler Opulenz. Ganz so barock-prunkvoll wie in Wainwrights Werken geht es auf "Goodbye" dann aber zumeist doch nicht zu.

So ist das ganze Album ein ständiges Auf und Ab: Jeder Hoffnung folgt eine Desillusion – damit aber auch jeder Desillusion eine Hoffnung. Auf die Frage, wie er sein neues Album in einem Satz umschreiben würde, hat Sam Vance-Law geantwortet: "It will wreck you in the most beautiful way". Manchmal lohnt sich der eigene Ruin eben doch.

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#1 BenausBraunschweigAnonym
  • 10.05.2022, 08:09h
  • Naja... ich finde in der heutigen Musiklandschaft gibt es zwar auch nicht wenige gute Musiker und Songs, aber den Mann hier empfinde ich als unglaublich langweilig und schwer beliebig. Völlig egal ob schwul, hetero oder sonstwas. Dann lieber Klassiker wie Morrissey oder Oasis und Sheryl Crow. Und wenn man auf das Heute schaut, dann kann ich MINE, Alex Mayr oder Ryan Adams sehr viel mehr abgewinnen. Boring Stuff - machs noch einmal Sam.
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#2 WanndererAnonym