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Medienrecherche

Über hundert Übergriffe auf Gedenkstätten für NS-Opfer seit 2016

Nach Recherchen von SZ und NDR attackieren Rechtsextreme regelmäßig Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus. Wegen fehlender zentraler Erfassung bleiben viele Vorfälle mutmaßlich im Dunkeln.


Auch auf das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurden bereits mehrfach Farbanschläge verübt (Bild: Marko Priske / Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

In Deutschland attackieren Rechtsextreme nach Medienberichten regelmäßig Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2016 habe es mehr als hundert solcher Übergriffe auf die Gedenkkultur gegeben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Montag unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit dem NDR. Damit gebe es im Schnitt mehr als einen solcher Vorfälle pro Monat.

Die Übergriffe reichten von Schmähungen über Sachbeschädigung bis hin zu Bedrohung und Volksverhetzung, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Rechtsextreme pöbelten in Gedenkstätten, leugneten den Holocaust und fotografierten sich in früheren Konzentrationslagern mit dem Hitlergruß. Zudem würden Informationstafeln und Gedenksteine mit Hakenkreuzen und Hassparolen beschmiert oder Stolpersteine aus dem Asphalt gebrochen und Mahnmale zerstört.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

"Würden wir aus jedem Übergriff in der Gedenkstätte eine Pressemitteilung machen, müssten wir wahrscheinlich alle zwei, drei Wochen eine Pressemitteilung veröffentlichen", sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, laut NDR. Er sprach sich für eine zentrale Erfassung solcher Vorfälle in Deutschland aus, die es bisher nicht gibt.

Die Auswertung von "SZ" und NDR bezieht sich auf Gedenkorte, die an die nationalsozialistischen Massenmorde an jüdischen Menschen, aber auch an die Ermordung von Zwangsarbeiter*innen, Sinti und Roma, Sozialdemokrat*innen, Homosexuellen, Kommunist*innen und Christ*innen erinnern. NDR und "SZ" nutzten für ihre Zusammenstellung Berichte in Zeitungen, Protokolle von Landtags- und Stadtratssitzungen sowie Gespräche mit Mitarbeiter*innen von Gedenkstätten

Einen Anspruch auf Vollständigkeit gebe es nicht, hieß es in dem NDR-Bericht. Viele Vorfälle blieben wegen der fehlenden zentralen Erfassung wahrscheinlich im Dunkeln. (cw/AFP)



#1 AtreusProfil
  • 10.05.2022, 09:44hSÜW
  • "Würden wir aus jedem Übergriff in der Gedenkstätte eine Pressemitteilung machen, müssten wir wahrscheinlich alle zwei, drei Wochen eine Pressemitteilung veröffentlichen"

    Ja, verdammt! Genau das wäre sinnvoller, erregte mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein, als aus Bequemlichkeit und Kostengründen stillschweigend und duldungsstarr darauf zu warten, dass es auf wundersame Weise besser wird. Alle zwei Wochen eine Nachricht, die von allen Nachrichtensendungen und Zeitungen aufgegriffen wird, damit dem Größtteil der deutschen Bevölkerung klar wird, was in unserem Land vonstattengeht.

    Dasselbe Problem sehen wir bei LGBT*IQ-Themen: Wer bitte, der*die nicht der sog. Community angehört, verirrt sich denn auf queer.de oder äquivalente Portale und erfährt, was wir erfahren? In TV und Zeitungen kommen wir höchstens dreimal pro Jahr vor: Zum Pride, wenn Hitzelsperger die WM in Katar verteidigt oder Biopic einer gealterten Diva in die Kinos kommt.
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