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Trans-Jugend-Studie

Die meisten transgeschlechtlichen Kinder bleiben trans

Nur 2,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen einer langangelegten Studie, die bereits in jungen Jahren sozial transitioniert waren, hatten ihre Entscheidung fünf Jahre später rückgängig gemacht.


Jazz Jennings, hier 2016 bei einem Pride in New York, transitionierte schon als kleines Kind – und blieb später dabei (Bild: Steven Pisano / wikipedia)

In einer am 4. Mai im Journal "Pediatrics" veröffentlichte Studie wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht, wie sich die Geschlechtsidentität von Jugendlichen nach einer sozialen Transition entwickelt. Die Ergebnisse bestätigen die Grundlage, auf der Mediziner*innen bei transgeschlechtlichen Jugendlichen Hormone verschreiben.

Beteiligt waren Wissenschaftler*innen der Universitäten von Princeton, Washington und Victoria. Anders als in bisherigen Arbeiten wurden die Jugendlichen jedoch von Beginn an von den Wissenschaftler*innen begleitet. Frühere Arbeiten hätten sich auf die Daten von auf Transgeschlechtlichkeit spezialisierten Kliniken gestützt, wie es heißt.

94 Prozent der Jugendlichen blieben dabei

Von den 317 Kindern und Jugendlichen, die sich am Beginn der Studie transgeschlechtlich identifizierten, hatten sich 208 als Mädchen und 109 als Jungen verstanden. Sie waren zu Beginn der Untersuchung im Schnitt 8,1 Jahre alt und hatten ihre soziale Transition durchschnittlich im Alter von 6,1 Jahren gehabt, also zwei Jahre vor Untersuchungsbeginn. Das bedeutet auch, dass außer der Änderung von Namen, Pronomen, Kleidung und Frisur bislang keine medizinischen Maßnahmen vorgenommen worden waren.

Alle Teilnehmer*innen sind Teil des langfristig angelegten Trans Youth Project, das die Entwicklung transgeschlechtlicher Kinder und Jugendlicher über viele Jahre beobachten soll. Dadurch erhoffen sich die Forscher*innen eine noch bessere Untermauerung bisheriger Daten.

Das Ergebnis: 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die sozial transitioniert waren, identifizierten sich auch nach fünf Jahren gemäß diesem binären Geschlecht, also als Mädchen oder Jungen. Darunter waren 1,3 Prozent Studienteilnehmer*innen, die sich im Verlauf der Jahre anders identifiziert hatten, bevor sie zu der Geschlechtsidentität vom Ausgang der Studie zurückgekehrt waren. Sie hatten also ihre Transition zunächst "bereut" oder waren auf äußeren Druck hin von ihrer Identität abgewichen, ehe sie zur Ausgangsidentität vom Beginn der Studie zurückkehrten.

2,5 Prozent verstanden sich wieder als cis

Von den fehlenden sechs Prozent wiederum identifizierten sich fünf Jahre nach Studienbeginn 2,5 Prozent der Gesamtteilnehmer*innen als cisgeschlechtlich, hatten also ihre transgeschlechtliche Identität aufgegeben. Die verbleibenden 3,5 Prozent hatten nicht ihre Transgeschlechtlichkeit aufgegeben, identifizierten sich jedoch nicht mehr mit dem binären Geschlecht vom Anfang der Studie. Sie hatten inzwischen eine nichtbinäre Geschlechtsidentität.

Die 2,5 Prozent teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, die sich nach fünf Jahren nicht mehr als trans identifizierten, waren im Vergleich zur Restgruppe häufig besonders jung, als sie sozial transitionierten, wie die Autor*innen betonen. Meist erfolgte diese Veränderung in ihrem Leben bereits vor einem Alter von sechs Jahren. Ihre Detransition fand dann zumeist auch vor dem elften Lebensjahr und damit vor der körperlichen Pubertät beziehungsweise einer dann häufig eingeleiteten Behandlung mit pubertätshemmenden Hormonen statt.

Kristina Olson, Hauptautorin der Studie, wies darauf hin, dass die Begrifflichkeit der Nichtbinarität zu Beginn der Studie im Jahr 2013 kein so weit verbreitetes Konzept gewesen sei. Von den Teilnehmer*innen habe entsprechend auch niemand das Pronomen "they" verwandt. Das habe sich im Verlauf der Studie jedoch gewandelt.

Die Arbeit zeige, dass Detransitionen, also die Rückgängigmachung einer ursprünglichen Transitionsentscheidung, bei Kindern und Jugendlichen nicht besonders häufig vorkomme. Und: Die kleine Gruppe an Kindern, die detransitionierten, tat dies zumeist zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine tiefergehenden körperlichen Veränderungen durch Gabe von Hormonen eingetreten waren. (jk)



#1 Ith_Anonym
  • 10.05.2022, 14:19h
  • Man sollte bei Jugendlichen vor allem nicht vergessen, nochmal nachzufragen, wenn sie finanziell aus der Abhängigkeit ihrer Eltern raus sind. Da entpuppt sich manche "Detransition" bzw. manche so verkaufte Läuterung der "Phase, die bestimmt bald vorbei ist" dann auch schonmal als devote Geste der Selbstverleugnung, bzw. als Unterwerfung unter ein Übermaß an Gewalt, das für ein Individuum allein evtl. einfach nicht zu ertragen ist. Überleben geht im Zweifelsfalle vor.

    Unangenehmer Nebeneffekt der Erfahrung, wie groß die Erleichterung angesichts der "Heilung" ist: Danach hat man eine sehr realistische Vorstellung davon, wie ernst es Leuten mit dahergesagten Solidaritätsbekundungen ist.
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#2 HexeAnonym
  • 10.05.2022, 14:26h
  • Was nun Doktor Korte und Jan Feddersen wohl sagen werden?
    Aber die sind ja eh Faktenresistent.
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#3 KratzbürsteAnonym
  • 10.05.2022, 15:38h
  • Antwort auf #2 von Hexe
  • In einer vernünftigen Welt könnte man ja hoffen, dass sie ihren Standpunkt vielleicht ändern, sich hinstellen und sagen, "unsere These war falsch, wir entschuldigen uns für den Schaden, den wir angerichtet haben" (ob man die Entschuldigung einfach annähme, wäre eine andere Frage)

    Als trans Frau, die auch schon oft genug mit wissenschaftlichen Studien gegen transfeindliche Punkte argumentieren wollte, und nach über 2 Jahren Pandemie, ist meine Erwartungshaltung eine andere...
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#4 HexeAnonym
#5 TERFs stinkenAnonym
  • 10.05.2022, 16:05h
  • Die Studie wird sicherlich hilfreich sein beim Argumentieren (wenn das überhaupt noch möglich ist).

    Mir stellt sich dennoch die folgende Frage:

    Wie viele Kinder, die detransitionierten, gab es in der Studie, die bereits die Pupertät erreicht oder eingeleitet haben? Oder anders formuliert: Wie viele haben davon unumkehrbar Maßnahmen eingeleitet die jetzt bereut werden (Prozentual und in absoluten Zahlen)?
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#6 TERFs stinkenAnonym
  • 10.05.2022, 16:19h
  • Hab's nachgelesen: es gab genau eine Person die Pupertätsblocker genommen hat, aber noch eine entsprechenden Hormone nahm bevor sie detransitionierte. Alle anderen hatten noch nicht Mal eine medizinische Transition angefangen.

    Da bin ich echt beruhigt und kann echt nur sagen, dass alle die die Kinder vor "Fehlentscheidungen" schützen wollen, jetzt belegbar unbegründete Sorgen haben.
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#7 LorenProfil
  • 10.05.2022, 16:31hGreifswald
  • Antwort auf #2 von Hexe
  • In einem Interview auf der taz-Website mit Dr. Korte las ich, dass er "psychoanalytische Kulturwissenschaften" studiert habe und daher einen "erweiterten Blickwinkel". Da kann man schon mal engere wissenschaftliche Ergebnisse "übersehen", wenn man weit hinein ins selbstgebaute Fantasialand schaut. Hat mich in meiner Meinung über den Zusammenhang von Psychoanalyse und Pathologisierung bestätigt.
    Ansonsten wundern mich die Ergebnisse dieser Studie nicht weiter.
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#8 HexeAnonym
  • 10.05.2022, 16:50h
  • Antwort auf #7 von Loren
  • Hey! Ja ich hab dieses schreckliche Interview gelesen.
    Es ist alles totaler Quatsch, aber die Leute glauben es. Ich bin von der taz seit geraumer Zeit enttäuscht. Hab meine Spenden eingestellt und meinen Minijob bei denen gekündigt. Nicht das es viel ausmacht.
    Ich bemerke in der linken Szene schon lange transphobe Tendenzen.
    Aber jetzt werden sie immer lauter.
    Diese Leute machen sich gemein mit Nazis. Und sie bemerken es nichtmal.
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#9 Lucas3898Anonym
#10 HexeAnonym
  • 10.05.2022, 18:03h
  • Antwort auf #9 von Lucas3898
  • Ja genau dieser Text. Davon gibt es einige auf der taz. Vor allem Jan Feddersen hat scheinbar nichts besseres zu tun als permanent gegen trans mobil zu machen.
    Nicht binär sein kommt in der Ideologie von Korte nicht wirklich vor.
    Für ihn gibt es nur zwei Geschlechter.
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