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Amerikanische Zensurlust

Republikanische Senatoren: Warnhinweise für queere Inhalte im Fernsehen etablieren

Bisher warnen amerikanische Fernsehsender vor Gewalt oder Sex – künftig sollen sie nach dem Willen von fünf hochrangigen Republikanern sogar davor warnen, wenn ein Schwuler durchs Bild huscht.


Für den heterosexuell verheirateten Mike Lee gibt es im TV keine Warnhinweise – für Menschen, die anders als er sind, will er diese aber vorschreiben (Bild: Screenshot / PBS)

  • 11. Mai 2022, 11:12h 13 2 Min.

Fünf republikanische US-Senatoren haben das TV-Aufsichtsgremium "Parental Guidelines Monitoring Board" in einem Brief aufgefordert, die Networks und Kabelsender zu zwingen, bei Sendungen mit einem jungen Publikum vor queeren Figuren oder anderen queeren Inhalten zu warnen. Eltern könnten dann mit Hilfe des V-Chip, der seit über 20 Jahren in alle amerikanischen Fernsehgeräte eingebaut werden muss, derartige Inhalte automatisch blockieren lassen.

Der Brief wurde von den Senatoren Roger Marshall aus Kansas, Mike Braun aus Indiana, Kevin Cramer aus North Dakota, Steve Daines aus Montana und Mike Lee aus Utah unterzeichnet. Darin wird beklagt, dass Disney mehrere queere Figuren in seinen Serien etablieren wolle. Die Autoren behaupteten, die Trans-Identität würde im Fernsehen "reißerisch" behandelt. Schuld seien "radikale Aktivisten und Unterhaltungskonzerne".

Republikaner beschimpfen Produzenten als "Sexualstraftäter"


Am Anfang jeder Sendung und nach jeder Werbeunterbrechung müssen TV-Sender links oben die Altersempfehlung einblenden, die von TV-Y (geeignet speziell für Jugendliche) bis TV-MA (Mature Audiences, ab 17 Jahren) reicht – Inhalte lassen sich auch mit dem V-Chip blockieren

"Dieser radikale und sexuelle Wirbelwind beschädigt nicht nur Kinder, sondern verletzt auch Elternrechte", behaupteten die Senatoren. Außerdem sei die Darstellung queerer junger Menschen "schädlich für Kinderschauspieler". Ferner erklärten sie: "Die Motivation hypersexualisierter Unterhaltungsproduzenten, die diese Inhalte einem jungen Publikum aufdrängen, ist bestenfalls eigenartig. Schlimmstenfalls sind sie Sexualstraftäter."

LGBTI-Aktivist*­innen kritisierten, dass die bloße Sichtbarkeit von queeren Menschen keine "Sexualisierung" sei. Sarah Kate Ellis, die Chefin der LGBTI-Organisation GLAAD, sieht den Brief als Teil eines Trends, "die wachsende Akzeptanz von LGBTI zu bekämpfen".

Derzeit versuchen viele republikanisch kontrollierte Staaten, Sichtbarkeit von queeren Menschen einzuschränken, weil diese angeblich Kindern und Jugendlichen Schaden zufüge. Die Argumentation ist dabei ähnlich wie beim russischen Gesetz gegen "Homo-Propaganda". Florida ist in dieser Frage bislang am weitesten gegangen: Der Gouverneur hat ein Gesetz unterzeichnet, das Diskussionen über sexuelle Orientierung oder Geschlechts­identität bis zur zwölften Klasse einschränkt oder verbietet (queer.de berichtete).

Die fünf Senatoren, die den Brief unterzeichnet haben, gelten als extrem queer­feindlich. Mike Lee hatte etwa vor einigen Jahren einen Gesetzentwurf eingebracht, der religiösen Menschen oder Firmen eine pauschale Lizenz zum Diskriminieren von queeren Personen geben sollte (queer.de berichtete). Kevin Cramer ließ sich im Wahlkampf von der queer­feindlichen Hassgruppe "Public Advocate of the United States" sponsern, die Homosexualität mit sexuellem Missbrauch von Kindern in Verbindung bringt und für die "Heilung" von queeren Menschen wirbt. (dk)

-w-

#1 PetterAnonym
  • 11.05.2022, 13:14h
  • Das wird ja immer schlimmer und immer radikaler.

    Das ist nicht nur homophob, transphob und menschenverachtend, sondern auch ein schwerer Verstoß gegen die Verfassung.

    Aber wenn sich die konservative Politik die Verfassungshüter nach gusto aussucht, dann wird wohl selbst sowas durchgewunken.
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#2 SakanaAnonym
#3 Quo vadisAnonym
  • 11.05.2022, 14:10h
  • Ich denke, es wird queeren und anderen von diesen reaktionären Menschenfeinden lieber gestern als morgen eliminierten Gruppen nichts übrig bleiben, als den Schritt zu gehen und den bislang vielleicht noch als politischen Gegner angesehenen Feind auch als solches zu bezeichnen: Als politischen und persönlichen Feind.

    Mag Haarspalterei sein, ist imho aber der einzige Weg: Mit Gegnern kann man sich ggf. auf eine Lösung einigen, wünschenswert wäre dabei natürlich der diplomatische Weg.

    Das, was diese Menschenfeinde aber planen (und das ist ja nicht die erste und einzige Lanze für den Faschismus, die diese Personen brechen), lässt sich imho nicht mehr mit Diskussionen und schon gar nicht mit Kompromissen akzeptieren. Deshalb trifft der Begriff "Feind" es imho besser als Gegner.

    Nach "Ye Orange Ones" Abwahl hatte ich zumindest eine minimale Hoffnung, dass sich die US of A wieder, und wenn auch nur ein klitzekleines bisschen, "fangen". Aber der Krieg gegen Menschenrechte, Miteinander und Demokratie wird von der GOP mit zunehmender Härte und Widerlichkeit geführt. Da stehen sie den ihren ideologischen Kumpels/Freunden/Ideolen, den Putins, Orbans, Kaczyskis, Erdogans & Co.dieser Welt in Nichts nach. Da *kann* imho keine Diskussion stattfinden, weil es nicht die kleinste Gemeinsamkeit gibt.

    Es läuft -traurigerweise- wohl wirklich auf eine unversöhnliche Spaltung hinaus, zumindest im politischen Amerika. Wie groß die Menge an Rotkäppchen "draußen" tatsächlich ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, außer anhand der letzten Wahlergebnisse und der -und das ist hoffentlich trügerisch- der Lautstärke der Menschenhasser unter dem mit M beginnenden Vier-Buchstaben-Banner.

    Mir graut es vor den nächsten Wahlen "drüben".
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