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"Historischer Moment"

Neue Biden-Erklärerin in schwierigen Zeiten

Karine Jean-Pierre tritt am Freitag ihr Amt als Sprecherin des Weißen Hauses an – als erste Schwarze und erste offen lesbische Frau.


Karine Jean-Pierre sammelte bereits als stellvertretende Pressesprecherin Erfahrungen (Bild: The White House)
  • Von Fabian Erik Schlüter, AFP
    12. Mai 2022, 09:29h, noch kein Kommentar

"Das ist ein historischer Moment, und das ist mir nicht entgangen", hat Karine Jean-Pierre gesagt, als ihr Aufstieg zur Sprecherin von US-Präsident Joe Biden verkündet wurde. "Ich verstehe, wie wichtig das für so viele Menschen ist." Als neue Chefsprecherin des Weißen Hauses schreibt Jean-Pierre tatsächlich Geschichte: Die 44-Jährige, die am Freitag die Nachfolge der scheidenden Biden-Sprecherin Jen Psaki antritt, wird die erste Schwarze und die erste offen homosexuelle Frau auf dem wichtigen Posten.

Den Platz am berühmten Stehpult im Presseraum des Weißen Hauses hat Jean-Pierre schon mehrfach eingenommen. Als Stellvertreterin Psakis erklärte und verteidigte sie dabei vor Journalist*innen die Politik der US-Regierung. Nun wird sie als neues Gesicht der Regierung täglich vor der Presse und damit im Rampenlicht stehen.

Mit Jean-Pierres Beförderung macht Biden ein Mal mehr sein Versprechen wahr, in seiner Regierungsmannschaft auf Diversität zu setzen. Der Präsident hatte schon im Wahlkampf versprochen, dass seine Mitarbeiter*innen bei Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung die Vielfalt der US-Bevölkerung widerspiegeln sollten.

Es wäre aber sicherlich verkehrt, die mit einer Journalistin des Nachrichtensenders CNN liierte Jean-Pierre nur darauf zu reduzieren. Die im französischen Überseegebiet Martinique als Tochter haitianischer Eltern geborene 44-Jährige hat viel politische Erfahrung.

Bereits für Obama aktiv

Sie arbeitete schon 2008 und 2012 in den Wahlkampfteams von Barack Obama und war während Obamas Präsidentschaft im Weißen Haus für den damaligen Vizepräsidenten Biden tätig. 2020 war sie dann in Bidens Wahlkampfteam aktiv und wurde beim Amtsantritt des neuen Präsidenten im Januar 2021 stellvertretende Sprecherin.

Die Absolventin der New Yorker Elite-Universität Columbia, die gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin eine Tochter hat, hat auch Erfahrung in der Welt der Nichtregierungsorganisationen. Unter anderem arbeitete sie für die linksgerichtete Mobilisierungsgruppe MoveOn.

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Jean-Pierres Vater arbeitete in New York als Taxifahrer, ihre Mutter als Pflegerin. Ihr Aufstieg aus einer Einwandererfamilie in die höchsten politischen Zirkel steht sinnbildlich für den amerikanischen Traum. Jean-Pierre hat in einem 2019 veröffentlichten Buch aber auch über den "Druck" gesprochen, den es mit sich bringt, in einer Einwandererfamilie aufzuwachsen.

Jean-Pierre hat offen darüber gesprochen, dass sie als Kind Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, und dass sie in der Vergangenheit unter Depressionen litt und sich sogar das Leben nehmen wollte. Sie sieht sich selbst als Beispiel dafür, dass jeder sein Schicksal trotz der Widrigkeiten des Lebens in die eigene Hand nehmen kann.

"Wenn du leidenschaftlich darüber bist, wer du sein und wohin du gehen willst, und wenn du hart auf dieses Ziel hinarbeitest, dann wird es passieren", sagte sie kürzlich. "Du wirst manchmal niedergeschlagen sein und du wirst harte Zeiten haben und es wird nicht immer leicht sein. Aber die Belohnung ist ziemlich unglaublich, vor allem, wenn du dir treu bleibst."

Die Belohnung ist jetzt zunächst ein wahrer Knochenjob: Jean-Pierre übernimmt den Posten der "White House Press Secretary" in turbulenten Zeiten. Bidens ohnehin schon schlechte Umfragewerte leiden unter der hohen Inflation, seine Reformagenda steckt seit geraumer Zeit fest, seine Demokraten steuern auf eine schmerzhafte Niederlage bei den Kongress-Zwischenwahlen im November zu. Jean-Pierres ist eigenen Worten zufolge darauf vorbereitet: "Es wird nicht immer leicht sein."