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Kommentare zu:
Zweite Gutachterin wirft Pastor Latzel Verbreitung von Hass vor


#1 ElfolfProfil
  • 14.05.2022, 07:41hHamburg
  • Ein sogenannter christlicher Pfarrer holt einen Gutachter, der sich auf das alte Testament bezieht. Also Auge um Auge, Zahn um Zahn. Damir hatte er sich schön disqualifiziert. Seine Glaubenslehre fußt auf dem neuen Testament mit dem Spruch, schlägt einer dich auf die Rechte Wange, so halte ihm auch die Linke hin. Also das Gegenteil, was Laatzel predigt. Wenn das Gericht dem ersten Gutachter folgt, hat es selbst das Christentum nicht begriffen. Wer Homophobie aus dem alten Testament lesen will, darf auch keine Shrimps essen. Die sind dort nämlich auch verboten.
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#2 JuristAnonym
  • 14.05.2022, 09:56h
  • Antwort auf #1 von Elfolf
  • Das eigentliche Problem in diesem Berufungsverhandlung ist aus meiner Sicht, dass überhaupt theologische Gutachter befragt werden.

    Darum geht es nämlich nicht:

    Grundrechte finden dort ihre Grenze, wo die Grundrechte anderer verletzt werden.

    Das gilt für die allgemeine Meinungsfreiheit genauso wie für die Religionsfreiheit.

    Wenn wie im Fall von Herrn Latzel zu Gewalt gegen andere Menschen aufgerufen wird und diese einfach als Verbrecher bezeichnet werden, dann hat das mit Religion nichts mehr zu tun, sondern ist einfach strafrechtlich relevant.

    Insofern finde ich den Ansatz des Landgerichts Bremen von vornherein nicht nur bedenklich, sondern offensichtlich falsch.

    Die Frage im vorliegenden Fall kann eigentlich nur sein, ob hier eine Strafbarkeit wegen Fuchs Verletzung oder nur wegen Beleidigung vorliegt.

    Das beste Argument der Verteidigung ist eigentlich die Behauptung, das Seminar sei nur versehentlich auf YouTube veröffentlicht worden.

    Das ist zwar offensichtlich eine Ausrede, dürfte aber schwer zu widerlegen sein.
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#3 Lucas3898Anonym
  • 14.05.2022, 11:11h
  • Das Gericht wird schon wissen, warum sie die Gutachter in der Reihenfolge eingeladen hat.
    Damit konnte Sie nun den ersten Gutachter schön auseinander nehmen.

    Der Befangenheitsantrag ist nur ein letzter verzweifelter Versuch der Verteidiger eine erneute Verurteilung abzuwenden.
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#4 PrideProfil
  • 14.05.2022, 14:41h...
  • So weit die Gutachter*innen, die zum Prozess, wie in den vorigen Foren zu Latzel dargelegt, aus juristischen Gründen überhaupt nicht einzubestellen sind, auseinanderliegen, so kommen sie in dem einzig juristisch relevanten Zusammenhang überein. Die Kreiszeitung zitiert den "konservativen" Gutachter inhaltlich und direkt, indem sie schreibt, dass die Irritationen und Provokationen (durch Latzel) aber verständlich seien, "weil die Aussagen aus dem Kontext genommen sind". Und die Bild-Zeitung zitiert die liberale Gutachterin da ähnlich und noch einhelliger, leider für mich gerade nicht zu ergoogeln, und fügt deren weitere Ausführung hinzu, dass es in der wissenschaftlich-universitären evangelischen Theologie sogar einhellige Meinung sei, dass die Bibel nicht queerfeindlich sei. Dieser Wissensstand müsste auch bis zu einem Latzel vorgedrungen sein, so dass sein Verweis auf die Bibel bezüglich seiner vom Amtsgericht eindeutig dargelegten strafbaren Volksverhetzung so oder so überflüssig ist.
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#5 nichtjuristAnonym
  • 14.05.2022, 15:12h
  • Antwort auf #2 von Jurist
  • Allein die Tatsache, dass wie selbstverständlich Gutachter*innen aus dem religiösen Spektrum wiederholt zur Rechtsfindung bestellt werden, ist ein Verstoß gegen die Gleichbehandlung derer gegen die die Aussagen dieses Hass-Predigers gerichtet sind.
    Würde dies doch bedeuten, dass Hass und Hetze (in Folge dessen darüber hinaus auch physische Gewalt) als legal oder zumindest milder zu bewerten wären, wenn sich Täter*innen nur auf irgendeine Religion oder irgendeinen Glauben berufen würden.
    Ein Staat sowie dessen Gerichte, die diesem offensichtlichen Irrsinn folgen, offenbaren die gewollte Missachtung von Menschen und letztlich auch die der eigenen Existenz.

    Wenden wir diese Logik des Gerichts auf (religiös begründeten) Terrorismus oder etwa auf Hetze und Gewalttaten aus dem rechten Spektrum an, zeigt sich die Voreingenommenheit des Gerichts gegenüber den Menschen, die dieser Hass-Prediger verfolgt.

    Selbst wenn Begrifflichkeiten und Formulierungen, wie Gender-Dreck, Degenerationsform von Gesellschaft, todeswürdige Homosexualität, teuflische Homosexualität, Verbrecher vom CSD oder Zerstörer der gesamten Zivilisation und Kultur in der Bibel zu finden wären, kann und darf dies niemals zur Entschuldigung oder zur abmildernden Erklärung von Verbrechen angeführt werden.
    Religionsfreiheit bedeutet ebenso wie Meinungsfreiheit eben eindeutig nicht, dass radikales Gedankengut verbreitet und propagiert werden darf. Insbesondere nicht per Amt oder Stellung.

    Öffentlichkeit ist bei einem Geistlichen ebenso immer gegeben, wie etwa bei gewählten Politiker*innen sobald vor Dritten gesprochen wird und dies, beabsichtigt oder nicht, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird.
    Ein Ehe-Seminar ist genauso wenig privat, wie bspw eine geschlossene Veranstaltung von Politiker*innen.
    Hier kann und darf auch nicht durch die Art der Veranstaltung ein rechtsfreier Raum konstruiert werden.

    Dieser Hass-Prediger ist ein Verbrecher, der bewusst und gezielt gegen Verfassung, gegen Wissenschaft und gegen Menschen hetzt und agitiert. Wohin dies führt und was dies bedeutet, wenn dies relativiert und nicht klar sanktioniert wird, zeigt unsere Geschichte leider in einem heute immer noch unvorstellbar bestialischem Ausmaß.
    Es sind eben nicht nur Worte.
    Es ist eine alt bekannte Gesinnung, die Geschehenes rechtfertigt, revidiert und den Boden für eine neue Ernte versucht zu bestellen.
    Die evangelische Kirche offenbart sich in der Figur des Hass-Predigers und im Umgang mit diesem mal wieder in zumindest alt bekannter passiver Mittäterschaft.
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#6 nichtbinärePersonAnonym
#7 Ana NymAnonym
  • 14.05.2022, 17:21h
  • Es ist sicherlich okay, wenn die Lebensumstände durch entsprechende Gutachterinnen, eines Angeklagten zu Rate gezogen werden.
    Diese Gutachterinnen dürfen natürlich nicht die einzigen Gutachterinnen sein.
    Letztlich geht es um Volksverhetzung die nicht im Rahmen einer Sekte oder Gruppe stattgefunden hat, sondern sie war öffentlich.
    Deswegen wird wohl die Behauptung: "aus Versehen" in Kombination mit der im Grundgesetz zugesicherten Glaubensfreiheit viel Gewicht haben bei dem zu erwartenden Freispruch.
    Ein Punkt könnte dabei sein, in wie fern das Seminar nicht auch öffentlich war.
    Wir dürfen gespannt sein.
    Vor einigen Jahren hätten Latzels Reden vermutlich nicht zu einer Anklage wegen Volksverhetzung geführt.
    Immerhin ...
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#8 steff40Anonym
  • 14.05.2022, 17:50h
  • Antwort auf #6 von nichtbinärePerson
  • Ja, auch ich finde gut, wenn er verurteilt wird.
    Aber wo bitte ist er denn durch "die Kirche" unterstützt worden? Genau das Gegenteil ist der Fall: seine eigene Bremische Kirche lässt das Disziplinarverfahren nur ruhen, das sie eröffnet hat und wahrscheinlich wäre sie ihn liebendgern los. Und alle wesentlichen Vetreter:innen aus dem evangelischen Bereich haben ihm sehr klar widersprochen, allen voran der damalige Ratsvorsitzende. Ja, es gibt nach wie vor diese verbohrten Vertreter:innen vor allem aus dem evangelikalen Sprketum, sie sind aber ein kleine Minderheit, die es immer geben wird - wie überall. Ob nun in Parteien, Institutionen, Vereinen usf.
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#9 Lucas3898Anonym
#10 nichtbinärePersonAnonym
#11 PrideProfil
  • 14.05.2022, 19:30h...
  • Antwort auf #7 von Ana Nym
  • Dass Volksverhetzung für sich steht und nicht unter Glaubensfreiheit fällt, wurde u.a. von mir in dem vorvorigen Forum zu Latzel mit dem Verweis auf den von Sakana gesetzten Link zu den bpb dargelegt. Und die behauptete Ausrede, dass ein Gemeindemitglied die Worte Latzels ins Internet gestellt hat, kann nicht einem Zweifel für den Angeklagten dienen, weil das wohl nicht ohne das Einverständnis Latzels im allgemeinen geschehen sein kann und er ansonsten deshalb sofort hätte Vorsorge treffen müssen, dass seine Worte nicht veröffentlicht werden. Der juristischen Tragweite wohlmöglich bewusst, hätte er sein Eheseminar auch schon vor der Gruppe nicht halten dürfen. Und Latzel will ja wohl auch bis vor's Bundesverfassungsgericht gehen. Im Namen der Religionsfreiheit alles von ihm Gesagte wiederholen zu können, den Eindruck hinterlässt Latzel wohl auch mit seinen weiteren Äusserungen. Ein Verweis auf die Bibel spielt dabei wohl ebenfalls keine all zu grosse Rolle. Den kann er sich auch sparen, steht eine Verurteilung wegen Volksverhetzung juristisch eben unabhängig von der Religionsfreiheit. Ich setz' deshalb auch nicht auf ein "spannendes" Urteil, sondern darauf, dass die Justiz letztlich dem Inhalt der Volksverhetzung nach verurteilt.
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#12 Lucas3898Anonym
#13 PrideProfil
#14 WunderbarAnonym
  • 14.05.2022, 21:40h
  • Dreißig Paare sind keine ganz kleine Gruppe. Vor allem verbreitete Latzel seine Hasspredigt via Internet an ein breites Publikum, quasi als Fensterrede, in aufhetzender Form. Und dafür ist er eben auch zu belangen.
    Theologische Deutungen bringen nicht viel weiter. Natürlich darf Latzel seine krude Weltanschauung haben und auch predigen. Das findet aber seine Grenzen, wo es zur Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung wird. Allein schon der Unfrieden, den er ausgelöst hat und fortwährend stiftet, deutet darauf hin.
    Die Gesellschaft hat sich längst weiterentwickelt - außer religiösen Fanatikern verbreitet wohl kaum jemand noch Schwulenhass.
    Dass die BEK wider besseren Wissens an diesem Hetzer festhalten will und ihn in ihrem Namen weiter predigen lässt, ist ein Armutszeugnis, spricht aber für sich selbst.
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#15 HannesFFMAnonym
#16 steff40Anonym
  • 14.05.2022, 23:36h
  • Antwort auf #10 von nichtbinärePerson
  • Natürlich habe ich das gelesen, zumal da auch nochmal Bedford-S. erwähnt ist. Diese Gemeinde, in der er Pastor ist, die hält natürlich zu ihm, ist eben eine evangelikale Gemeinde. Aber er hat keine Unterstützung aus der EKD. Auch auch die BEK -wie jamend anders schrieb- unterstützt ihn eben nicht, kann ihn aber schwerlich loswerden. Da glaube ich nicht, dass die Strafe, wenn sie denn überhaupt Bestand hat, zu einer Entfernung aus dem Dienst führen wird.
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#17 Lucas3898Anonym
#18 nichtbinärePersonAnonym
  • 15.05.2022, 02:54h
  • Antwort auf #16 von steff40
  • Man kann natürlich jetzt kleinkariert unterscheiden zwischen der Kirchengemeinde und der "Kirche". Meine Denkweise ist das nicht. Und nein, ich werde jetzt nicht anfangen, über innerkirchliche Strukturen zu diskutieren.

    Hass bleibt Hass, und wer für ihn betet, dass er freigesprochen wird, unterstützt diesen Hass. Für mich ist damit alles Entscheidende gesagt.
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#19 FliegeAnDerWandAnonym
  • 15.05.2022, 08:03h
  • Ich verstehe nicht, weshalb vor Gericht hier und auch bei der Christin in Berlin mit den homofeindlichen Bibelsprüchen in ihrem Imbiss, überhaupt theologisch argumentiert wird. Wir leben nicht in einem Gottesstaat, maßgeblich sollte vor Gericht das StGB sein, und nichts anderes. Ob man "im Mainstream" mit potentiellen Volksverhetzern einer Meinung ist, hat vor einem Gericht auch nichts zu suchen, imo. Hier ist ein Rechtsstaat und keine Volksdiktatur und wenn andere Trottel sich auf Koran und Scharia berufen werden da folgerichtig auch nicht zwei Schriftgelehrte der Unis Teheran und Kairo eingeladen, um festzustellen ob ein Imam in seiner Moschee Blödsinn redet. Ich kapiere diesel ewige Katzbuckelei vor den christlichen Kirchen nicht, Priester und Pastoren stehen nicht über dem Gesetz! Hoffe ich Mal.
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#20 PrideProfil
#21 steff40Anonym
  • 15.05.2022, 21:21h
  • Antwort auf #17 von Lucas3898
  • Das ändert doch nichts daran, dass seine Kirche, also die BEK, ein Diszipinarverfahren gegen ihn führen kann. Und ich bin mir sicher, das werden sie tun, wenn es beim Strafmaß bleibt. Da kommt es auf das Gericht an, und ich hoffe sehr, dass sie das erstinstanzliche Urteil bestätigen.
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#22 steff40Anonym
  • 15.05.2022, 21:27h
  • Antwort auf #18 von nichtbinärePerson
  • Es ist dringend nötig, zwischen dieser einen Kirchengemeinde in Bremen und "der Kirche" zu unterscheiden. "Die Kirche", ich meine die evangelischen Landeskirchen in Deutschland und auch die EKD als Dachverband, sind an ganz anderer Stelle als Latzel. Es ist so wie z.B. auch beim Fußball: ich kann aus meinem Verein austreten und würde das sicher tun, wenn der honophob ist. Aber mache ich das eigentlich auch, wenn sich irgendjemand aus einem entfernten Fußballwinkel Deutschlands homophob äußert? Wohl eher nicht.
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#23 ShadowdancerAnonym
  • 16.05.2022, 02:20h
  • Antwort auf #2 von Jurist
  • ... ich finde es schon relevant zu prüfen inwiefern Religionsfreiheit/Weltanschauungsfreiheit ... als Verteidigungsargument hier überhaupt in Stellung gebracht werden kann.

    Die Grundlage protestantischen Glaubens sind ja die Schriften der Bibel, an die sich die Glaubenden gebunden wissen.

    Wenn nun die Schriftauslegung Latzels an der Stelle eher von Willkür geprägt sein sollte, dann wäre mAn Meinungsfreiheit mehr als Religionsfreiheit das "bedrohte" Rechtsgut, auf das sich Latzel berufen kann.

    Soweit mir bekannt ... sind die Grenzen der Meinungsfreiheit jedoch klarer und einfacher zu verhandeln als die der Religionsfreiheit. Insofern finde ich das nicht völlig unwichtig und nebensächlich.

    Dass beide Begutachtenden zu dem Ergebnis kommen, dass Homosexualität in der Bibel bestenfalls Nebensache ist ... ist ein Befund mit dem sich juristisch arbeiten lässt. Die inhaltlich konträren Einschätzungen der Gutachen haben auch eine gewisse Relevanz.

    Kurz: Um sorgfältig abzuklären welche Rechtsgüter inwiefern für Latzel in Frage kommen, dafür scheinen mir die Gutachten wichtig.

    In der Sache hoffe ich darauf, dass die Verurteilung Bestätigung erhalten wird.
    Mit den Gutachten und einer erneuten Verurteilung könnte es auch leichter werden weitere fundamentalistisch-christliche Hass-Aussagen juristisch zu belangen, bzw. Verurteilungen zu bekommen.
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