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Eurovision Song Contest

Eurovision-Finale 2022: Alle Songs im Überblick

Unser ESC-Experte Jan Gebauer stellt euch die 25 Beiträge des Grand-Prix-Finales aus Turin vor und tippt, welche Länder bei der Punktevergabe ganz vorne landen.


Von links oben: Italien, Ukraine, Island, Deutschland und Australien (alle Bilder auf dieser Seite: EBU)

Nach dem Sieg von Måneskin mit "Zitti e buoni" im vergangenen Jahr findet der 66. Eurovision Song Contest unter dem Motto "The Sound of Beauty" in der Pala Alpitour im italienischen Turin statt. Es moderieren neben dem offen schwulen Sänger Mika, der vor gut 15 Jahren einige Hits wie "Grace Kelly" hatte, Italiens Pop-Superstar Laura Pausini und Alessandro Cattelan, der als Fernseh- und Radiomoderator ebenfalls sehr bekannt ist. Pausini und Mika werden auch als Pausen-Acts auftreten, ebenso wie Måneskin, die einen Medley präsentieren. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit der Siegerin von 1964, Gigliola Cinquetti, die ihren Klassiker "Non ho l'età (per amarti)" singt.

Playlist-Direktlink | Youtube-Playlist mit allen Beiträgen des Finales (nicht in Startreihenfolge)
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Ab 21 Uhr wird die Show im Ersten und auf eurovision.de ausgestrahlt. Auch in diesem Jahr kommentiert Peter Urban. Barbara Schöneberger wird das Rahmenprogrammen vor und nach dem ESC-Finale moderieren und unter anderem Michelle mit einer neuen Version ihres ESC-Beitrags "Wer Liebe lebt", Max Giesinger, Thomas Hermanns und den dreimaligen ESC-Sieger Johnny Logan begrüßen.


Alle Finalbeiträge in der Startreihenfolge


V.l., oben: Tschechien, Rumänien, Portugal, Finnland

1. Tschechien: We Are Domi – Lights Off
Das Finale wird stimmungsvoll von diesem Electropop-Banger eröffnet. Es gibt zwar Projektionen von Statuen und eine effektreiche Lichtshow, ansonsten fühlt sich der Auftritt der Gruppe We Are Domi aber wie ein ungekünstelter Club-Auftritt an – ohne einstudierte Gesten oder komplizierte Tanzschritte. Leadsängerin Dominika, Tochter von Eishockey-Torwart-Legende Dominika Hašek, kann außerdem richtig gut singen – was beim zweiten Halbfinale schon ein Novum war. Da schauen wir großzügig über den hässlichen Hosenabzug von Dominika hinweg.
Prognose: Die Tschechen profitieren davon, dass es wenig Dance-Nummern gibt. Die starke Performance und der nordische Touch machen die Top 10 möglich.

2. Rumänien: WRS – Llámame
Es wird – zumindest augenscheinlich – queer! Böse Zungen behaupten, der rumänische Sänger sei lediglich der verkleidete israelische (und offen schwule) Vertreter Michael Ben David, der im zweiten Halbfinale durch sein aufdringliches Fuchteln zwischen den Moderatoren auffiel. Und dann leider, leider mit seiner Pride-Hymne "I.M" nicht das Finalticket zog. Ein bisschen "Dirty Dancing", eine schon oft gesehene Lackhose und ein dröger Latin-Pop-Song in holperigem Englisch – wir drücken WRS trotzdem beide Daumen, denn der Sänger war bei der rumänischen Vorausscheidung homophoben Attacken ausgesetzt.
Prognose: Hey Malik, du wirst vielleicht doch nicht Letzter!

3. Portugal: MARO – Saudade, Saudade
Das Lieblingswort der Portugiesen, "Saudade", heißt frei übersetzt so viel wie "Weltschmerz" oder "Sehnsucht". Keine Angst, so dramatisch ist das entspannte, meditative Lied nicht. Im Refrain kommt sogar so etwas wie Stimmung auf, wenn die Mädels im Kreis stehend zum Rhythmus klatschen. Das hat man bei einer Ballade auch nicht so oft. Übrigens ist das keine Gruppe, sondern Sängerin MARO klatscht mit ihren Backgroundsängerinnen um die Wette.
Prognose: Ein kleines, besinnliches Lied, das leider zwischen den flotten Nummern untergeht.

4. Finnland: The Rasmus – Jezebel
Hätte man The Rasmus 2003 die ESC-Teilnahme angeboten, als sie mit "In the Shadows" die Charts rockten, hätten sie vermutlich herzhaft lachend abgelehnt. Nach einigen mageren Jahren stellt sich eine der erfolgreichsten Rock-Bands Finnlands in gelben Gummistiefeln dem Votum der ESC-Gemeinde. Der Schlager-Rock von "Jezebel" dürfte indes selbst empfindsame Gemüter nicht verschrecken, denn als Songschreiber und Produzent war der offen schwule Desmond Child am Werk, der schon Welthits für Cher, Bon Jovi und Kiss oder Flops wie Bonnie Tylers ESC-Beitrag im Jahre 2013 schrieb. Achtung: Leadsänger Lauri Ylönen zieht blank!
Prognose: Die Profis ziehen ihre Show zwischen schwarzen Luftballons routiniert ab und haben einen Ohrwurm am Start. Das Mittelfeld sollte drin sein.


Schweiz, Frankreich, Norwegen, Armenien

5. Schweiz: Marius Bear – Boys Do Cry
Die Überraschung im ersten Halbfinale, denn viele hatten den Schweizer Singer-Songwriter Marius Bear nicht auf der Rechnung. Die leise Ballade, Marius' etwas unbeholfene Bewegungen und seine heisere Stimme erinnern in den besseren Momenten an Joe Cocker. In den anderen an einen Nachwuchswettbewerb. Das gilt auch für die Show. Manche Lichtakzente sind schön, andere wie das projizierte Herz wirken aufgesetzt. Dabei dachte man vor zwei Jahren bei seinem Balladen-Cover von Whitney Houstons "I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)" noch "geile Stimme"!
Prognose: Schon rührend, wird aber letztlich nur für einen hinteren Platz reichen.

6. Frankreich: Alvan & Ahez – Fulenn
Erstmals seit 1996 präsentiert Frankreich wieder einen Beitrag in bretonischer Sprache. Alvan ist ein auf Electro spezialisierter DJ und einer der heißesten Typen im Wettbewerb. Als Verstärkung hat er Ahez, eine dreiköpfige Girl Group, dabei. Gemeinsam geht die Post ab, denn zwischen grünem Licht, viel Pyro und harten Electro-Folk-Beats reißt Frankreich nach dem Chanson-Drama im letzten Jahr dieses Mal die EDM-Hütte ab. Definitiv origineller als der monotone Latin-Pop vom Nachbarland Spanien.
Prognose: "Fulenn" heißt auf bretonisch "Funke" und der springt über! Frankreich wird wieder weit vorne landen.

7. Norwegen: Subwoolfer – Give That Wolf A Banana
Wolfsmasken, gelbe Ganzkörperkondome, ein DJ-Astronaut und eine abgefahrene Choreo: DIE Gaga-Nummer in diesem Jahr! Der Krux an solchen Gaga-Nummern ist, dass sie gut gemacht sein müssen, um zu punkten. Das ist bei den Norwegern der Fall! Das hat Herz und gute Vocals, wobei selbst in Norwegen immer noch nicht 100% klar ist, wer hinter der Maske singt. Egal, der knackig produzierte Electro-Pop-Ohrwurm und die zackige, hervorragend inszenierte Choreo mit drei gelben Tänzern à la Blue Man Group machen drei Minuten Spaß. Wird insbesondere bei den Zuschauern abräumen!
Prognose: Nichts für Bananenhasser oder Maskenverweigerer, aber ein witziger Beitrag, der gute Chancen auf die Top 10 hat.

8. Armenien: Rosa Linn – Snap
Dieses Jahr setzen etliche Lieder auf entspanntes Midtempo, so auch die Armenierin mit ihrem gut gesungenen "Snap". Die Schlafzimmer-Darbietung ist allerdings verwirrend: Rosa sitzt erst auf dem Bett, reißt dann Zettel, die wie Klopapier aussehen, von einer Wand, um bedeutungsschwer Botschaften und Texte zu enthüllen. Eine weiße Gitarre à la Nicole kommt auch noch zum Einsatz, bevor Rosa in einem beleuchteten Kreis in Raumschiffoptik zum Finish ansetzt. Was soll uns das sagen?
Prognose: Verquerer Kleinmädchentraum mit übertriebener Inszenierung, der nicht weiter ins Gewicht fällt. Den cremefarbenen Anzug kann sie mit dem flatternden Klopapier gleich mitentsorgen.


Italien, Spanien, Niederlande, Ukraine

9. Italien: Mahmood & Blanco – Brividi
Auch 2022 gehört Gastgeber Italien mit seinem queeren Duett verdient zum Favoritenkreis. Mahmood vertrat seine Heimat bereits 2019 beim ESC und belegte dort mit "Soldi" den zweiten Platz. Im Duett mit Blanco, der 2021 mit drei Nummer-eins-Hits zum Superstar in Italien aufgestiegen ist, präsentiert er eine filigrane Ballade, die nicht nur San Remo gewann, sondern auch schon über 80 Millionen Klicks auf Spotify generierte. In den Proben schwächelten beide spektakulär. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn schon 2019 dilettierte Mahmood bei den Proben. Die Aufnahmen vom Jury-Finale waren tadellos.
Prognose: Ein erneuter Sieg ist unwahrscheinlich, aber weit vorne können die Italiener mit ihrer schönen, eleganten Ballade wieder landen. Gehört zum Favoritenkreis!

10. Spanien: Chanel – SloMo
Der Sommerhit auf Malle ist gesichert: Seit Eleni Foureira 2018 für Zypern ihr "Fuego" zündete und auf Platz zwei landete, gibt es jedes Jahr neue Latin-Pop-Stampfer, die mit Sex-Appeal und wilden Choreos punkten. "SloMo" von Chanel klingt nicht nur zufällig nach einer Jennifer Lopez-B-Seite, sondern wurde der Legende nach auch für diese komponiert. Die hat aber – wen wundert es – nie zurückgerufen. Sexy Chanel griff zu und kann nun mit einer Handvoll heißen Latin-Lovern um die Wette tanzen. Dabei geht ihr verständlicherweise oft die Puste aus. Und wer hat sie bloß in den panzerartigen Torero-Badeanzug gesteckt? Unschöne Randnotiz: Einige Spanier feiern bereits ihren Sieg und daheim beginnt schon die Planung für die Austragung des ESCs.
Prognose: Musikalische Resteverwertung, die sich hauptsächlich durch die optischen Reize der Sängerin sowie die ausgezeichnete Choreografie und Tanzleistung behauptet. Erstmals seit 2014 sind für Spanien wieder die Top 10 drin – nach oben hin ist alles möglich!

11. Niederlande: S10 – De diepte
Seit dem 2010er Desaster mit "Ik ben verliefd (Sha-la-lie)" haben die Niederländer nie wieder in Landessprache gesungen. Dieses Jahr gehen sie mit der in ihrer Heimat sehr erfolgreichen Sängerin S10 und "De diepte" das große Wagnis ein. Es wird depressiv und das nicht nur musikalisch, denn das Lied handelt von "Der Tiefe" psychischer Probleme (S10 ist bipolar). Das Ganze drückt aber nicht zu sehr auf die Tränendrüse, sondern wirkt authentisch und gefühlvoll. Die Inszenierung ist sehr sparsam, die Kameraarbeit hervorragend und wer überkandidelte Choreos und Pyros satthat, kommt hier auf seine Kosten.
Prognose: Wenn es eine der vielen Balladen verdient hat, weit vorne zu landen, dann die niederländische, denn hier steht eine echte Künstlerin mit echten Emotionen auf der Bühne!

12. Ukraine: Kalusha Orchestra – Stefania
Seit Monaten steht das Kalusha Orchestra auf Platz eins der Wettbüros. Der (nach der Songauswahl begonnene) Krieg in der Ukraine ist dabei sicher nur ein Faktor, denn der flötenuntermalte, augenzwinkernde Mix aus Hiphop und Folk ist originell und fällt komplett aus dem Rahmen. Hinzu kommt eine farbenfrohe, unterhaltsame Inszenierung, die auch einen wackelnden Wischmopp in schwarz-rot-gold beinhaltet. Eine falsche Fährte, denn die Farben repräsentieren die Flagge der Heimatregion von Kalush Orchestra. Ob der Krieg einen entscheidenden Einfluss auf das Voting hat, bleibt zweifelhaft, denn Mitleidspunkte gab es beim ESC so gut wie nie. Selbst als der Balkankrieg tobte, wurden Bosnien oder Kroatien bei ihren ersten Auftritten nach hinten durchgereicht.
Prognose: Erfolgsfaktor "gute Laune, statt Tränendrüse"! Mit rosa Filzblumentopf auf dem Kopf singen Oleg Psyuk und seine Kollegen um den Sieg mit.


Deutschland, Litauen, Aserbaidschan, Belgien

13. Deutschland: Malik Harris – Rockstars
Nach Shitstorm, vernichtenden Kritiken für den Vorentscheid und einem konstanten Tief in den Wettquoten hat sich Malik Harris mit seinem Lied zumindest in den heimischen Charts ins Mittelfeld geschoben. Auch die Proben in Turin liefen sehr gut. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir es erneut schwer haben werden. Niemand gibt Malik den Hauch einer Chance, mehr zu erreichen als vor ihm Jendrik oder S!sters. Der Formatradio-Pop-Song bleibt durchschnittlich. Lediglich Maliks Einsatz und sein intensiver Gesang werten das unspektakuläre Intermezzo auf.
Prognose: Schon blöd, wenn man nach vier Favoriten antreten muss – und dann ausgerechnet auf dem 13. Startplatz. Alles oberhalb der Top 20 wäre eine Überraschung.

14. Litauen: Monika Liu – Sentimentai
Hat Mireille Mathieu in Litauen ihr Exil gefunden? Nein, Monika Liu singt einen Mix aus Disco und Chanson mit druckvollem Hypno-Beat, der sich geschmeidig wie eine Kobra in die Gehörgänge windet. Dazu dreht sich die Dame lasziv im funkelnden Abendkleid im Kreis und wirkt erfrischend aus der Zeit gefallen. Das hat mehr Charme und Glamour als die Sexbombe aus Spanien, ist aber nichts für Leute, die beim ESC auf Partystimmung warten.
Prognose: Das Weiterkommen im Halbfinale war mehr als verdient. Der schöne, aber leider etwas zu anspruchsvolle Song spielt für die vorderen Plätze keine Rolle. Es sei denn, die Jurys sorgen für eine Überraschung!

15. Aserbaidschan: Nadir Rustamli – Fade to Black
Ein hübscher Kerl, der in Aserbaidschan durch den Sieg der zweiten Staffel von "The Voice" bekannt wurde. Nadir singt eine der vielen dramatischen Liebesballaden, in der er seine raue Stimme voll ausspielen kann. Gesanglich auf jeden Fall ein Highlight und zu Recht im Finale. Ob die dunkle Inszenierung mit yogaähnlichen Bewegungen von Nadir und Begleitung genug auffällt, um sich gegen ähnliche Balladen aus Australien oder Griechenland durchzusetzen, bleibt offen. Zumal die auseinanderfahrende Treppe bei Australien ebenfalls zum Einsatz kommt.
Prognose: Wir kommen gerne trösten und wuscheln ihm durch seine Löckchen.

16. Belgien: Jérémie Makiese – Miss You
Und noch ein "The Voice"-Gewinner, der für die Gesangskarriere sogar die Karriere als Torhüter beim belgischen Zweitligisten R.E. Virton aufgab. Jérémie singt einen R&B-gefärbten Pop-Stampfer im Midtempo. Belgeitet wird er von vier in schwarz gekleideten Tänzern, die in lässiger Boy-Group-Manier die 00er Jahre aufleben lassen. Das ist routiniert und ordentlich in Szene gesetzt, wirkt aber eine Spur zu altbacken. Da kann Jérémie noch so gut singen.
Prognose: Galt schon im zweiten Halbfinale als Wackelkandidat. Sehen wir daher hinten wieder.


Griechenland, Island, Moldau, Schweden

17. Griechenland: Amanda Tenfjord – Die Together
Schwermütige Liebesballaden haben im Angesicht von Krieg Hochjunktur, denn auch die Griechin schaffte damit den Einzug ins Finale. Amanda ist zweifellos eine gute Sängerin, die ihre moderne Electro-Ballade überzeugend präsentiert. Zu Anfang des Liedes gibt es einen cleveren Vocoder-Gimmick und auch die düstere Stühle-Inszenierung unterstreicht das Lied sehr passend. Nur wer hat sie in diesen schrecklichen weißen Nachtkittel gezwängt? Als kleine, unbeabsichtigte Reminiszenz an Sandie Shaw, die 1967 barfuß siegte, trägt Amanda keine Schuhe.
Prognose: Keine Chance auf eine Top-Platzierung, aber durchaus im guten Mittelfeld angesiedelt.

18. Island: Systur – Með Hækkandi Sól
Wer jetzt denkt, die deutschen Sängerinnen von 2019, S!ster sind nach ihrem ESC-Reinfall nach Island geflüchtet, darf sich entspannt zurücklehnen. Die beiden räumen weiterhin irgendwo in einem Discounter Regale ein. Systur sind echte Schwestern und singen etwas über die aufgehende Sonne – und das wunderschön in Landessprache. Die Folk-Mädels überraschten im Halbfinale mit einer reduzierten Inszenierung in Gold und ihrer feenhaften Musik mit butterweichen Harmonien. Selbst die eher sperrige Sprache kommt hier sehr smooth rüber. Das Geschwistertrio setzt sich übrigens öffentlich, auch beim ESC, für die Rechte von trans* Kindern und Jugendlichen ein – eine der Schwestern ist lesbisch, eine Mutter eines trans Kindes.
Prognose: Keine zweiten Common Linnets, aber ein schöner Farbtupfer und hoffentlich ein Ehrenplatz im Finale.

19. Moldau: Zdob și Zdub & Frații Advahov – Trenulețul
Bei den lustigen Folk-Punk-Jungs von Zdob și Zdub handelt es sich um alte ESC-Hasen, denn 2005, bei der ersten Teilnahme von Moldau, und 2011 durften sie bereits für ihre Heimat an den Start gehen. Beim letzten Mal in Düsseldorf fielen sie mit überdimensionalen Hüten und jeder Menge schrägen Humor auf. Den haben sie nicht verloren. Dieses Mal haben die Jungs Verstärkung von Frații Advahov, einem Folklore-Duo bekommen. "Trenulețul" aka "Der Zug" klingt nach Hinterland-Hochzeit und bringt gute Laune auf die Bühne, wenn auch die vorherigen Shows der Jungs besser waren. Lebt die trommelnde Oma von 2005 eigentlich noch?
Prognose: Hey Ho, Let's Go, Folklore'N'Rock'Roll – da ist durchaus mehr als das Mittelfeld drin.

20. Schweden: Cornelia Jakobs – Hold Me Closer
Bei den Schweden ist alles beim Alten: Schöner, radiokompatibler Pop mit guter Stimme, professionell dargeboten und in Szene gesetzt. Was jedoch fehlt ist der A-ha-Effekt. Zugegeben, die Totale von Cornelia Jakobs, Typ Ella Endlich, nimmt einen anfangs direkt gefangen. Der anschließende Schwenk, mit dem schmierigen Bühnenboden im Hintergrund, ist allerdings unschön. Später steht Cornelia Jakobs, wie schon im Melodifestivalen, vor einer grünleuchtenden Scheibe, die rot wird. Wie würde Heidi Klum sagen: Wow?!
Prognose: Das ist alles nett und brav, wird aber im Meer der deutlich stärkeren Konkurrenz untergehen, wenn die Jurys nicht massig Punkte springen lassen.


Australien, UK, Polen, Serbien

21. Australien: Sheldon Riley – Not the Same
Der offen schwule Sänger Sheldon Riley ist in seiner Heimat für seine extravaganten Auftritte mit Masken, Brillen und abgefahrenen Outfits bekannt. Die fährt er auch in Turin auf: Glitzerperlen vor den Augen, ein überdimensionales weißes Kleid und silberbehangene Hände. Dazu singt Sheldon eine große, klassische Pianoballade – mit beeindruckender Stimme. Textlich gab es viel zu verarbeiten: Als Kind wurde bei ihm das Asperger-Syndrom diagnostiziert, seine philippinische Abstammung machte ihm zum Mobbing-Opfer und sein Coming-out in einer tiefreligiösen Familie war auch nicht ohne. Puuu, das ist schwere Kost, die insbesondere in der letzten Minute sehr dick aufträgt.
Prognose: Es gibt besser zu verdauende Schwermut im Finale. Sheldon wird es schwer haben und höchstens die Jurys bezaubern.

22. Großbritannien: Sam Ryder – Space Man
Elton John meets Oasis meets Queen: Angelehnt an fett produzierte Pop- und Rock-Hymnen der Vergangenheit haben die Briten im Gegensatz zu uns Deutschen offensichtlich genug von letzten Plätzen. Sie engagierten Sam Ryder, derzeit einer der größten TikTok-Stars auf der Insel, der während Corona-Pandemie mit Coverversionen berühmter Pop-Songs bekannt wurde. Die perfekte Wahl! Die beste Stimme im Finale singt eine exzellente Pop-Nummer und kassiert damit garantiert keine "nil points". Das hat nicht nur beim Anzug Glanz und Glamour. Der charismatische Typ hat auch echte Starqualitäten! Vor allen Dingen ist er ein echter Performer ohne einstudierte Gesten oder kalkulierte Tanzroutinen.
Prognose: "I wanna go home" singt Sam am Ende seines Liedes – und das wird er – und zwar mit einem strahlenden Comeback für Großbritannien. Kommt aufs Treppchen!

23. Polen: Ochman – River
Klarer Fall von "auf CD schön, live anstrengend". Immerhin, Ochman ist ein hübscher Kerl, der in Polen "The Voice" gewann und sich scheinbar für seinen Beitrag bei Duncan Laurences "Arcade" inspirieren ließ. Nur, dass er in den Höhen noch mehr jammert und leidet. Dennoch sind viele Fans begeistert, was die Wettquoten in die Höhe treibt. Vielleicht liegt es auch an den hemmungslos übertriebenen Spezialeffekten. Nein, der Fernseher ist nicht kaputt, das soll ein Gewitter sein! Aber dann kommen ja noch schwarze, wild tanzende Vogelscheuchen…
Prognose: Sehr auf Wirkung getrimmte Ballade, die vom Startplatz profitiert. Stimmlich findet er viele Fans, was die Top 10 möglich macht.

24. Serbien: Konstrakta – In Corpora sano
Ein Stuhl, eine Schüssel und ein Stückchen Seife: Endlich jemand, der die frühen Corona-Maßnahmen auf die Bühne bringt. Allerdings will Serbiens Sängerin Konstrakta mit ihrem sperrigen Art-Pop-Song "In Corpora sano" vielmehr den immer größer werdenden Gesundheitswahn aufarbeiten. Ganz nebenbei prangert sie an, dass serbische Künstler keinen Zugang zur staatlichen Gesundheitsversicherung erhalten und dass Promis ihre Gesundheit gegen Ruhm eintauschen. Das Lied wird in Landessprache gesungen, enthält jedoch auch einige lateinische Auszüge wie im Titel, der grob übersetzt "in einem gesunden Körper" heißt. Zudem blickt Konstrakta so emotionslos drein wie unser Gesundheitsminister bei seinen Ansprachen.
Prognose: Eine herrlich absurde Abwechslung inmitten der Betroffenheits-Balladen und Pop-Routine. Von ganz hinten bis weit vorne ist alles möglich.


Estland, die Moderator*innen Alessandro Cattelan, Laura Pausini und Mika und die Bühne

25. Estland: Stefan – Hope
Zum Abschluss noch ein knuffiger Country-Bengel namens Stefan, der in Estland bereits durch seine zwei vorherigen Vorentscheidungsteilnahmen bekannt wurde. Das reichte offenbar aus, um später auch die heimische Variante von "The Masked Singer" zu gewinnen. Sein galoppierender Country-Pop-Song "Hope" mit Morricone-Flair in den Versen hebt sich wohltuend vom restlichen Teilnehmerfeld ab und profitiert von Stefans starker Stimme. Er gehört auch zu den wenigen, die die gesamte Bühne nutzen.
Prognose: Dank guter Stimme und sympathischer Ausstrahlung gilt Stefan als Geheimtipp.


Prognose und Punkte

Unser Tipp für die ersten zehn Plätze, in der Startreihenfolge: Tschechien, Frankreich, Norwegen, Italien, Spanien, Niederlande, Ukraine, Schweden, Großbritannien und Polen.

Das Abstimmverfahren der letzten Jahre hat sich bewährt: Aus den 40 im Gesamtwettbewerb teilnehmenden Ländern vergeben Jurys, die bereits einen Durchlauf vom Freitag bewerteten, und das Televote jeweils Punkte an nur zehn Länder. Damit die Spannung bis zum Ende steigt, werden in der Show zuerst die Jury-Stimmen mit den traditionellen Länder-Schalten vergeben, dann die gesammelten Televoting-Stimmen. Aus Deutschland kann per Anruf, SMS und App abgestimmt werden (Infos).



#1 tchantchesProfil
#2 SchonProfil
  • 14.05.2022, 19:51hFürth
  • Wie cool ist das denn? Frische Erdbeeren, eine gute Flasche Frankenwein, wir relaxen beide auf unserem Sofa und warten auf den ESC.
    Allen ESC-Freunden und -Freundinnen wünsche ich viel Spaß und einen schönen Abend mit geilen Performances und Überraschungen.
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#3 Ith_Anonym
  • 14.05.2022, 21:49h
  • Zunächst mal müsste die Ukraine schon hochgradigen Schrott abliefern, um NICHT zu gewinnen, denn weil die Beiträge eigentlich immer vollkommen austauschbares Allerwelts-Pop- und Schlagerzeug sind, wird traditionell politisch abgestimmt, und besonders wohl unter den jetzigen Umständen.

    Und ansonsten noch so'n Kommentar aus der schwulen Ecke, die Aggro-Electro hört und der Rasmus mit "In the Shadows" um einige Grade zu soft war: Könnten wir bitte die Assoziation lassen, dass "offen schwul" zu sein in irgendeiner Verbindung dazu stünde, softes Schlagerzeug zu mögen oder zu produzieren? Ich finde das echt nicht hilfreich, und auf nem Medium, an dem schwule Menschen beteiligt sind, würde ich mir irgendwie erhoffen, dass man es besser wüsste als irgendwelche Cis-Het-Magazine, denen nichts Besseres einfällt, als die sexuelle Orientierung mit "Szene" zu verwechseln.
    Ein Fan war ich von The Rasmus ja jetzt nicht, weil, s.o., schon damals viel zu soft gewesen, aber irgendwo finde ich solche Abstiege herunter zum kompletten Kommerzkacke-Niveau immer sehr traurig. Sch***-Kapitalismus.
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#4 LeviAnonym
#5 BieneAnonym
  • 14.05.2022, 22:46h
  • Die Ukraine wird gewinnen, das ist klar. Eurovision ist zu 100 Prozent politisch. Ach ja, unser Mann hofft das die Ukraine gewinnt (laut welt.de)... Warum versuchen wir es überhaupt noch? Wir glauben ja selbst nicht mehr daran das wir gewinnen werden
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#6 Na dannAnonym
  • 14.05.2022, 23:08h
  • @ Nr. 2 Schon: bester Kommentar der Woche hier!
    Euch viel Spaß!!!

    Die Ukraine wird gewinnen...es sei ihnen aber auch gegönnt.
    Deutschland wird wieder hinten landen...auch weil die andern Länder Deutschland als Land der Dauernörgler und Besserwisser nicht leiden können ;-)
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#7 SchonProfil
#8 SchonProfil
#9 SchonProfil
#10 andyAnonym
  • 15.05.2022, 02:10h
  • Antwort auf #7 von Schon
  • Finde ich auch, die Beiträge waren wesentlich besser, als in den letzten Jahren.
    Das Ergebnis... ok, muss man vielleicht jetzt so hinnehmen.... Musikalisch wäre einiges besser gewesen.... aber angesichts der Lage ok und auch ein eindeutiges Statement...
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