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Eurovision Song Contest

Ukraine gewinnt den ESC und will ihn 2023 ausrichten

Die Band Kalush Orchestra holte das Televoting beim 66. Grand Prix mit großem Abstand. Deutschland bleibt bei seiner Misserfolg-Serie.


Kalush Orchestra auf der ESC-Bühne. "Das ist eine starke Demonstration aus Europa für die Ukraine", meinte der deutsche ESC-Kommentator Peter Urban zu dem Sieg des Landes (Bild: EBU / Sarah Louise)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Sieg seines Landes beim Eurovision Song Contest in den sozialen Medien gefeiert. Er erklärte, dass das vom Krieg erschütterte Land sein Bestes tun werde, um das Finale im nächsten Jahr in der Hafenstadt Mariupol auszurichten.

Nachdem die Band Kalush Orchestra am Samstagabend den Musikwettbewerb gewonnen hatte, schrieb der ukrainische Präsident in einem Post: "Unser Mut beeindruckt die Welt, unsere Musik erobert Europa! Nächstes Jahr wird die Ukraine den ESC ausrichten!" Er fügte hinzu: "Wir werden unser Bestes tun, um eines Tages die Teilnehmer und Gäste des Eurovision Song Contest im ukrainischen Mariupol zu begrüßen. Frei, friedlich, wieder aufgebaut!" Zudem bedankte er sich bei Kalush Orchestra und allen, "die für uns gestimmt haben".

Direktlink | Der Siegesauftritt von Kalush Orchestra
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Bei der Sieger-Pressekonferenz hatte der Eurovision-Supervisor Martin Österdahl der Vertreterin des ukrainischen Senders UA:PBC die Unterlagen zur Austragung im nächsten Jahr gegeben, wie es Tradition hat, und die gute Zusammenarbeit beim ESC 2017 in Kiew gelobt. In der Praxis müsste aber wohl ein baldiger Frieden herrschen, um einen ukrainischen ESC mit der notwendigen Vorlaufzeit zu ermöglichen. So müsste rechtzeitig die Nutzung einer passenden Halle, die Verfügbarkeit ausreichender Hotelbetten und weiterer Infrastruktur und vor allem die Sicherheit der Teilnehmenden, Fans und Mitarbeiter*innen garantiert werden können. Aktuell herrscht in der Ukraine Kriegsrecht und ein Verbot von Großveranstaltungen – russische Raketen könnten zudem mögliche Austragungsorte im ganzen Land erreichen.

In einigen Jahren hatte die EBU Notfallverträge mit einem weiteren Land neben dem Ausrichter geschlossen. Möglich scheint eine direkte Zusammenarbeit der Ukraine mit einem anderen EBU-Sender bei einer Austragung in dessen Land. Fans spekulieren bereits über eine ukrainisch-polnische Veranstaltung wie bei der EM 2012.

EBU: Keine Sanktionen wegen Band-Äußerungen

Der Frontmann von Kalush Orchestra, Oleh Psiuk (27), hatte das Millionenpublikum genutzt, um auf der Bühne ein politisches Statement abzugeben. Er forderte die Menschen nach dem Wettbewerbsauftritt auf, der Ukraine, Mariupol und den Menschen im Asow-Stahlwerk zu helfen. In der Nacht kam es offenbar zu einem weiteren Angriff Russlands auf das Gelände, bei dem auch verbotene Phosphorbomben zum Einsatz gekommen sein sollen. Der Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko veröffentlichte im Nachrichtenkanal Telegram zu einer entsprechenden Meldung ("Die Hölle ist auf die Erde gekommen") Videos – und auch Fotos, die Aufschriften auf einigen Bomben zeigen sollen. Auf einer sei etwa auf Russisch zu lesen gewesen: "Kalusha, wie gewünscht! Auf Azovstal". Die Herkunft der Aufnahmen ist laut Agenturen noch unklar.

Twitter / Kateryna_Kruk
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Politische Statements sind auf der ESC-Bühne untersagt. Die European Broadcasting Union, die den Wettbewerb ausrichtet, erklärte aber laut Medienberichten, dass keine Maßnahmen gegen die Band ergriffen werden. Man glaube, dass die Kommentare eher humanitärer als politischer Natur waren, heißt es demnach von der EBU. Mehrere weitere ECS-Teilnehmende hatten bei ihren Auftritten Solidarität mit der Ukraine gezeigt, etwa Deutschlands Kandidat Malik Harris (24), der die ukrainischen Farben und den Spruch "Peace" auf der Rückseite seiner Gitarre zeigte.

Das ESC-Finale am Samstagabend in Turin stand unter dem Motto "The Sound of Beauty". Mit 439 von 468 möglichen Televoting-Punkten siegte die Ukraine klar vor dem Jury-Gewinner, Großbritannien mit Sänger Sam Ryder (32), der beim Televote nur den fünften Platz holte. Im Gesamtergebnis folgten auf sie Spanien, Schweden und Serbien. Deutschland landete auf dem letzten Platz. Die Ukraine hatte den ESC seit der ersten Teilnahme 2003 bereits zweimal gewonnen, 2004 mit Ruslana auf Englisch und 2016 mit Jamala auf Krimtartarisch. Der neue Siegessong, "Stefanija" auf Ukrainisch, war bereits vor Kriegsbeginn von Wettbüros in den Top Ten gesehen worden.

Twitter / thisismaneskin | Gratulation von den Siegern 2021
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Die EBU hat inzwischen alle Voting-Ergebnisse veröffentlicht, darunter die Jury- und Zuschauerstimmen aus Deutschland. Für Diskussionen dürfte noch sorgen, dass die EBU die Jury-Ergebnisse aus ganzen sechs von 40 Ländern wegen Auffälligkeiten stornierte und durch statistische Mittelwerte ersetzte. (cw/spot/dpa)



#1 PrideProfil
#2 ESC-FanAnonym
  • 15.05.2022, 11:16h
  • Es ist leider genauso gekommen, wie ich befürchtet hatte und hier schon nach dem deutschen Vorentscheid auf queer.de gepostet hatte:
    Deutschland ist wieder mal auf dem letzten Platz gelandet.

    Die Inszenierung hatte ein großes Problem. Wie bereits damals geschrieben, ist es ein Fehler auf der Bühne mit der Loop-Station zu arbeiten und dann von Instrument zu Instrument zu gehen. Viele Menschen kennen das nicht und denken dann nur "Wieso geht der von Instrument zu Instrument und spielt überall nur ein paar Takte und geht dann weiter?"

    Dazu kommt noch, dass jedem klar ist, dass beim ESC Halbplayback gemacht wird und nur der Gesang live ist. Und spätestens dann wird diese Inszenierung komplett unsinnig.

    Ich kaufe Malik durchaus ab, dass er auch all diese Instrumente beherrscht und auch live mit der Loopstation umgehen kann. Und das ist sicher auch künstlerisch sehr anspruchsvoll. Aber es ist halt keine Inszenierung für den ESC.

    Hätte er sich einfach nur mit seiner Gitarre da hin gestellt und seinen Song performt, wären die Chancen sicher besser gewesen.

    So wie damals z.B. Michael Schulte, einer der wenigen deutschen Acts der letzten 10 Jahre, der mal nicht auf dem letzten Platz gelandet ist. Der stand einfach nur da und hat ohne Choreographie oder anderes Chichi seinen Song gesungen. Und ist damit auf dem 4. Platz gelandet.

    Ich hatte schon letztes Jahr bei Jendrik gesagt, dass Titel und Interpret eigentlich mehr als den letzten Platz verdient haben. Da hat man es sich mit dieser tanzenden Hand, die am Ende den Zuschauern den Mittelfinger gezeigt hat, versaut. Und dieses Jahr hätten der Titel und der Interpret eigentlich auch was besseres verdient gehabt, aber da war dann auch wieder die Inszenierung unpassend.

    Würden die doch nur mal auf die Fans hören... Denn Fans sind es, die am Ende auch entscheidend mitbestimmen...

    Und natürlich immer und immer wieder die deutsche Selbstbeweihräucherung, womit wir uns in ganz Europa unbeliebt machen. Auch dieses Jahr wurde wieder im Vorfeld von zig Leuten gesagt, wie toll doch dieses Jahr unser Beitrag sei und dass wir jetzt wirklich gute Chancen hätten. Dieses mal ganz bestimmt.

    Und auch am Abend selbst hat Barbara Schöneberger wieder in diese Kerbe geschlagen (wenn auch nicht so extrem wie die Jahre davor) und Herr Urban hat auch wieder nach dem Beitrag gesagt "Also ich bleibe dabei, dass wir dieses Jahr tolle Chancen haben" oder so ähnlich.

    Im Zeitalter von Twitter & Co geht so viel Selbstbeweihräucherung durch alle Fanforen, etc. Und ein bisschen mehr Bescheidenheit täte Deutschland da gut. Auch dies habe ich hier schon oft genug moniert, aber auch das wird immer wieder gemacht.
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#3 ESC-FanAnonym
  • 15.05.2022, 11:21h
  • Antwort auf #1 von Pride
  • Das finde ich gar nicht.

    Mal ganz ehrlich:
    glaubt irgendwer, dass dieser Beitrag ohne die politische Lage gewonnen hätte? Das war eine rein politische Entscheidung der Zuschauer und einiger Jurys insb. aus Nachbarländern.

    Das ist ja auch für einen Sieger-Act nicht schön, wenn man ständig weiß, dass man eigentlich nur wegen der politischen Lage gewonnen hat. Und jemand anderem wurde dadurch der Sieg gestohlen.

    Ich finde, ein Song-Wettbewerb darf zwar durchaus auch politische Botschaften haben, aber bzgl. Sieg oder Niederlage sollte nicht die politische Lage entscheidend sein, sondern nur der Act, also Komposition, Text, Arrangement, Gesang, Inszenierung, etc. Und da glaubt doch wohl niemand, dass dieser Beitrag in anderen Zeiten auch auf Platz 1 gelandet wäre.

    Natürlich freue ich mich auch über dieses Zeichen, das wir damit diesem Land und seinen Menschen senden. Aber Solidarität kann man auch anders zeigen. Aber den ESC-Sieg finde ich falsch.
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#4 LothiAnonym
#5 Vic von der ElbeAnonym
#6 nichtbinärePersonAnonym
  • 15.05.2022, 11:37h
  • Antwort auf #3 von ESC-Fan
  • Und was willst Du nun machen? Die riesige Mehrheit des europäischen Publikums hat nun mal für die Ukraine gestimmt. Künftig keine Publikumsabstimmungen mehr erlauben? Den Leuten vorschreiben, für wen sie unter welchen Umständen und Voraussetzungen stimmen dürfen und für wen nicht?

    Nein, jemand anderem wurde nicht der Sieg gestohlen. So eine Aussage hat ja schon fast Trump-Qualitäten. Es hat das Land gesiegt, das die meisten Votes erhalten hat - Punkt, Ende, aus.

    Im übrigen ist Solidarität nun wirklich nicht die schlechteste menschlicher Regungen. Und wer sie SO zeigen will, soll das doch bitte tun dürfen.

    P.S. Was mir auch ziemlich auf den Senkel geht, ist diese ständige Nachbarländer-Schelte. Wenn ich für ein Nachbarland stimmen will, weil die vielleicht ein Lied ins Rennen geschickt haben, das meinem Musikgeschmack eher entspricht als andere, wer soll mir das verbieten wollen?

    Übrigens, ich selbst habe für Azerbaijan gestimmt, wohl wissend, dass die politische Lage dort - gelinde gesagt - sehr schwierig ist. Jedoch gefiel mir dieser Beitrag schlicht am besten, er hat mein Herz berührt. Dennoch habe ich mich über den Sieg der Ukraine sehr mitgefreut und sehe das als starkes Zeichen europäischer Solidarität in extrem harten Zeiten.
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#7 PrideProfil
  • 15.05.2022, 11:39h...
  • Antwort auf #3 von ESC-Fan
  • Wenn ich früher beim ESC mitfieberte, hatte das oft menschliche und eben politische Züge. Soll mir doch niemand sagen, Schlager-Fans seien nicht politisch. Und im eben politischen Sinn hat der ESC dann auch schon oft entschieden.
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#8 nichtbinärePersonAnonym
#9 KopfschüttelAnonym
  • 15.05.2022, 12:00h
  • Antwort auf #3 von ESC-Fan
  • "Das ist ja auch für einen Sieger-Act nicht schön, wenn man ständig weiß, dass man eigentlich nur wegen der politischen Lage gewonnen hat. Und jemand anderem wurde dadurch der Sieg gestohlen."

    Genau, Großbritannien wird jetzt weinen und dazu aufrufen, den ESC nächstes Jahr zu boykottieren.
    Schließlich ist der 2. Platz eine krachende Niederlage und zugleich der letzte Platz.
    Der Sieger-Act fühlt sich nun ganz bestimmt nicht wohl mit dem Sieg und den Stimmen aus fast ganz Europa.
    Und Politik hat früher NOCH NIE nur irgendeine Rolle im ESC gespielt.
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#10 TimonAnonym